Wandern ist im Trend – das wissen wir Touristiker natürlich sehr gut und erstellen für den beliebten Wandergast tolle Übersichts- oder Panoramakarten mit den besten und schönsten Familien-Kunst-Panorama-Kultur-Rund-Passwanderungen. Und weil wir das so gut können, wandern unsere Gäste zunehmend nur noch mit einem solchen Werbe-Kärtli ausgerüstet und glauben damit jede Gratwanderung unter die Füsse nehmen zu können. Oder man ruft unterwegs zu uns einfach noch rasch im Infobüro an und lässt sich einen Wandertipp geben – das Smartphone ist ja dabei. Dies läuft dann darauf hinaus, dass sich der Wanderer mit seinem schnelltrocknenden, feuchtigkeitstransportierenden Shirt, der super leichten Wanderhose mit aktivem Feuchtigkeitsmanagement und der Kreditkarte im Rucksack irgendwo auf einer einfachen Weggabelung aufregt, dass unser hübsches Printprodukt im Massstab 1:1’000’000 die Route nicht sauber wiedergibt. Und er ist doch einzig hergekommen, um die angepriesenen Highlights anzuschauen. Mist, wieder einen Besucher verärgert…!

Jetzt könnte man meinen, zum Glück wird Wandern zunehmend digital. Dies ermöglicht es dem Wanderer Routen online anzuschauen, herunterzuladen und mit dem Smartphone in der Hand durch die Bergwelt zu klettern. Und vor allem können wir Touristiker Verbesserungen und Neuigkeiten viel schneller kommunizieren und Weggabelungen sofort eindeutiger kennzeichnen. Und schon bald können wir unsere wandernden Gäste auf Abwegen mit einem einfachen Audio-Navi-Hinweis besser lotsen: «Bitte wenden. Sie befinden sich auf einer Mutterkuhweide sowie in einem Bergbach. Wenn möglich, bitte wenden.»  

Ob das die Lösung für ein tolles Wandererlebnis ist, bin ich mir nicht sicher. Eher möchte ich dem Wandernden gerne einen Rückschritt vorschlagen und etwas Vorbereitungsarbeit ans Herz legen. Im Idealfall erkundigt man sich schon vor dem Wandertag welche Route man gerne erwandern möchte. Natürlich sind spontane Wanderer immer willkommen (Platz hat’s für alle!!), aber wer beispielsweise einen unserer prächtigen «Piz» erklimmen möchte, muss vielleicht etwas früher los und kann sich nicht erst um 11 Uhr für eine attraktive Route entscheiden. Zudem hat’s bei uns im Safiental – und auch anderswo – nicht auf jeder Bergspitze ein Restaurant und es macht in vielen Fällen Sinn, sich mit Picknick und Wasser auszurüsten – dies natürlich gerne bei uns im Dorfladen. 😊

Zudem lohnt es sich bis heute noch, sich von der Region eine Wanderkarte zu besorgen, mit welcher man sich orientieren kann. Diese ist nützlich im Gelände, immer verfügbar (auch im Funkloch) und zudem ein schönes Souvenir. Beim Wandern bewegt man sich in freier Natur; wer seine Umgebung gut beobachtet und mit einer topografischen Karte wandert, der findet sich in der Landschaft besser zurecht. Und am Ende des Tages können dann wirklich alle unsere Wanderer ein sagenhaftes Panorama-Bild auf Instagram und Facebook posten und schwärmen, dass Wandern «allerhöchster Genuss» ist – #Safiental #dasprächtigeSafiental#I♥Safiental

Die Tourismus-Total-Expertenrunde von GRHeute berichtet und kommentiert einmal wöchentlich über aktuelle Tourismusthemen für Graubünden.

Heute für Sie unverblümt und direkt von der Front: Jolanda Rechsteiner, Geschäftsführerin Safiental Tourismus.