Shoppen im Internet wird immer beliebter. Wie viele Arbeitsstunden den Arbeitgebern dadurch verloren gehen, weil Herr Schweizer sich im weltweiten Netz ein neues Auto sucht oder Frau Schweizer ein passendes Kleidungsstück braucht, ist bis anhin nicht bekannt.

Bekannt hingegen ist, dass im Durchschnitt jeder achte per Mausklick georderte Artikel retourniert wird, wie eine Erhebung der Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg ergeben hat. Im vergangenen Jahr sind allein in Deutschland 487 Millionen online bestellte Artikel zurückgeschickt worden. Bei Kleidern und Schuhen ging sogar fast die Hälfte zurück.

Das Retournieren belastet zum einen die Händler. Denn ein zurückgesandtes Paket kostet die Händler gut 19 Euro – die Hälfte geht auf das Konto des Transports, die andere auf das Sortieren. Allein in Deutschland fallen dadurch Kosten von 5,46 Milliarden Euro jährlich an. Die Forscher halten es angesichts der steigenden Beliebtheit des Online-Shoppings und der damit wachsenden Zahl von Rücksendungen für wahrscheinlich, dass Retouren in Zukunft öfter etwas kosten.

Zum anderen belasten die Retouren auch die Umwelt. Im vergangenen Jahr mussten 280 Millionen Pakete mit retournierten Waren durch Deutschland gefahren werden. 238000 Tonnen an CO2-Äquivalenten seien dadurch emittiert worden, rechnen die Bamberger Forscher vor. Das entspreche etwa der Wirkung von täglich 2200 Autofahrten von Hamburg nach Moskau, wenn das Fahrzeug 150 Gramm CO2 pro Kilometer ausstosse.

Wenn man bedenkt, dass 4 Prozent der zurückgeschickten Erzeugnisse im Müll landen, weil sie kaputt oder verschimmelt sind, sollte dies zu bedenken geben. Eine massenhafte Vernichtung neuer Produkte findet offenbar nicht statt, wie Versandhändler Zalando erklärt.

Im Vergleich dazu muss objektiverweise berechnet werden, wie hoch der CO2-Ausstoss ist, der durch Fahrten in Einkaufszentren oder ins benachbarte Ausland erzeugt wird. Alt Bundesrat Johann Schneider-Amann erwähnte vor gut zwei Jahren, dass durch das Auslandshopping dem Detailhandel in der Schweiz rund 4. Mrd. CHF verloren gehen. Aufgrund des steigenden digitalen Einkaufs im Ausland dürfte dieser Betrag in den letzten Jahren noch angestiegen sein.

Wir Grünliberalen möchten die Konsumenten nicht bevormunden, dennoch wollen wir aufzeigen, dass das Online-Verkaufsverhalten auch negative Auswirkungen hat. Wir dürfen uns letztlich nicht verwundern wenn ein Detailgeschäft nach dem anderen in der Schweiz zugeht und die Arbeitslosigkeit in diesem Bereich zunimmt.

(Bild: Unsplash/ GRHeute)

Am 20. Oktober wird in der Schweiz das neue Parlament gewählt. Im Politforum von GRHeute diskutieren bis zu den Wahlen verschiedene Kandidaten über Themen, die ihnen unter den Nägeln brennen. Heute: Gaudenz Bavier, Präsident GLP Graubünden