Heute eröffnet das Theater Chur die neue Saison im Rahmen des Festivals «Brecht!/BB18» mit der Schweizer Erstaufführung von «Die Antigone des Sophokles», einem Gastspiel des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden in der Regie von Manfred Karge. Das Brecht’sche Antigone-Modell wird in weiteren zwei Produktionen reflektiert. Am Samstag, 22. und am Sonntag, 23. September befragt die Performancekünstlerin Ann Liv Young in «Antigone» die Rolle, die Beziehung und die Verantwortung des Individuums gegenüber dem Staat.

«You refuse to see. You are blind but you have eyes.» – schreibt Ann Liv Young zu ihrer neuen Arbeit. In «Antigone», die am 13. September in der Zürcher Gessnerallee Premiere hatte, geht sie der Geschichte von Antigone nach und setzt dabei einen Schwerpunkt auf die Version von Bertolt Brecht von 1948, die in Chur uraufgeführt und danach in Zürich gezeigt wurde. In ihrer Performance zeigt die US-Amerikanerin auf, wie sich das heutige politische Klima in den von Brecht aufgeworfenen Fragen über individuelle und kollektive Handlungsmöglichkeiten im Angesicht des Faschismus widerspiegelt. Ann Liv Young befragt die Rolle und die Verantwortung des Individuums gegenüber dem Staat: Was kann der oder die Einzelne tun?

Brechts experimentelle Theaterarbeit und somit das Churer Antigone-Modell führten 1949 zur Gründung des Berliner Ensemble und hatten grossen Einfluss auf die Theaterpraxis und die Theatertheorie weltweit. Im Oktober zeigt das Theater Chur mit der szenischen Installation «Antigone::Comeback» von RAUM+ZEIT eine weitere aktuelle Arbeit, die sich mit der Brecht’schen Antigone-Version und deren Thematik auseinandersetzen wird.

 

(Bild: zVg.)