Eine Gruppe von 15-jährigen Mädchen planen seit zwei Jahren mit Hilfe der Jugendarbeit Landquart Angebote und Projekte für Mädchen im Jugendalter. Daraus entwickelte sich ihr Wunsch, dass die Interessen und Anliegen von Jugendlichen in Landquart auch politisches Gehör erlangen. Wie Politik funktioniert erlebte die neu gegründete Politikgruppe mit fünf Mädchen und die Jugendarbeiterin an der gestrigen Gemeindeversammlung in Landquart.

Staunend betraten die fünf Jugendlichen gestern um 20 Uhr das Forum im Ried. Die bevorstehende Gemeindeversammlung über den Vorentscheid zum Bau einer Dreifachturnhalle im Wert von 15 Mio. Franken interessiert auch die 15jährigen Mädchen. Die im Foyer ausgestellten Baupläne und das Modell wurden sofort unter die Lupe genommen und heiss diskutiert. „Die ist ja riesig und wird auf unserem Schulareal gebaut“, stellte Lina Hoch fest. Und schnell wurde auch klar, dass die bestehende Turnhalle und die alte Schulaula für den Bau weichen müssen. Ein wenig schade sei das schon, schwelgten Maria Gucanin und Liza Iabonschi, aber schliesslich könne mit der neuen Dreifachturnhalle auch viel grössere Sportevents in Landquart stattfinden.

Beim Eintritt in den grossen Saal kam der Politikgruppe der Jugendarbeit die Ehre zuteil, von Gemeindepräsidenten Sepp Föhn persönlich empfangen und zu ihrem Tisch begleitet zu werden. Mit ihm zogen die Mädchen freundlich grüssend an ihrem Schulleiter und Sportlehrer vorbei. Sepp Föhn begrüsste bei seiner Eingangsrede die Mädchen und die Jugendarbeit vor dem zahlreich erschienenen Landquarter Stimmvolk.

Die ausgelegte Jahresrechnung mit vielen Zahlen und Fakten stoss auch bei den jungen Mädchen auf reges Interesse. Sie trauten ihren Augen nicht, als sie sahen, was die Schule jährlich kostet. Wer das denn zahlen würde, fragte sich Claudia Aumente. „Im Vergleich zur Schule kostet die Jugendarbeit Peanuts“, zog Flurina Schütz ihren Schluss. Nun fingen die Mädchen an zu verstehen, warum ihre Eltern Steuern zahlen und warum das Stimmvolk sich für den Bau der Dreifachturnhalle so sehr interessiert. Bei der angeregten Diskussion in der Gemeindeversammlung und den Anträgen zum Bauvorhaben fieberten die jungen Mädchen mit. Ist eine Betonkonstruktion oder wie in einem Antrag erläutert eine Holzkonstruktion für das Dach besser? Die Politikgruppe der Jugendarbeit bildete sich ihre eigene Meinung.

Der Besuch bei der Gemeindeversammlung ist ein erster Schritt basisdemokratische Politik für die Mädchen erlebbar und verständlich zu machen. Bisher haben sie sich für gleichaltrige Mädchen in Landquart stark gemacht und für sie Anlässe und Projekte organisiert. „Diese Mädchen sind bereits die zweite Generation unserer Mädchenorganisationsgruppe“, gibt Wiebke Schwing, Leiterin der Jugendarbeit wider. „Wir haben vier Jahre gebraucht, dass die Mädchen sich trauen und verstehen, dass sie auch als Minderjährige mit ihren Anliegen politische Wege einschlagen können.“ Wie das funktioniert, dafür ist Schwing im Austausch mit dem Gemeindevorstand.

 

Die Jugendarbeit ist ein Angebot der Gemeinde Landquart. Jugendliche im Alter von 13-18 Jahren treffen sich in ihrer Freizeit bei der Jugendarbeit Landquart und entwickeln Ideen zu sinnvollen Gestaltung ihrer Lebenswelt. Dabei erhalten sie von den Jugendarbeitenden notwendige Ressourcen und werden im verantwortlichen Zusammenleben gefördert. Das Engagement der Politikgruppe und diverser anderer Projektgruppen ist freiwillig.