Sonnige Wochenenden locken eine Spezies auf den Berg, die kaum angekommen in bilderstürmischer Manier blaue Himmel, neonleuchtende Skier und braunbestäubte Milchschäume als Lichtbilder einem nicht genau bekannten Kollektiv entgegenschmettert. Nicht selten dürfen wir, als wäre das nicht schon genug, den Fotografen selbst noch in die weissen Zähne schauen. Da oben tummelt sich das einheimisch Volk, das noch am späten Ende des Sommers vorfreudig in eines der begehrten Jahresabonnemente investiert hat. Die Karte sichert den Zugang ins weisse Paradies. Und das Wochenendprogramm für den langen Winter. Da braucht der Papa nicht so viel zu denken, emsig Gerümpel rumtragen reicht. Ja, sie lassen sich unterscheiden, die Abomenschen von den Nichtabomenschen; es sind feine Unterschiede im Gehabe. «Die Preziosität des modernen Abomenschen»: Vielleicht der Titel eines neuen Barbara-Budrich-Bestsellers?

Ach, was sind wir nicht ein Volk von Abonennten: Sauna, Schwimmbad, Nahverkehr, Fremdverkehr, Swingerclub, Bezahlfernsehen. Kaum eine Leistungsfolge, die es nicht  zu haben gäbe. S’abboner à quelque chose, egal was, egal wozu. Billiger ist gut. Lange her, dass ich mir kurzzeitig die Socken im Abonnement habe zusenden lassen. Das war witzig, hat das Leben aber nicht besser gemacht, vermochte die verwahrlosten Einzelsocken mit abgelaufenen Haltbarkeitsdatum auch nicht zu minimieren.

 

Womöglich können wir dem Abo einfach nicht entfliehen, findet es uns auch in ach so finsterem Tal, in ungeahntem Kontext. So dünkt mich hat Chur gerade das Abo in Sachen Gemeindefusion gebucht. Wo führt das noch hin? Frisst die kleine Stadt bald alles, was sich ihr aufdrängt? Gelten, wenn ich mich des Sommersnachts frei singend im Pajüelbach wälze, nicht  Pradner Gelassenheiten, sondern Stadtchurer Ruhezeiten? Ist Graubünden bald eine riesige Stadt mit 33 Prozent Steinwüstenanteil?

 

Apropos: Die Mannen der Bündner Regierung kriechen dem Anschein nach etwas geduckt im Felde umher. Es drückt die Sorge, schon wieder ins abonnierte Fettnäpfchen getrampt zu sein, was sich offiziell doch keiner mehr leisten will. Huara Quadrins! Sind es die bösen Geister, die Drückerkolonnen gleich den Mannen im grauen Haus die Fettpfützen im Flur verteilen? Mutig Kante zeigen, die Herren!

 

Das führt uns zu den letzten Mutigen: Die Schule im Dorf hat seit Zeiten die Dauerkarte in Sachen LehrerInnenfortbildung gelöst. Der Lehrplan der Goofen fördert allerhand inexistente Kompetenzen der dipl. Erwachsenen zu Tage. Das will korrigiert sein, wenngleich der angestrebte Impact nur selten eintreten will; es gehört zu den für aussenstehende Steuerzahlende allenfalls befremdlichen Tatsachen, dass sich Lehrkräfte allen Geschlechts im Kern einen Deut um diese Zwangsmassnahmen mit Bildungscharakter scheren. Unangenehm sind die Tage mit Gipfeli und Bewegungspause dennoch nicht. Allenfalls etwas lang, so ein Halbtäger von neun bis elf Uhr fünfzig täts doch auch. Mittwochs, wenns geht, mittwochs. Ab welchen Windgeschwindigkeiten gibt’s eigentlich sturmfrei?

 

Das Abo ist längst fest installiert im Gefüge unserers gesellschaftlichen Daseins. Es macht aber unfrei. Ein subtil herrschaftliches Ding also, des Rousseaus Ketten im 21. Jahrhundert mit Laufzeitbeschränkung. Weil ich nicht mit Skiern auf dem Berg Sonntag für Sonntag blaue Himmel fötelen will, lass ich es bleiben und mache, wonach mir gerade ist. Das ist manchmal in Anlehnung an den andern grossen Denker Kant tatsächlich auch in Faulheit begründete Unmündigkeit, mitnichten jedoch feige. Ohne Salbaderei. Und ja, doch – auch in meinem Geldbeutel liegen auch Leichen, zum Beispiel ein Indoor-Kletter-Pass (3 von 10 eingezogen) unbestimmten Datums zum Single-Boulder-Schwitzen über Mittag. Übertragbar. Interessiert?

 

PS: Dem grossen, grossen Musikus bietet das grosse, grosse Haus am Arcas viel zu wenig Platz. Das PS bewirbt sich hiermit offiziell beim Stadtrat zu Chur: Der «casa postscriptum» gereichen zwei Stockwerke fürs künstlerische Tun!

(Bild: GRHeute Archiv)