Nein zur Sonderjagdinitiative: Das Kernkomitee «Abschaffung der Sonderjagd NEIN» legt seine Argumente dar und lanciert damit den Abstimmungskampf um die Sonderjagdinitiative, über die das Bündner Stimmvolk am 19. Mai 2019 entscheidet.

«Die Abschaffung der Sonderjagd ist ein Experiment zu Lasten von Wald, Wild und Landwirtschaft», fasst Robert Brunold, Zentralpräsident des Bündner Kantonalen Patentjäger-Verbands (BKPJV), die Aussagen seiner Kolleginnen und Kollegen an der Medienorientierung vom 25. April 2019 in Chur zusammen. Mit der Ausführung seiner Argumente zieht das Komitee «Abschaffung der Sonderjagd NEIN» in den Abstimmungskampf um die Sonderjagdinitiative.

«Die hohen Wildbestände stören die nachhaltige Entwicklung unseres Waldes erheblich», gibt Leo Thomann, Präsident SELVA – Verband der Waldeigentümer Graubünden, zu bedenken und führt aus, dass die Verjüngungssituation des Schutzwaldes heute schon besorgniserregend sei. Duri Campell, Vertreter des Bündner Bauernverbands und Vize-Präsident graubündenVIEH, befürchtet, dass noch mehr Wild zu erheblichen Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen und höheren Ernteausfällen führen wird.

Wildbestand vs. Lebensraum

Die Zunahme des Wildbestands in Graubünden ist auf Wanderpopulationen zurückzuführen: Hirschwild wandert erst im Spätherbst aus dem Ausland, den angrenzenden Kantonen und aus dem Schweizerischen Nationalpark nach Graubünden. Mit der Hochjagd im September kann das Wild nicht erreicht werden. Darum kommt es heute in den betroffenen Regionen Graubündens zur Sonderjagd im November und Dezember.

«Aufgabe der Jagd ist es, den Wildbestand den vorhandenen Lebensräumen anzupassen. Ohne Sonderjagd ist das nicht mehr möglich», erklärt Robert Brunold und ergänzt: «Überpopulationen sind die Folge und für das Wild bedeutet das erhöhtes Wintersterben und sich rasch ausbreitende Krankheiten.»

Zwei-Stufen-Konzept hat sich bewährt

Gleich mehrere Exponenten des Nein-Komitees führen aus, dass sich das Jagdsystem, das auf dem Zwei-Stufen-Konzept von Hochjagd im September und Sonderjagd im November/Dezember beruht, seit Jahrzehnten bewährt hat. «Die Jagdplanung macht heute schon einen Spagat zwischen wildbiologischen Überlegungen, ‘Schädlingsbekämpfung’ und jagdlicher Nutzung. Damit das weiterhin gelingen kann, muss das System unbedingt dynamisch und flexibel bleiben», erklärt Annina Schreich, Jägerin und Umweltnaturwissenschafterin am Plantahof. Die Annahme der Sonderjagdinitiative würde dieses System blockieren, ist sie der Überzeugung.

Tarzisius Caviezel, Vizepräsident des BKPJV und Kampagnenleiter, weist auf die Risiken einer staatlich angeordnete Regiejagd hin, die bei Annahme der Sonderjagdinitiative über kurz oder lang nötig wäre wegen der wachsenden Wildbestände. Er bezeichnet die Regiejagd als ineffizient und sieht sie als klare Schwächung der Bündner Jagd, weil sie höhere Kosten für die Patentjäger verursachen würde.

Dem Gesamtkomitee gehören aktuell 670 Mitglieder aus allen Berufszweigen und Regionen an. Über die Zukunft der Sonderjagd entscheidet das Bündner Stimmvolk am 19. Mai 2019. Zum Kernkomitee «Abschaffung der Sonderjagd NEIN» gehören:

Robert Brunold, Zentralpräsident Bündner Kantonaler Patentjäger-Verband (BKPJV), Tarzisius Caviezel, Vizepräsident Bündner Kantonaler Patentjäger-Verband (BKPJV), Annina Schreich, Umweltnaturwissenschafterin beim Plantahof und Jägerin, Duri Campell, Vertreter Bündner Bauernverband, Vize-Präsident graubündenVIEH AG, Leo Thomann, Präsident SELVA – Verband der Waldeigentümer Graubünden, Madlaina Fliri, Zimmerin und Jägerin

(Bild: zVg; Walter Candreia)