Eine Erfindung aus Japan kündigt eine potentielle Revolution im Wintersport an. Die Idee: Durch die neuen kommunikativen Möglichkeiten von heute wird das Erlebnis für Skifahrer und Snowboarder in eine neue Ära geführt.

«Liebe Skicracks, auf der Stützlipiste bei der Bergstation hat Fredy Huber eine neue Bestzeit hingelegt. Wer fordert ihn heraus?»

«Wer nicht anstehen will, sollte jetzt an die Mittelstation. Super-Pisten, im Moment nur 2 Minuten Wartezeit.»

«In der Schneebar bei der Talstation ist von jetzt bis Ende 15 Uhr Happy Hour. Wer also was trinken will, jetzt ist die beste Gelegenheit.»

«Letzte Woche spielte Bombay Street bei uns im Skigebiet, wer’s verpasst hat, auf Kanal 5 startet in wenigen Minuten der Live-Mitschnitt.» 

Wird es in Zukunft so oder ähnlich unter unseren Skihelmen tönen? Eine neue Erfindung aus Japan stösst bei Medien und Touristikern jedenfalls auf Interesse. Gemeint ist das sogenannte Bonx-Walkie-Talkie, das an einem Ohr getragen wird und wie ein Bluetooth-Kopfhörer funktioniert.

So können sich Sportler während dem Skifahren oder Snowboarden unkompliziert und jederzeit mit Freunden unterhalten, ganz gleich, ob sie fahren oder stehen oder wo sie sich auf dem Berg aufhalten. Das habe den grossen Vorteil, dass man nicht immer das Handy aus der Tasche kramsen und die Handschuhe ausziehen müsse, wenn man mit jemanden sprechen wolle, der nicht am selben Ort sei, sagt Takahiro Miyasaka, CEO von Chikei, dem Start-up-Unternehmen hinter Bonx. Auch wenn man auf der Piste miteinander fahre, sei es heute nur möglich, miteinander zu kommunizieren, wenn man direkt nebeneinander stehe. «Bis jetzt gab es verschiedene Hürden, um unkompliziert mit Freunden während dem Sport im Freien zu kommunizieren», erklärte der Japaner in einer.

Der Bonx-Walkie-Talkie

Der Bonx-Walkie-Talkie besitzt nur zwei Knöpfe, die auch mit Handschuhen bedient werden können. Drückt man einen Knopf auf dem Bonx-Ohrgerät, kann man mit den Leuten in der Gruppe kommunizieren. Zudem hat das Produkt auch einen Hand-Free-Modus, der automatisch startet, sobald die Stimme des Users erkannt wird.

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Das Potenzial des Box-Walkie-Talkies ist beträchtlich, die möglichen Anwendungsgebiete gross. So könnten beispielsweise Eltern ihren Kindern in einem Skigebiet mehr Freiheiten geben, weil man quasi permanent in Verbindung bleiben kann.

Andererseits könnten auch Bergbahn-Betriebe selbst Kanäle bewirtschaften und die BesucherInnen auf Wunsch unterhalten und auf dem Laufenden halten (siehe Einstieg). Das Spannende: Schneesportler könnten über die App selbst wählen, welche Kanäle sie aktivieren wollen (Pisteninfos, Spezialangebote, Musik).

Spinnen wir die Idee noch etwas weiter: Eine solche Entwicklung würde zwangsläufig zum Gedanken führen, man könnte ja bei einem solchen System auch Werbung über die Kopfhörer abspielen (falls die Schneesportler dies wählen). Die Vorstellung tönt interessant: Für jeden Werbespot, den man sich anhört, wird die Tageskarte 1.- günstiger. Das wär doch mal eine Idee…

«Einfluss lässt sich nicht abschätzen»

Der neue Bonx-Walkie-Talkie wird zurzeit in Japan und in den USA getestet und soll bei erfolgreichem Verlauf schon bald weltweit lanciert werden. In Graubünden weiss man vom neuen Wundergerät noch wenig bis nichts.

«Von diesem Produkt habe ich noch nicht gehört. Ich finde es aber spannend und prüfenswert», so Pascal Jenny, Direktor von Arosa Tourismus. Für Nuot Lietha, Leiter Unternehmenskommunikation Davos-Klosters, ist der Bonx eine «Weiterentwicklung des Walkie-Talkies, welches heute schon zum Einsatz kommt. Viele Gäste, die in grösseren Gruppen unterwegs sind, verständigen sich auf diese Weise. In welcher Form nun die Weiterentwicklung einen positiven Einfluss auf den Ski- bzw. Wintertourismus haben wird bzw. kann, lässt sich zum heutigen Zeitpunkt nicht abschätzen.»

Eine Frage der Sicherheit?

Das Potenzial des innovativen Geräts wird aber durchaus anerkannt. «Es ist eine weitere Möglichkeit, miteinander zu kommunizieren, was heute ein allgegenwärtiges Thema ist, mit den sozialen Medien, WhatsApp etc.», so Nuot Lietha.

Da das Produkt erst zwischen Entwicklungs- und Einführungsphase steht, sind für Lietha auch einige Fragen offen: «Der wohl wichtigste Faktor ist die Sicherheit. Wie beim Autofahren gilt auch beim Skifahren oder Snowboarden: Wer abgelenkt ist, verursacht schneller einen Unfall. Gerade bei ungeübten Fahrern kann dies ein nicht zu unterschätzender Faktor sein. Die Geschwindigkeiten auf den Pisten nehmen fortlaufend zu und somit birgt dieses Gerät ein gewisses Potential, wenn es während der Fahrt im Einsatz steht. Dies gilt auch für das Musikhören während der Fahrt, da die Umgebungsgeräusche unterdrückt oder gedämpft werden.»

«Wintersport ist auf Innovationen angewiesen»

Andere wiederum sehen dem neuen Produkt optimistisch entgegen. Urs Wohler vom Tourismusverein Scuol meint: «Innovation ist wichtig, und gemeinsame Erlebnisse im Schnee führen zu tollen Erfahrungen und in der Folge zu Erinnerungen, von denen man gerne erzählt. In diesem Sinn wünsche ich der Idee viel Erfolg!» 

Auch in Arosa kann man sich vorstellen, dass das neue Produkt Erfolg haben kann. «Der Wintersport ist auf alle Innovationen im Bereich der Jugendlichen und Familien angewiesen. In der nächsten Generation von Eltern in Europa werden bereits über 50% der Eltern gar nicht mehr selber Skifahren können. Darum ist die Branche aufgerufen, alle Ideen zu prüfen. Kommunikation ist ein wichtiges Thema auf der Piste. Aus meiner Sicht ist die Idee keine Revolution, aber eine spannende Neuerung», gibt Pascal Jenny von Arosa Tourismus zu verstehen.

In St. Moritz wartet man erstmal ab: «Selbstverständlich gehen die Wintersportler mit der technologischen Entwicklung, und wenn diese Neuheit Sinn macht, wird sie auch vom Markt aufgenommen», meint Roberto Rivola, Leiter Unterehmenskommunikation von St. Moritz Tourismus.

(Bild: Screenshot GRHeute)