Die Raplegende DaMos veröffentlicht wieder einmal neue Musik. Mit seinem neuen Album Kaosforschig 3 schliesst er seine Alben-Trilogie im September. Wir haben mit dem Maestro über das neue Werk gesprochen und wollten wissen, wie sich seine Sicht auf die Musikszene Graubünden in den letzten Jahren verändert hat.

Gute sechs Jahre ist es her, dass zuletzt von dir ein Longplayer rauskam. Hat die Musik neben der Familie an Stellenwert verloren?

Jein. Die Musik steht schon oft hinten an, bin ja Vater aus Leidenschaft und will auch mit meinen beiden Kids was erleben. Zudem hab ich meinen Fokus die letzten Jahre auch noch intensiver auf die Malerei gelegt. Zwischendurch habe ich aber noch Ende 2013 die CD MOSAIK sowie im 2015 den Song „Nonid go schlofa go“ veröffentlicht, von dem ich mit dem Bruder meiner Frau noch ein sehr aufwändiges Video gedreht habe.

Du wohnst schon länger in Pfäfers, wie oft bist du noch in Graubünden?

Eigentlich bin ich fast wöchentlich in Chur, Domat/Ems und Umgebung. Wir wohnen ja an der Grenze zu Graubünden circa drei/vier Kilometer oberhalb von Landquart und Bad Ragaz, wo sich Fuchs und Hase noch gute Nacht sagen. Ich besuche ab und zu Ausstellungen im Bündnerland oder schaue bei Freunden oder der Familie vorbei. Zudem bin ich im Sommer/Herbst ab und an am Canovasee anzutreffen, da mir dieser aus der Kindheit immer noch in guter Erinnerung ist und ich mich im Domleschg einfach wohlfühle.

Deine Tochter ist nun schon ein wenig älter, wie gefällt ihr dein musikalisches Wirken?

Das Meiste gefällt ihr sehr. Zu den tanzbaren Sachen tanzt sie auch gerne. Sie spielt auch manchmal meine CDs den Freundinnen vor, was meiner Frau wegen der teilweise unflätigen Sprachwahl nicht immer so passt. (lacht)
Sie wollte bei meiner neuen CD auch unbedingt mitmachen. Daher konnte Sie auf der Hook von #Punchlineking auch im Hintergrund singen. Die Idee der Meloddie war auch von ihr. Mir gefiel das auf Anhieb. Dazu hat sie mich auf ein paar Wörtern gedoppelt oder in den Backingvocals was machen dürfen, aber die härteren Texte spiele ich (so gut wie es geht) natürlich nicht vor. Sie versteht mit 7 Jahren aber auch nicht jede Metapher oder jede Punchline was das Ganze natürlich einfacher macht…

In den letzten Jahren ist viel passiert im Bündner Rapsektor. Kommst du da noch mit oder hörst du andere Musik?

Ich werde ja an meinem Releastag 40. Ich mache Rap/Hiphopmusik seit 20 Jahren und release meine 10. CD. Mein Fokus galt immer der Kunstform des Wortspiels. Ich denke, dass sich technisch nicht wirklich viel verändert hat, ausser natürlich vom Flow her. Mir gefällt das Auto-Tune Zeugs aber meistens nicht so. Gute Metaphern und Punchlines sind bei den jüngeren Rappern immer noch eher selten zu finden. Mein Fokus lag halt immer da. Ich beobachte da aber auch nicht alles, was im Bündnerland abgeht. Mir fehlt auch schlicht die Zeit dafür. Privat höre ich oft Musik, die meine Kinder hören (lacht…)

Wie klingt dein neues Werk?

Erdig aber auch luftig, gitarrig und ab und zu nach Synthie oder Western, nach Frankreich, Piano, Geigen und Drums mit viel Competition/Battlerap. Aber nicht nach Dubstep oder Trap. Zudem hab ich wieder mal ein paar Skits eingebaut.

Ich habe gesehen, du hast den Song Traumfrau neu auf genommen. Wie kam es zu dieser Idee?

Die erste Veröffentlichung von Traumfrau war ja im 2001 und nun war es an der Zeit eine Fortsetzung der Geschichte zu schreiben da ich gerade in der Stimmung für sowas war. Ich habe den Song letztes Jahr für meine Frau geschrieben, wir leben schon bald 20 Jahre zusammen. Der Song will Mut machen. Im Grunde geht es um das – sich und sein Gegenüber wieder zu finden. Man sollte nicht so einfach aufgeben, nur weil die Partnerschaft vielleicht aktuell in einer Krise steckt, denn die Liebe ist zu kostbar!

Du hattest früher oft viele elektronische Momente in deiner Musik. Wie klingt DaMos 2017?

