Erst die PUK, dann die Regierung: Letztere hat nun deutlich gemacht, dass sie trotz massiver Fehler auf allen Stufen an Walter Schlegel als Polizeikommandant festhält. Für diese Fehler hat die Regierung gegenüber Adam Quadroni ihr Bedauern ausgedrückt – sich aber nicht entschuldigt.

«Nur» knappe 70 Seiten dick ist der Bericht des Gutachters Andreas Brunner, den der ehemalige Zürcher Leitende Oberstaatsanwalt am Mittwoch vor den Medien in Chur präsentierte. Andreas Brunner war von der Regierung schon beauftragt worden, bevor die PUK ihre Arbeit aufnahm. «Es waren die Rollen sämtlicher Beteiligten aus dem Verantwortungsbereich des Departements für Justiz, Sicherheit und Gesundheit zu klären und der Sachverhalt auf seine Gesetzesmässigkeit, die Übereinstimmung mit internen Weisungen und insbesondere die Verhältnismässigkeit zu prüfen», sagte Departementsvorsteher Peter Peyer.

Was dabei heraus kam, unterstreicht den Bericht der PUK: Adam Quadroni, der Whistleblower im Baukartell, war nie als gewalttätig auffällig geworden. Die Grundlagen, nach denen der Bauunternehmer derart beurteilt wurden, beruhen auf falschen Informationen. Ausserdem wurde zu einem späteren Zeitpunkt keine weiteren Untersuchungen gemacht, die das hätten unterstreichen oder widerlegen können. Auch die Angaben der Frau von Adam Quadroni betreffend einer Selbstgefährdung oder Gewalttätigkeit wurden nie überprüft, sondern einfach als gegeben angenommen.

Eklatante Verfehlungen wurden vor allem innerhalb des Polizeikorps festgestellt. Der Postenchef im Unterengadin konnte seinen Plan ausführen, ohne von der Führung hinterfragt zu werden. «Der Kommandant hat eine erhöhte Verantwortung und hat sie nicht wahrgenommen», sagte Andreas Brunner. Seine Empfehlungen decken sich ebenfalls grösstenteils mit denen der Puk. Den grössten Handlungsbedarf sieht er in der Einrichtung eines Bedrohungsmanagements, in der Schulung des Polizeikorps und die Bekanntmachung von Ausstandsregelungen bei allen Beteiligten.

«Kompetent und eine integre Persönlichkeit»

Trotz dieser Vorwürfe an die Adresse von Korpskommandant Walter Schlegel hält Regierungsrat Peter Peyer an ihm fest. «Das sind alles Momentaufnahmen, in denen Fehler gemacht wurden. Ich musste aber das Ganze berücksichtigen und ich erlebe Walter Schlegel als kompetent und eine integre Persönlichkeit», sagte Peter Peyer. «Es war ein Führungsentscheid und kein politischer Entscheid. Und ich gebe zu: Es liegt nicht in meinem Naturell, einfach Leute zu entlassen.» Er sei überzeugt, dass sie gemeinsam weiter kommen würden. Die getroffenen Massnahmen würden auch kontrolliert werden.

Peter Peyer drückte ausserdem sein Bedauern aus, dass in den Polizeieinsätzen Fehler gemacht wurden. «Wir haben das Adam Quadroni auch schriftlich mitgeteilt.» Eine Entschuldigung steht, solange noch Strafverfahren laufen, nicht zur Debatte. «Die Formulierung des Bedauerns ist angemessen», sagte Peter Peyer.

Ob Mitglieder des Baukartells Einfluss hatten auf die Polizei-Einsätze bei Adam Quadroni beantwortete der Bericht von Andreas Brunner nicht. «Es war auch nicht unsere Aufgabe, das festzustellen.» Und Peter Peyer ergänzte: «Wenn die PUK trotz intensiver Recherchen zum Schluss kommt, dass es keinen Zusammenhang gibt, dann müssen wir das so zur Kenntnis nehmen.»

(Bild: GRHeute)

 

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