Über die Zukunft der Landquarter Bahnhofstrasse wird in diesem Frühling an der Urne entschieden. An der gestrigen Gemeindeversammlung stellte die Gemeinde zwei Varianten vor, welche dem Stimmbürger am 19. Mai zur Abstimmung unterbreitet werden. Dagegen bringt sich nun die örtliche FDP in Stellung. 

Die Landquarter Bahnhofstrasse ist ein politischer Dauerbrenner. Seit mehr als 10 Jahren wird über die Erneuerung der sanierungsbedürftigen Verkehrsachse diskutiert. Weil zwei Einsprachen ein Fortfahren verhinderten, musste das Projekt zwischenzeitlich auf Eis gelegt werden. Nach langem Seilziehen konnte die Gemeinde Ende letzten Jahres endlich grünes Licht geben. In einer auf den Frühling angesetzten Urnenabstimmung können sich die Stimmbürger für zwei Ausbauvarianten entscheiden. Bei der günstigeren Variante wird die neue Bahnhofstrasse für 5.6 Mio. Franken asphaltiert. Bei der teureren Variante werden für 7.9 Mio. Franken Natursteinplatten verbaut. Preisdifferenz: 2.3 Mio. Franken.
Bei der Landquarter FDP kommen die Natursteinplatten nicht gut an. «Wir stehen voll und ganz hinter der neuen Bahnhofstrasse. Eine Vergoldung der Bahnhofstrasse mit Natursteinplatten halten wir finanzpolitisch jedoch für unklug», sagt FDP-Ortsparteipräsident Thomas Bigliel. Die Bahnhofstrasse sei in die Jahre gekommen und wirke wenig einladend. Das wolle man ändern. Aber eben nicht um jeden Preis.

Gegen teuere ‚Wundertüte

Aus Sicht der Freisinnigen sei die Belastung für die Gemeindekasse möglichst tief zu halten. Dass die Natursteinvariante dem Steuerzahler Mehrkosten von 2.3 Mio. Franken verursacht, stösst Bigliel sauer auf. «Landquart liegt bei der Pro-Kopf-Verschuldung immer noch im kantonalen Mittelfeld. Der Schuldenabbau, ein Selbstfinanzierungsgrad von durchschnittlich mindestens 100 Prozent und die Staffelung der Investitionen haben für uns eine höhere Priorität als die Vergoldung der Bahnhofstrasse», so Bigliel. Langfristig sei das Ziel, dass Landquart im Steuerbereich endlich mit den Nachbargemeinden gleichziehen könne.
Was der FDP hilft: Die teurere Variante ist noch nicht in Stein gemeisselt. Welcher Stein in der Bahnhofstrasse dereinst vielleicht verbaut wird, ist nämlich noch unklar. Der Entscheid wird erst nach der Abstimmung getroffen. Die Gemeinde gibt lediglich vor, dass es ein Fairtrade-Stein sein müsse. Für die FDP ein weiterer Grund die Natursteinvariante an der Urne bachab zu schicken. «Wenn nicht sichergestellt ist, dass ein einheimischer Stein verbaut wird, dann ist dies für den Steuerzahler nichts anders als eine teure Wundertüte», sagt Bigliel.
An der gestrigen Gemeindeversammlung haben sich die Liberalen bereits in Stellung gebracht und Gemeindepräsident Sepp Föhn (CVP) eine empfindliche Niederlage zugefügt. Mit 47 zu 35 Stimmen folgte die Gemeindeversammlung dem FDP-Votum und empfiehlt dem Stimmvolk bei der Stichfrage die günstigere Variante zur Abstimmung – gegen den Willen des Gemeindevorstands, welcher den teureren Naturstein bevorzugt hatte.
(Bild: zVg, Burkhard Dolf)
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