HCD-Goalie Gilles Senn wechselt auf die kommende Saison in die NHL-Organisation der New Jersey Devils. In einem Interview mit der Davoser Zeitung äusserte sich der 22-Jährige über die schwierige Goalie-Situation beim HC Davos. 

Seit Gilles Senn regelmässig im Tor des HC Davos spielt, sind die Leistungen der Bündner etwas besser geworden. Zuvor hatte der mittlerweile bei den ZSC Lions coachende Trainer Arno del Curto fast ausschliesslich auf den kurz vor der Saison verpflichteten Import-Goalie Anders Lindbäck gesetzt. Der Walliser denkt nicht gerne an die Zeit zurück, als er kurz vor Saisonbeginn auf die Ersatzbank verbannt wurde. «Es war für mich keine schöne Zeit. Ich wollte selbstverständlich spielen», so Senn im Interview mit HCD-Experte Hansruedi Camenisch, «ich hatte in der Vorbereitung ein gutes Gefühl. Ich hörte auch vom Staff gute Worte, sie seien zufrieden mit mir und möchten mit mir so weitermachen. Kurz vor dem Meisterschaftsstart wurde dann alles über den Haufen gefahren. Daran hatte ich schon zu nagen.»

«Zuerst zog ich mich zurück»

Die Nachricht, die für alle völlig unerwartet kam, traf den Goalie. «Zuerst zog ich mich zurück. Dann spürte ich, dass ich als Reaktion zu viel wollte. Ich wollte Arno Del Curto beweisen, dass ich viel besser bin. Ich arbeitete danach alles mit Marcel Kull auf und fand wieder auf Kurs.» Die Arbeit mit dem Goalietrainer lohnte sich. «Ohne regelmässige Spielpraxis hatte ich etwas mehr Zeit, um mit meinem Torhütertrainer und Freund Marcel Kull zu arbeiten, ja, um auch härter zu trainieren. Auch im mentalen Bereich arbeitete ich.» Auch das Verhältnis zu Anders Lindbäck habe sich seither verbessert, sagt er: «In den ersten Tagen nach seiner Ankunft in Davos war es etwas schwierig, zumal wir uns nicht kannten. Aber dann spiele sich alles ein. Wir pflegen ein kameradschaftliches Verhältnis. Anders Lindbäck traf ja an der neuen Torhütersituation beim HCD keine Schuld. Auf dem Eis schaue ich, was er macht, und er achtet auf mich. Anschliessend tauschen wir unsere Beobachtungen aus. Ja, wir haben es gut miteinander.»

«Hatte ein schlechtes Gewissen»

Mit 3,31 Gegentoren pro Spiel liegt Senn zwar im unteren Durchschnitt der Schweizer Keeper, seinen (mittlerweile) Co-Goalie Lindbäck übertrifft er damit um winzige 0,03 Tore pro Spiel. Eine Statistik, die angesichts der diesjährigen Defensivleistung der Bündner allerdings mit Vorsicht zu geniessen ist. Im Juni 2017 wurde Senn im NHL-Draft als 129. Spieler gezogen, in der nächsten Saison wagt sich der gross gewachsene Keeper ans Nordamerika-Abenteuer. «Weil ich zu Saisonbeginn fast nie spielte, hatte ich ein schlechtes Gewissen, in die Organisation der New Jersey Devils zu wechseln», so Senn im Interview, das gestern auch auf www.hcd.ch veröffentlicht wurde, «sie wussten ja auch nicht mehr, was sie an mir ohne Spielpraxis gehabt hätten. Ich machte mir viele Gedanken, und ich sprach mit vielen Leuten. Die Verantwortlichen der Devils wollten aber unbedingt, dass ich zu ihnen komme, selbst wenn ich in dieser Saison überhaupt nicht gespielt hätte. Als der HCD Lindbäck verpflichtete, wollten sie gar, dass ich sofort nach New Jersey wechseln würde. Inzwischen habe ich aber ein wirklich gutes Gefühl, um im nächsten Sommer den Schritt nach Nordamerika zu wagen. Ich spüre das Vertrauen, dass die New Jersey Devils es mit mir versuchen wollen. Diese Chance möchte ich packen. Andernfalls würde ich es vielleicht irgendwann bereuen.

Bis im Sommer wird Senn in Davos bleiben und auch das Sommertraining mit einem privaten Konditionstrainer absolvieren und mit dem HCD aufs Eis zu gehen. Und sollte die Mission NHL scheitern, werde der HCD die erste Adresse sein, bei der er sich melden werde…

 

(Bild: Archiv GRHeute)