Der HC Davos steckt tief in der Bredouille. Einer der meistgenannten Gründe sind die Tor-Ausbeute der Ausländer. Das Problem ist nicht neu: Schon in den letzten Jahren hatte Coach Arno del Curto mehrheitlich ein unglückliches Händchen.

HCD-Coach Arno del Curto hat einen ausgezeichneten Ruf, junge Spieler zu Schweizer Top-Cracks heranzuziehen. Auch bei der Verpflichtung von Verstärkungsspielern gilt AdC als kluger Manager, der ein gutes Gespür für die Qualitäten von Imports hat. Man denke nur an die glorreichen Verstärkungen während des NHL-Lockouts, als der HCD mit den NHL-Stars Joe Thornton, Rick Nash und Niklas Hagman die Eishockey-Schweiz verzauberte. Auch Josef Marha, der viele Jahre eines der Rückgrate der damaligen Meistermannschaften bildete, ist als perfekter Verstärkungsspieler in guter Erinnerung. In den letzten Jahren hingegen musste der HCD auf den Söldnerpositionen einige Rückschläge einstecken, nie schlimmer als in dieser Saison. Ein Blick auf die letzten fünf Saisons:

Saison 2014/15

Die Saison, als der HCD völlig überraschend mit einer jungen Equipe den letzten Schweizer Meistertitel holte. Der HCD hatte bezüglich Verletzungen Glück und mit Perttu Lindgren, Axelsson und Paulsson drei Söldner im Team, die zusammen 56x trafen.
 
Rang Regular Season: 5
Punkte Regular Season: 50 Spiele/87 Punkte (∅ 1,74/Spiel)
Playoff: Schweizer Meister
Spiele/Saisontore Ausländer: 65/59 (∅ 0,91/Spiel)
  • Dick Axelsson 58 Spiele/22 Tore 
  • Marcus Paulsson 56/20
  • Perttu Lindgren 57/16
  • Ville Koistinen 14/5
  • Tyler Redenbach 14/1
 

Saison 2015/16

Die Saison, als der 29-fache Torschütze Perttu Lindgren zum MVP der Nationalliga A ausgezeichnet wurde. Der HCD wurde mit starken 91 Punkten Zweiter in der Regular Season, scheiterte dann aber im Halbfinal am späteren Meister SC Bern. Die Verletzungshexe nistete sich langsam beim HCD ein: Sowohl Marcus Paulsson wie auch Alexandre Picard und Jan Brejcak verpassten zahlreiche Spiele, dazu sank auch Dick Axelssons Tor-Produktion deutlich. Trotzdem erzielten die Verstärkungsspieler in dieser Saison insgesamt starke 77 Tore.
 
Rang Regular Season: 2
Punkte Regular Season: 50 Spiele/91 Punkte (∅ 1,82/Spiel)
Playoff: Halbfinal-Out
Spiele/Saisontore Ausländer: 59/77 (∅ 1,31/Spiel)
  • Perttu Lindgren 59 Spiele/29 Tore
  • Devin Setoguchi 37/16
  • Dick Axelsson 47/12
  • Marcus Paulsson 27/11
  • Alexandre Picard 17/9
  • Jan Brejcak 28/0
  • Evan McGrath 1/0

 

Saison 2016/17

Im Nachhinein könnte man sagen, dass der Rückschritt der Davoser in der Saison 2016/17 absehbar wurde: Perttu Lindgren war mit 20 Toren zwar weiterhin produktiv, insgesamt sank die Tor-Ausbeute der Verstärkungsspieler aber deutlich. Die Leistungen Robert Kousals sicherten ihm eine Vertragsverlängerung und weckte Hoffnungen. Verteidiger-Haudegen Daniel Rahimi erzielte kein einziges Tor, die zahlreichen kurzfristig «eingeflogenen» Söldner verletzten sich oder blieben ineffizient, Dick Axelssons Karriere beim HCD nach einer frühen Verletzung enttäuschend. Der Viertelfinal-Sieg gegen Lausanne kaschierte die nahenden Probleme, in den Semis kam das Out gegen Zug. 

