Sie sind eine Erfolgsgeschichte der modernen Medizin. Antibiotika heilen bakterielle Infektionen und ermöglichen andere medizinische Behandlungen, die ohne Antibiotika zu riskant wären, da sie gefährliche Infektionen nach sich ziehen können. Doch die Wirksamkeit von Antibiotika ist gefährdet. Übermässiger Gebrauch und Missbrauch haben zu vermehrter Resistenzbildung geführt. Manche Erreger sind bereits heute nicht mehr oder nur schwer zu behandeln. Die sogenannte Antibiotikaresistenz dürfte sich zukünftig noch verschärfen.

Bei der Antibiotikaresistenz handelt es sich um die Fähigkeit von Bakterien, der Wirkung von Antibiotika zu widerstehen. So haben bestimmte Bakterien beispielsweise gelernt, das Antibiotikum aus ihren Zellen wieder «rauszupumpen», wodurch sie nicht durch das Medikament getötet werden können. Diese resistenten Bakterien überleben, wenn Antibiotika eingesetzt werden und profitieren davon, dass sie sich schneller ausbreiten können, sobald alle nichtresistenten Bakterien erst einmal abgetötet sind. Für den Menschen, der resistente Bakterien in sich trägt, ist dies gefährlich, denn die Krankheiten, die sie verursachen, können nur schwer behandelt werden.

Antibiotika helfen gegen bakterielle Infektionen, nicht aber gegen Viren

Antibiotikaresistenz ist ein natürliches Phänomen, hat sich aber in den vergangenen Jahrzehnten enorm verstärkt. Grund dafür ist die übermässige und falsche Nutzung von Antibiotika. Verschiedene Ursachen führen dazu, dass wir zu viele Antibiotika in unseren Körpern und unserer Umwelt haben.

In der Humanmedizin werden tendenziell zu viele Antibiotika verschrieben und insbesondere auch in Fällen, in denen es nicht unbedingt nötig wäre. Antibiotika helfen nur gegen Infektionen, die von Bakterien hervorgerufen werden. Im Falle einer Grippe beispielsweise helfen Antibiotika nicht, da sie von Viren verursacht wird.

Durch unsere Ernährung können auch Antibiotika und resistente Keime aufgenommen werden. Tiere, die in Massenhaltung gezüchtet werden, bekommen teilweise geringe Mengen Antibiotika mit dem Futter, was Infektionen vermeidet und die Tiere schneller wachsen lässt. Das ist in der Schweiz zwar verboten, dennoch kann importiertes Fleisch Antibiotika enthalten. Ein zusätzlicher Aspekt ist das Einschleppen von resistenten Bakterien durch Reisen. Die Verteilung von Antibiotikaresistenzen zeigt ein klares Gefälle von Norden nach Süden. Je mehr Zeit Reisende in Ländern mit einer hohen Resistenzrate verbringen, desto grösser ist die Gefahr, dass resistente Bakterien mit nach Hause gebracht werden und sich auch dort ausbreiten.

Die gute Nachricht ist, dass die Resistenzbildung vermindert werden kann und sich Resistenzen abbauen, wenn die Bakterien weniger Antibiotika ausgesetzt sind. Dafür gilt es jedoch, den Antibiotikaverbrauch zu reduzieren.

Was kann in der Humanmedizin getan werden?

Sowohl Ärzte als auch Patienten stehen in der Pflicht. Ärzte müssen darauf achten, Antibiotika bewusster zu verschreiben und sich die Zeit zu nehmen, Patienten zu erklären, warum in ihrem Fall eben kein Antibiotikum notwendig ist. Antibiotika sollen sparsam und möglichst kurz verschrieben werden, aber doch im richtigen Mass, um die krankmachenden Bakterien abzutöten. In der Spitalhygiene gilt es, die Übertragung von resistenten Bakterien zu verhindern, beispielsweise durch die Identifizierung und die darauffolgende Isolation von betroffenen Patienten.

Für Patienten empfiehlt es sich, einer Erkrankung aktiv vorzubeugen. Durch einen bewussten, gesunden Lebensstil – beispielsweise regelmässigen Sport, weniger Konsum von Fleisch sowie aktive Hygienemassnahmen, wie regelmässiges Händewaschen – und Impfungen. Zusätzlich ist es wichtig, dass sich auch die Patienten bewusst sind, dass nicht jede Krankheit mit Antibiotika behandelt werden muss und Verständnis dafür haben, wenn der Arzt ebendiese nicht verschreibt.

Antibiotika sind ein wichtiger Bestandteil unserer medizinischen Versorgung, deren Verwendung nicht gestoppt werden kann oder soll. Es ist aber wichtig, das Medikament zielgerichtet einzusetzen, um die Wirksamkeit zu erhalten.

Kantonsspital Graubünden, Departement Medizin – Infektiologie

Dr. Felix Fleisch, Stv. Chefarzt Innere Medizin, Leiter Infektiologie und Spitalhygiene

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