Tourismus.Total: «Romontsch promova il turissem»

Am vergangenen Sonntag durfte ich an der Eröffnung des cuors da romontsch sursilvan dabei sein. Dieser wird jeden Sommer von der Fundaziun Retoromana Pader Flurin Maissen (FRR) organisiert und feiert dieses Jahr sein 50-jähriges Jubiläum. Cordiala gratulaziun!

Den Kurs ins Leben gerufen haben im Jahr 1969 Pader Flurin Maissen und sein Bruder Augustin Maissen, zwei Persönlichkeiten mit grossen Verdiensten für die romanische Sprache. Über die Jahre hat sich der Kurs auch räumlich weiterentwickelt. So startete er 1969 im Benefeci Rumein, wechselte 1982 in die Casa Caltgera nach Laax und fand ab 2015 im Haus der Begegnung der Dominikanerinnenschwestern in Ilanz sein aktuelles Zuhause. Grund für die Wechsel waren die stetig steigenden Teilnehmerzahlen. Waren es 1969 noch 22 Teilnehmer, nehmen im Jahr 2019 126 Kursteilnehmer während 2 Wochen am cuors romontsch sursilvan teil. Ein neuer Rekord!

Wenn man die Entwicklung dieser Zahlen betrachtet, schlägt sowohl das touristische als auch das rätoromanische Herz höher. Der FRR ist es gelungen mit ihrem Bildungsangebot während 50 Jahren erfolgreich am Markt zu bestehen. Sie konnte in einer Zeit, in der das Rätoromanische nach wie vor unter Druck steht, jedes Jahr von neuem Personen begeistern die Sprache zu erlernen. Während 50 Jahren hat sie auch eine erhebliche Wertschöpfung geschaffen. Der Fundaziun Retoromana Pader Flurin Maissen (FRR) und allen ihren aktuellen und ehemaligen Organisatoren und der Lehrerschaft gebührt ein grosses Kompliment und Dankeschön. Die beiden Gründer Pader Flurin und Augustin Maissen wären vermutlich stolz, wenn sie wüssten, wie gut ihre Nachfolgerinnen und Nachfolger den Kurs weiterentwickelt haben.

Ist der cuors da romontsch aus touristischer Sicht relevant? Um diese Frage zu beantworten, ist es spannend die Teilnehmerzahlen zu analysieren. Von den 126 Teilnehmern stammen lediglich 31 aus der Surselva und Graubünden. Die übrigen 89 Teilnehmer stammen aus der übrigen Schweiz und 6 aus dem Ausland. Es kann somit festgellt werden, dass mindestens 75% der Teilnehmer Feriengäste sind. Diese generieren mit dem zweiwöchigen Kurs eine schöne Anzahl Logiernächte. Damit wäre die Frage bereits beantwortet: der cuors da romontsch ist aus touristischer Sicht relevant.

Entsteht aus dem cuors da romontsch – neben den Logiernächten – noch weiterer touristischer Nutzen? Mit Freude durfte ich feststellen, dass sich unter den Teilnehmern auch viele Zweitwohnungseigentümer bzw. Zweitheimische befinden. In der Destination Surselva haben wir viel mehr Betten in Ferienwohnungen als in Hotels. Für uns haben die Zweitheimischen daher eine immens hohe Bedeutung. Es ist daher umso erfreulicher, dass sich viele Zweitheimische für unsere Kultur und das Leben von uns Einheimischen interessieren. Sie möchten unsere Sprache erlernen. Sie möchten besser verstehen, wie unsere Region funktioniert und wie wir „ticken“. Sie möchten an unserem kulturellen Leben in der Surselva teilnehmen. Neben den nicht zu vergessenden Walser-Dialekten sind die romanische Sprache und das romanische Liedgut der Schlüssel dazu. Der zusätzliche touristische Nutzen ist die verstärkte emotionale Bindung von Zweitheimischen zu unserer Region. Wenn dies dazu führt, dass unsere Zweitheimischen noch mehr Tage in unserer Region verbringen und in den Zeiten der Digitalisierung zum Teil auch von der Surselva aus arbeiten, dann haben wir mehrfach gewonnen. Letztendlich ist die rätoromanische Sprache auch ein touristisches Alleinstellungsmerkmal, welches wir als Tourismusorganisation nutzen müssen.

Nützt der Sprachtourismus auch der Kultur? Aus meiner Sicht Ja. In unseren Dörfern und Gemeinden gibt es noch eine grosse Anzahl von Chören, Musikgesellschaften, Theatervereinen und anderen kulturellen Organisationen, welche die Kultur praktizieren. Die Teilnahme in diesen Vereinen gibt den Einheimischen Identität und trägt zum Lebensglück bei. Die Vereine organisieren auch regelmässig Konzerte und Vorführungen. Für diese wünschen sie sich natürlich möglichst viel Publikum. Wieso sollen neben den Einheimischen nicht auch die Feriengäste diese besuchen? Dies ist eine Win-Win-Situation für alle. Die Vereine haben Zuschauer und können etwas Geld für die Vereinskasse verdienen und die Gäste haben eine gute Unterhaltung. Eventuell können die Vereine auch noch neue Mitglieder bei den Gästen, insbesondere Zweitheimischen, gewinnen. Dies trägt zum Weiterbestehen der Kulturvereine bei und dies bedeute letztendlich sowohl für den Tourismus als auch für die Kultur einen Nutzen. Und vielleicht gibt der Erfolg bei den Touristen den Kulturvereinen auch den Mut, von Zeit zu Zeit, eine kulturelle Grossveranstaltung zu organisieren. Die Tourismusorganisationen würden sich auf jeden Fall freuen.

Jeu giavischel a vus ina biala stad e selgrel sin las biaras occurenzas culturalas en Surselva ed el cantun Grischun.

Die Tourismus-Total-Expertenrunde von GRHeute berichtet einmal wöchentlich über aktuelle Tourismusthemen für Graubünden.

Heute für Sie unverblümt und direkt von der Front: Kevin Brunold, Geschäftsführer der Surselva Tourismus AG.

(Bild: Surselva Tourismus)