Ein bisschen weniger elektronisch. Ich habe hier mal den Fokus auf meine Raptexte und die beiden Vorgänger 1 und 2 gelegt. Was aber nicht ausschliesst, dass ich wieder was rein Elektronisches mache. Ich gebe ja mit Rapmusik auch schon lange keine Konzerte mehr. Elektronisch habe ich aber immer wieder mal Gigs gegeben. Ich bin aber auch da sehr verbohrt und wählerisch. Aber wenn die Locations dann pumpenvoll sind und die Leute abgehen wie Sau, ist das halt schon geil. Ich bin aber nicht mehr bereit für ein Sackgeld einen Gig zu spielen, denn die Vorbereitung als „One-Man-Show“ für einen Gig dauert da einfach zu lange. Bei der elektronischen Musik geht es mir um eine tanzbare Stimmung. Es muss einfach gut funktionieren wenn ich live mit Ableton, Drumcomputern & Co performe.

Mond und Stärna war dein letzter Hardcopyrelease. Wird Musik in Zukunft überhaupt noch auf CD gekauft oder nur noch digital?

Da könnte man die Sterne fragen. Ich veröffentliche aber jetzt mal digital zum Download und auf Streaming Diensten wie Spotify und Apple Music. Vielleicht kommt dann wieder mal was physisches in Kleinauflage als Sammlerstück. Aber momentan habe ich kein Interesse mehr eine Vinyl oder CD zu pressen.

Wird es beim neuen Album wieder eine Plattentaufe geben?

Nein. Dieses mal habe ich nichts geplant. Ich sollte eigentlich eher mal die Zeit finden eine Ausstellung für mein in monatelanger Arbeit enstandenes „Animals around me“ zu organisieren.

Wie sieht es mit Featurings aus? Bist du in nächster Zeit auch auf anderen Tonträgern zu hören?

Immer wieder mal. Kürzlich war ich auf dem neuen Gimma Album vertreten (Mit einem Batman-Fluchwörterpart) und habe mit Cicco Mill einen Song gemacht. Je nach Anfrage und Intuition. Bin grundsätzlich nicht abgeneigt.

Wie läuft’s mit deiner Grafikerfirma?

Sehr gut. Die läuft jetzt auch bereits 15 Jahre, in den Anfängen hatte ich praktisch ausschliesslich Aufträge im Bereich Hip Hop und Event/Konzertpromo. Heute illustriere ich aber auch Bedienungsanleitungen, zeichne Software Icons fürs SLF, (Institut für Schnee und Lawinenforschung) realisiere Webprojekte oder designe auch mal eine Pinot Noir Flasche für einen führenden Schweizer Grossisten.
Der Vorteil, dass ich mich in diversen gestalterischen Gebieten gut auskenne, hat mich schon ein paar mal aus dem Moloch gerettet. Momentan bin ich gerade wieder an einer Weiterbildung neben meiner Arbeit bei Mosillus.com.

Du bist ein grosser Einfluss für die Bündner Rap-Szene. Was war dein bisher schönster Moment in deinem musikalischen Wirken?

1) Das ich immer wieder Leuten in schwierigen Phasen Kraft geben kann. Es kam tatsächlich mal einer auf mich zu und sagte, dass ich ihm mit meiner Musik aus seinem „Depressionsloch“ geholfen habe. Was gibt es schöneres? Meine Arbeit war glaube ich auch Motivation für viele Newcomer, da ich doch das Eine oder Andere erreicht habe, auch ohne Charts und grosses Label im Rücken.

2) Ich sehe meine Musik immer noch als eine Art Kompetition und Klassenkampf mit der Sprache der Strasse. Es gibt immer wieder Leute, die nur rum kritisieren. Meistens stellen solche Menschen gar nichts Schlaues auf die Beine. Die sind wohl dafür gemacht. Für mich ist Rap trotz meiner eher härteren Sprache in Raptexten aber immer noch etwas sehr positives und kreatives.

3) Es tut auch gut wenn man immer wieder mal Zustimmung erhält für seine Musik und Ansichten. Aber ich habe Rap schon immer so verstanden, dass man mit Rap auch etwas ansprechen kann und soll. Das passt dann vielleicht nicht jeder Person. Zum Beispiel sind momentan meiner Meinung nach die Schweizer Radios gefordert, endlich mehr Schweizer Musik zu spielen als die faktischen 5-10%. Die sollen das nach Amerika ausgerichtete musikalische Businessmodell einmal überdenken. Das habe ich unter anderem mit ein paar Zeilen im Song KUABUAB auf dem neuen Album verarbeitet. Aber zu deiner eigentlichen Kernfrage: Der schönste Moment war, als ich zufällig den Songtext (Stärna) für meine Tochter am Abend vor ihrer Geburt geschrieben habe, und am nächsten Tag hielt ich dieses kleine Geschöpf mit Tränen in meinen Armen.

 

Das Album Kaosforschig 3 von DaMos erscheint am 9. September 2017. Mehr Infos unter damos.ch/

Open Popup