Mit der Photovoltaik-Anlage Calinis im ehemaligen Steinbruch Felsberg entsteht die grösste Photovoltaik-Anlage im Kanton Graubünden. Die Anlage wird mit einem Jahresertrag von 1’500‘000 kWh Strom für rund 400 Haushaltungen produzieren.

Hoch erfreut begrüsste gestern Markus Feltscher, Verwaltungsratspräsident der Rhiienergie AG die Gäste des Spatenstichs: «Dieses beachtliche und nachhaltige Leuchtturmprojekt passt zur Strategie von rhiienergie. Denn es wird uns dadurch möglich sein, grosse Mengen an erneuerbarer Energie zu erzeugen und langfristig mitzuhelfen, das Einzugsgebiet von rhiienergie als eine der ersten Regionen der Schweiz netto CO2-frei werden zu lassen. Eine Vision, die für uns zur Mission werden dürfte.» Neben diesem ambitionierten Ziel passt sich die Anlage hervorragend ins Landschaftsbild ein und füllt eine Steinbruchbrache mit einer sinnvollen Energieerzeugungsanlage. 

Der Spatenstich würde jedoch ohne den Mehrheitsaktionär der Calanda Solar AG Per Sandven nicht stattfinden. «Sandven hat seit Beginn an das Projekt geglaubt und war bereit, gemeinsam mit rhiienergie das Entwicklungsrisiko zu übernehmen», schreiben die Verantwortlichen in einer Medieninformation.

v.l.n.r. Renato Moser, Bürgerpräsident, Per Sandven, Urs Simeon, Christian Capaul, Markus Feltscher, David Baselgia, CRESTAGEO AG, Peter Camastral, Gemeindepräsident Felsberg

Von der Zonenplanung bis zur Fertigstellung der Anlage wurde die Fanzun AG mit der Entwicklung und Planung beauftragt. «Das Besondere an diesem Projekt ist nebst der Grösse der Anlage der hohe Vorbereitungsaufwand. So musste in einem ersten Schritt durch aufwendige und teilweise neuartige Vertrags- und Bewilligungsverfahren die Geländegestaltung erstellt werden. In dieser Vorbereitungsphase mit sehr vielen Beteiligten wurde dem Projekt durchwegs viel Goodwill entgegengebracht.», sagte der Verantwortliche Projektleiter der Fanzun AG, Urs Simeon.  

Die neu geschaffene Zone für Sonnenenergieanlagen liegt vollständig im ehemaligen Abbruchperimeter des Steinbruchs. Bei der Schüttung handelt es sich nicht um eine Deponie, sondern um ein auf die Bedürfnisse der Solarnutzung modelliertes Terrain im Rahmen einer Materialverwertung.

Auf einer Grundrissfläche von rund  150 x 130 m beträgt sie Schütthöhe bis zu 50 m. Die vier Böschungen, auf welchen die Photovoltaik-Module installiert werden, weisen zwischen den Bermen eine Neigung von 30 Grad auf. Die unterste Böschung ist wegen dem Schattenwurf der Baumallee wirtschaftlich nicht tragbar.  

Der Endzustand der Deponie Calinis.

Bei dem verwerteten Schüttmaterial (Kubatur lose ca. 270’000 m3) handelt es sich vornehmlich um das Aushubmaterial des Neubaus H1 des Kantonsspitals Graubünden sowie zusätzlich um Aushubmaterial Dritter aus der nahen Umgebung. Die Einbaubedingungen sowie die Qualität des Schüttmaterials und der Schüttarbeiten wurden laufend kontrolliert, um die Setzungen des Untergrundes im tolerierbaren Rahmen zu halten.

Die Photovoltaik-Anlage besteht aus mehreren Segmenten. Jedes Segment besteht aus 24 Photovoltaik-Modulen, welche auf eine Tragkonstruktion aus Stahl fixiert werden. Diese Montageeinheit wird vor Ort vormontiert und schliesslich mittels Helikopter zum Einsatzort gebracht.

Auf den Böschungsflächen werden Photovoltaik-Module mit einer Gesamtfläche von rund 7‘400 m2 und einer Nennleistung von 1‘500 kWp installiert. Die Wechselrichter, die Transformatorenstation und die Mittelspannungsanlage werden zwecks einer einfachen Zugänglichkeit am Böschungsfuss installiert.

«Reiht sich nahtlos ein»

Zum Abschluss hielt Urs Simeon fest: «Nach diversen Solarpreisen wie dem 105%-PlusEnergie-Hotel Muottas Muragl in Samedan, der Doppelzertifizierung für die Werkstatt- und Büroräume der Firma Caotec in Brusio im 2017 sowie dem einzigartigen Solarprojekt der Trainingshalle des HCD im 2019 reiht sich dieses Projekt nahtlos in unsere Bestrebungen, höchstmögliche Funktionalität und Wirtschaftlichkeit in Verbindung mit ästhetischer Architektur in Einklang zu bringen.»

Nach dem Bergsturz im Jahr 2001 wurde der Steinbruch Felsberg geschlossen, woraufhin die Gemeinde Felsberg Gestaltungsideen für die Nutzung der Brache suchte. In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Graubünden (vormals HTW Chur) erhielten Architekturstudierende den Auftrag, Gestaltungsideen zu entwickeln. Das Projekt «Energie statt Wyy», in Anlehnung an den Weinberg in Felsberg, gewann den schulinternen Wettbewerb. 

Ein langer Weg

Das Gewinnerprojekt wurde vor rund 10 Jahren an einer Gemeindeversammlung vorgestellt. Urs Simeon, Partner bei Fanzun und heutiger Verwaltungsrat der Rhiienergie AG und Calanda Solar AG, fand das Konzept spannend und zukunftsweisend. Er holte Per Sandven an Bord, welcher es sich als Investor zur Passion gemacht hatte, in nachhaltige Leuchtturmprojekte mit erneuerbarer Energie zu investieren. So hat er beispielsweise die Grossanlage in Muottas Muragl finanziert und umgesetzt. Nach sieben Jahren Entwicklungsarbeit, in welchen das Projekt mehr als einmal kurz vor Abbruch stand, und mit dem Wissen, dass das Projekt nun definitiv realisiert werden kann, hat Per Sandven die Aktienmehrheit der Calanda Solar AG an die Rhiienergie AG übertragen. «Mit diesem Schritt ist sichergestellt, dass die Anlage regional getragen und nachhaltig weiterentwickelt wird. Ich habe somit mein Ziel erreicht, einen weiteren Schritt an einer nachhaltigen Energieversorgung beigetragen zu haben», führt Per Sandven aus. Er bleibt mit 20 % Minderheitsaktionär der Calanda Solar AG und will zukünftig weitere Projekte vorantreiben. 

«Wir freuen uns, dass sich die Bürgergemeinde Felsberg als Teil der Standortgemeinde mit 10 % an der Calanda Solar AG beteiligt und wir hoffen, dass sämtliche Gemeinden unseres Versorgungsgebiets ihren Strom direkt bei uns beziehen werden nach dem Motto ‚Strom aus der Region’», wand sich Christian Capaul abschliessend an die Gäste.  

 

(Bilder/Visualisierung: zVg.)