Rang Regular Season: 5
Punkte Regular Season: 50 Spiele/78 Punkte (∅ 1,56/Spiel)
Playoff: Halbfinal-Out
Spiele/Saisontore Ausländer: 60/43 (∅ 0,72/Spiel)

  • Perttu Lindgren 56 Spiele/20 Tore
  • Robert Kousal 57/15
  • Tuomo Ruutu 32/5
  • Dick Axelsson 8/1
  • Daniel Rahimi 54/0
  • Ahren Spylo 3/1
  • Mike Vaskivuo 3/1
  • Stefano Giliati 3/0


Saison 2017/18

Mit der frühen Verletzung von Perttu Lindgren sank die Söldner-Bilanz der Davoser weiter: Zwar entpuppte sich Broc Little (vor allem bis Weihnachten) als Tormaschine, der Amerikaner war aber immer mehr Knipser als Teamleader. Robert Kousal machte in Saison 2 einen Schritt rück- statt vorwärts und musste die Bündner nach Saisonende verlassen. Verteidiger Magnus Nygren zeigte eine solide erste HCD-Saison, ansonsten hatten die Bündner aber kein Glück: Besonders die Verletzungen der während der Saison verpflichteten Anton Rödin und Brandon Buck schmerzten. Davos scheiterte erstmals seit 2013/14 bereits im Viertelfinal, diesmal am EHC Biel.

Rang Regular Season: 6
Punkte Regular Season: 50 Spiele/75 Punkte (∅ 1,50/Spiel)
Playoff: Viertelfinal-Out
Spiele/Saisontore Ausländer: 56/49 (∅ 0,88/Spiel)

  • Broc Little 53 Spiele/22 Tore
  • Magnus Nygren 53/12
  • Robert Kousal 42/8
  • Anton Rödin 14/4
  • Brandon Buck 11/2
  • Mikael Johansson 14/1
  • Perttu Lindgren 5/0
  • Jaedon Descheneau 1/0

Saison 2018/19

Die Leistungen der Söldner widerspiegeln die laufende Saison, die Tor-Ausbeute ist auf 0,42 Tore/Spiel in den Keller gefallen. Dazu kam, dass die kurzfristige Verpflichtung von Goalie Anders Lindbäck nicht die erhoffte defensive Stabilität brachte. Im Angriff sind die «Verstärkungen» bisher praktisch nicht-existent: Shane Prince verliess den HCD nach dem Fehlstart auf Nimmerwiedersehen Richtung Nordamerika – und unterschrieb nun doch in der KHL. Anton Rödin ging bereits nach der letzten Saison, kam dann aber wieder zurück und verletzte sich erneut. Und Perttu Lindgren ist nach seiner langen Verletzungspause noch nicht wieder der «Alte» – trotzdem lasten nicht wenige Davoser Hoffnungen auf einem wundersamen Skorer-Comeback des Finnen. 

Zwischenrang Regular Season: 11
Punkte Regular Season: 19 Spiele/17 Punkte (∅ 0,89/Spiel)
Playoff: Viertelfinal-Out
Spiele/Saisontore Ausländer: 19/8 (∅ 0,42/Spiel)

  • Shane Prince 16 Spiele/3 Tore
  • Magnus Nygren 17/2
  • Anton Rödin 8/2
  • Perttu Lindgren 11/1
  • Anders Lindbäck (G) 16/0

 

Eine weitere Heim-Niederlage

Der HC Davos kann zuhause einfach nicht mehr gewinnen. Beim 3:6 gegen Ambri-Piotta vom Freitagabend verlor der Rekordmeister das achte (!) Heimspiel in Folge. Im zehnten Heimspiel kassierte die Mannschaft von Arno Del Curto bereits die Gegentore Nummer 43 bis 48. Immerhin brachen die Bündner nach Gegentreffern diesmal nicht ein. Ein 0:2 nach 24 Minuten holte Davos durch Tore der Ausländer Magnus Nygren und Perttu Lindgren – die damit immerhin etwas gegen die bislang erschütternde Söldner-Scoring-Statistik taten – auf, auch nach dem 2:4 verkürzte Marc Wieser acht Minuten vor Schluss nochmals und brachte die Hoffnung zurück – die in den Schlussminuten prompt mit zwei weiteren Gegentoren zum 3:6-Schlussresultat geknickt wurde. Davos entwickelt sich somit langsam zu einer Art Lieblingsgegner der Leventiner: Ambri gewann sechs der letzten sieben Duelle gegen den HCD. Am Sonntagnachmittag um 15.45 Uhr treten die Bündner auswärts bei den ZSC Lions an. 

 

(Stand Zahlen: 22. November 2018/Bilder: HCD-Söldner Anton Rödin/Archiv/Twitter, Grafiken: Richi Brändli, redaktionelle Mitarbeit/Quelle: Giovanni della Torre/HC Davos)