In der Rubrik «Musik jenseits der Berge» besprechen wir in unregelmässigen Abständen Bands, die keinen oder nur einen minimalen Bezug zu Graubünden haben. In der 16. Ausgabe haben wir uns mit dem neuen Werk «Cluttered and Crowded» der Zuger Band Gracchus auseinander gesetzt.

Rotting
Die bereits bekannte Nummer hat einen neuen Anstrich bekommen und klingt noch durchschlagender. Während beim ersten Video der Text von Sänger Bernhard vor allem in den Strophen ein wenig untergegangen ist, versteht nun alles ziemlich sauber und es macht Spass mehrfach hin zu hören, weil der Song auf eine angenehme Art und Weise gealtert ist. Der Piano-Zwischenteil kurz vor der vierten Minute gefällt mir ziemlich gut, aber auch sonst ist es ein Opener, der sich nicht verstecken muss.

Change the track
Das Metalgewitter bricht los und der düstere, phasenweise Klang ballert mal kurzerhand eine Minute durch die Boxen bis endlich etwas fieser Gesang dazu mischt und das komplexe Schiff auf Kurs bringt. Der Refrain ist sehr melodiös und zeigt, dass progressive Musik auch für ein Mainstream-Publikum hörbar produziert werden kann. Interessant zu hören, dass auch noch nach knapp vier Minuten immer wieder neue Facetten vorgestellt werden und Gitarrist Jeff mal locker ein Solo hinlegt, das einfach nicht kalt lässt. Was für ein fetter 6-Minuten-Track. Like it a lot!

Carnival
Das Herzstück der EP zeigt auf diverse Arten die Verspieltheit und ausgelebte Kreativität der Zuger Herren. Das tighte Zusammenspiel von Bassist Marcel und Schlagzeuger Allan regt phasenweise zum Pogen und Durchdrehen an. Doch das teils leichtfüssige Off-Beat-Monster verliert nie seinen mystischen Charakter und bleibt mit seiner Schwermütigkeit ein episches Stück, das man mehrmals hintereinander hören will, um die unterschiedlichen komplexen Teile wirken zu lassen und sie zu analysieren. Eine echte Wucht, die Bock auf mehr macht und weit über den Tellerrand mit seiner Reichhaltigkeit blickt.

Into the Void
Grundsätzlich empfinde ich Covers auf Tonträgern etwas lame und doch macht der hier im Orginal von Black Sabbath irgendwie Sinn. Vor allem das Video dazu ist echt ein Blick wert, denn es zeigt die Reise der Zuger in den vergangenen Jahren. Ihr eigener Sound hat sie doch schon einige Kilometer runter reissen lassen.

Not your Enemy (Live at TaK)
Ha, da war ich dabei! Bei ihrem ersten Gastspiel im Fürstentum Liechtenstein haben sie die Besucher im Theater am Kirchplatz Schaan ziemlich weg geblasen. Aber seht am besten gleich selbst.

Schlussfazit:
Die EP von Gracchus ist mit einer Spielzeit von fast einer halben Stunde, bei gerade mal fünf Lieder ziemlich vielschichtig ausgefallen. Diese Band hat das Potenzial ganz oben mit zu spielen, denn vieles was sie auf diesem Tonträger zelebrieren, hört man nicht gerade jeden Tag. Ohne Kompromisse wird hier bewiesen, das mit viel Energie und Herzblut, ein Brett entstehen kann, das den internationalen Vergleich nicht zu scheuen braucht. Fett! Weiter so, vielleicht bald mal auch auf Longplayer-Länge?!!!?