Eines der grossen Themen welche wir in Zukunft lösen müssen, ist die Finanzierung unseres Gesundheitssystems. Zugegeben, wir haben ein sehr gutes System. Wir sind mit Spitzenmedizin versorgt, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen geben täglich ihr Bestes für unser Wohl. Aber wir bekommen längerfristig ein Problem. Die Finanzierung des Systems wird zunehmen zu einer grossen Herausforderung. Schweizweit steigen die Beiträge der individuellen Prämienverbilligung an (der Kanton Graubünden hat hier in den letzten Jahren auch massiv mitgezogen – teilweise auch zu Recht), anderseits laufen die Kosten ins schier Unermessliche. Wir bauen aktuell für gut 400 Millionen Franken in Chur am Kantonsspital, St. Gallen gibt über 900 Millionen Franken aus – und es zeichnet sich ab, dass dies nicht ausreichen wird. Unsummen werden aktuell dafür aufgewendet und die Prämien steigen. Aber wir haben auch grosse Probleme. Graubünden kämpft mit einem Mangel an Hausärzten. Junge Ärztinnen und Ärzte welche bereit sind Verantwortung zu übernehmen. Um die Kosten in den Griff zu bekommen wird unter anderem seit ein paar Jahren an den sognannten TarMed Tarifen geschraubt. Teilweise auch sehr zu Ungunsten des Gesamtsystems. Wir verstärken durch diese Entwicklung vorhandenes Ungleichgewicht noch massiv. Gerade für uns als Kanton müssen wir aufpassen, dass die Zitrone nicht nur bei den Leistungserbringern bis zu Letzt ausgepresst wird und es für Ärztinnen und Ärzte in ihrer eigenen Praxis einfach nicht mehr interessant ist, tätig zu sein.

Wir benötigen in Zukunft ein sauber austariertes System. Deshalb hat sich die SVP Fraktion in der letzten Session im Grossen Rat auch entschieden, das heikle Thema anzugehen und einen entsprechenden Auftrag mit dem Titel «ambulant vor stationär – aber nicht auf dem Buckel der Prämienzahlenden» eingereicht. Was ist unser Ziel dabei: wir sind überzeugt davon, dass sich gute Ansatzpunkte zur Effizienzsteigerung dort finden, wo finanzielle Fehlanreize bestehen und diese behoben werden müssen.

Ambulante Behandlungen sind eine gute Sache. Es kommt meist günstiger, wenn der Patient nur einige Stunden in der Arztpraxis oder im Spitalambulatorium verbringt, statt mehrere Tage im Spital zu liegen. Der medizinische Fortschritt hat das Feld der ambulanten Eingriffe in den letzten Jahrzenten laufend vergrössert und diese Entwicklung geht rasant weiter. Heute werden stationäre und ambulante Behandlungen unterschiedlich finanziert. Eine ambulante Behandlung erfolgt vollumfänglich zu Lasten der Krankenversicherer (Prämienzahler). Wird eine medizinisch gleichwertige Behandlung stationär durchgeführt, muss der betroffene Kanton (Steuerzahler) einen grossen Teil der Kosten übernehmen. Die unterschiedliche Finanzierung von ambulant und stationär ist ein zentrales Problem in der heutigen Finanzierung von KVG-Leistungen. Für die heutigen Finanzierer der Leistungen – Kantone und Versicherer – verhindert sie die Kostenwahrheit und führt somit zu offensichtlichen Fehlanreizen auf beiden Seiten.

Diese Fehlanreize gilt es aus unserer Sicht als erstes zu beseitigen. Anschliessend haben wir eine saubere Basis welche als Grundlage für weitere Massnahmen dient.

 

 

(Bild: GRHeute)