Ein Leserbrief von Valérie Favre Accola, Davos, Kleine Landrätin, Grossrätin & Nationalratskandidatin der SVP Graubünden

 

Kürzlich hat die Fachgruppe Kinderschutz der Schweizerischen Kinderkliniken ihren Bericht 2018 publiziert.  Dabei wurden auch mit 24 Missbräuchen die Zahlen der Kinderklinik Chur publiziert. Aufgrund der Publikation «0 Meldung sexuelle Missbräuche» in der Kinderklinik Chur könnte fälschlicherweise der Eindruck beim Leser entstehen, dass es zu keinen sexuellen Missbräuchen in Graubünden gekommen ist.

Ein Blick in den Bündner Polizeibericht 2018 belehrt uns leider des Besseren…

Gemäss dem Polizeibericht 2018 wurden in Graubünden 19 Widerhandlungen gegen Art. 187 StGB (Sexuelle Handlungen mit Kindern) und 78 Pornographiedelikte (Widerhandlungen im Sinne von Art. 197 StGB) bearbeitet. Im letzteren Fall handelt es sich hauptsächlich um Kinderpornographie. Die registrierten Fälle haben im mittelfristigen Vergleich zugenommen (von 2015-2018 beinahe eine Verdoppelung). Dass gemäss der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie nach Jahren der  Zunahmen (+10%) sich die Fälle nun auf hohem Niveau eingependelt haben, heisst nicht, dass kein Handlungsbedarf besteht. Insbesondere wenn man weiss, dass die  Dunkelfeldforschungen aus den vergangenen Jahren davon ausgehen, dass zum Beispiel in Deutschland jede/r Siebte bis Achte sexuelle Gewalt in Kindheit und Jugend erlitten hat.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht von rund 18 Millionen Minderjährigen aus, die in Europa von sexueller Gewalt betroffen sind. Davon ausgehend dürfte die Dunkelziffer auch in Graubünden sehr viel höher sein als die registrierten Widerhandlungen, sei es bei Kinderkliniken oder im Polizeibericht. Wir haben auch in Graubünden Handlungsbedarf und es ist höchste Zeit, dass wir alle, egal ob in den Schulen oder Vereinen, Präventivmassnahmen ergreifen. Wir müssen als Gesellschaft aufhören, den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen kleinzureden. Es ist an uns, die Öffentlichkeit für diesen Problem sensibilisieren  und alles unternehmen, um die Würde und die (sexuelle)  Integrität von Kindern und Jugendlichen zu schützen. Handeln wir!

 

 

(Symbolbild: Pixabay)

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