«fern & näher 2018», die dritte Ausgabe der Waltensburger Hörspielereien, geht unter dem Motto «Hörensagen» den Geschichten, Sagen, Legenden und Gerüchten nach, die entstehen können, wenn die Wahrheit nicht bekannt ist oder verdrängt wird.

«fern & näher» findet am Freitag, 24. August und Samstag, 25. August 2018 auf Jörgenberg in den Ruinen der grössten Burganlage der Surselva in Waltensburg / Vuorz statt. In den mittelalterlichen Mauern kommen die Stimmen der Künstlerinnen und Künstler auf einmalige Weise zur Geltung.

Im 2018 jähren sich die letzten Hexenprozesse des Hochgerichtes Waltensburg zum 300sten Mal. 1718 wurden Regula Conzin und Anna dil Ambrosi aufgrund von Indizien und Zeugenaussagen verurteilt.
Der erste Abend thematisiert die «Hexen» und deren Verfolgung. Die Kulturwissenschaftlerin und Historikerin Ursula Brunold-Bigler stellt sich in ihrem Beitrag die Fragen: Wer sind die Hexen, die in Sagen mehrheitlich Schaden stiften? Worin bestehen ihre vermeintlichen Schandtaten? Weshalb stehen gewisse Tiere in Verbindung mit den Hexen? Wer hat diese Geschichten erfunden?
Ursula Brunold-Bigler erhielt 2017 den Schweizer Märchenpreis der Mutabor Märchenstiftung für ihre intensive Forschungstätigkeit zur Schweizer Märchen- und Erzählkultur. Darin gibt sie den Märchen, die ihnen gebührende Bedeutung als identitätsstiftendes Kulturerbe zurück.

Hubert Giger ist geboren und aufgewachsen in der Val Medel. Als Historiker publizierte er 2001 das Standardwerk „Hexenwahn und Hexenprozesse in der Surselva“. Daraus und aus neueren Publikationen stellt er die Hexenprozesse im Hochgericht Waltensburg dar und beleuchtet besonders die beiden letzten Hexenprozesse in Waltensburg vor 300 Jahren. Auf Deutsch und Romanisch liest er aus seinem Roman „La stria da Dentervals/Die Hexe von Dentervals“, der aufzeigt, wie der Vorwurf der Hexerei kontinuierlich aufgebaut wird.

Sagen wie Märchen basieren auf mündlichen Überlieferungen. Die fantastischen Erzählungen übersteigern die Wirklichkeit; sie drücken eine andere Wahrheit aus. Ihr Wesenskern sind übernatürliche Ereignisse der Vergangenheit, welche einer historischen Begebenheit entbehren. Die Märchenerzählerin Sidonia Kasper lässt in mehreren kurzen Zwischenspielen Sagen aus Graubünden, die von Hexen und dämonischen Tieren handeln, durch ihr Erzählen lebendig werden.
Am Samstag schildern zwei Bündner Schriftstellerinnen in ihren literarischen Texten das Leben im Bergdorf der Gegenwart.

Leontina Lergier-Caviezel ist in Vrin geboren und aufgewachsen. Sie hat Gedichte, Erzählungen und Romane publiziert. «Davos ils mugrins» ist nach «Romana» und «Nus duas» ihr dritter Roman.
Jahrzehnte bevor eine junge Unterländerin in ein Bündner Bergdorf heiratet, ist dort eine Tragödie geschehen, deren genaue Umstände verschwiegen werden. Der Roman „Davos ils mugrins“ nähert sich Schritt für Schritt und aus wechselnder Perspektive dem damaligen Geschehen, den Lügen und Wahrheiten an. Die Lesung auf Romanisch wird von deutschen Zusammenfassungen begleitet.

In „Tamangur“, dem ersten Roman von Leta Semadeni auf Deutsch, bevölkern die beiden zentralen Figuren der Grossmutter und ihrer Enkelin neben mehreren skurrilen Figuren und einigen Abwesenden ein fiktives Bündner Bergdorf. In eindrücklichen Bildern entwirft die Autorin ein Leben zwischen Alltagsabenteuer und existentiellen Fragen.
Leta Semadeni stammt aus dem Unterengadin und ist eine der renommiertesten Vertreterinnen der rätoromanischen Lyrik der Gegenwart. Sie erhielt u. a. den Literaturpreis des Kantons Graubünden, den Preis der Schweizerischen Schillerstiftung und den Schweizer Literaturpreis.

Ab 18 Uhr wird an beiden Abenden des «fern & näher» unter freiem Himmel ein Nachtessen angeboten. Bei einbrechender Dunkelheit schafft die Beleuchtung mit Kerzen und Fackeln eine ganz spezielle Atmosphäre. Sollte es regnen, stehen für die Aufführungen und die Restauration Zelte bereit.

Detailliertes Programm und weitere Informationen unter www.fernundnaeher.ch