Kaum ist in der Schweiz am vergangenen Wochenende die Fussball-Meisterschaft zu Ende gegangen, steht mit der in Russland stattfindenden Fussball-Weltmeisterschaft schon das nächste Highlight vor der Tür.

Diese wird wieder Millionen von Zuschauern auf der ganzen Welt in ihren Bann ziehen und begeistern, auch wenn uns die horrenden Transfersummen und Saläre manchmal daran zweifeln lassen, ob wir nicht doch den falschen Beruf gewählt haben. Dass der Fussball aber durchaus auch einen sozialen und integrativen Hintergrund haben kann, zeigt uns ein Beispiel aus unserer Region.

Jeweils am Montagabend von 18:00 bis 19:30 Uhr versammelt sich auf der Quaderwiese in Chur unter der Leitung von Oliver Sidler, Absolvent der Bündner Kantonsschule, an der Pädagogischen Hochschule St. Gallen ausgebildeter Sekundarlehrer phil. I, ehemaliger NLA-Fussballer beim FC St. Gallen, Klassenlehrer der Talentklasse S1T an der Stadtschule Chur, Instruktor und Experte im Schweizerischen Fussballverband sowie Schulfussball-Verantwortlicher im Kanton Graubünden eine Gruppe Sportbegeisterter bestehend aus einer Handvoll einheimischer Routiniers und zwölf bis achtzehn Jugendlichen unterschiedlicher Hautfarbe, Religion und Herkunft, um ihrem liebsten Hobby, dem Fussballspielen, zu frönen.

Fussball als Lebensschule und zur Vergangenheitsbewältigung

Gianmarco Jörg, Leiter des Transitzentrums in Trimmis, Benedikt Fässler, Klassenlehrer der S3k im Schulhaus Quader und Schulfussball-Administrator sowie Giancarlo Bianchi, Klassenlehrer der Time-Out Primar im Schulhaus Rheinau bekundeten bei den am Montag herrschenden tropischen Bedingungen auf der holprigen Quaderwiese schon bald einmal Mühe, mit der Unbekümmertheit und dem Tempo der Jugendlichen mitzuhalten. Diesmal waren zwölf „Unbegleitete Minderjährige Asylsuchende“ aus Syrien, Afghanistan, Eritrea und Somalia dabei, die vorläufig im Transitzentrum in Trimmis untergebracht sind.

Dieser wöchentliche Fussballtreff stellt für die zumeist schutzbedürftigen und oft traumatisierten Jugendlichen eine von mehreren Möglichkeiten dar, etwas zu lernen, sich zu integrieren und auch zu vergessen. Oliver Sidler legt nämlich grossen Wert auf ein gesundes Mass an Disziplin und auf gegenseitigen Respekt, was nicht für alle selbstverständlich ist. Die Einheiten sind klar strukturiert und beinhalten ein kurzes Aufwärmen, Übungen zur Verbesserung der Technik und abschliessend ein hart umkämpftes Fussballspiel, das meistens in die Verlängerung geht, weil die teilweise recht talentierten Akteure gar nicht mehr aufhören wollen. Und wer die strahlenden Gesichter mit ihren leuchtenden Augen gesehen und das fröhliche Lachen gehört hat, wird dieser Art von Integration zweifellos viel Wohlwollen entgegenbringen.