Die Welt ist ausser Kontrolle. Paris und Brüssel liegen gerade mal vier Monate auseinander. Dazwischen reiht Wikipedia 16 weitere Terroranschläge auf, die nie ins kollektive Bewusstsein Einzug gefunden haben. Grösstenteils von Islamisten verübt. Anschläge in Somalia sind den Zeitungen nur noch eine Randnotiz wert. Geschieht ein Anschlag in der Türkei, wo die IS dieses Jahr schon dreimal zuschlug, ist die Bedrohung schon etwas näher. Und dann sind da Paris und Brüssel und wir erinnern uns, dass die Terroristen in den letzten Jahren auch schon in Madrid und London mordeten.

Dazu kommt die heutige Rahmenhandlung mit den grossen Migrationsströmen und (unsere Kultur verachtenden) Ereignissen wie in Köln, das Erstarken der Rechten mit einer einhergehenden Radikalisierung – und fertig ist das Gericht, um endgültig zum Kulturpessimisten zu mutieren.

Nun weiss ja jeder, dass Angst kein guter Ratgeber ist. Und es ist auch naheliegend, dass wir unser Leben nicht verändern sollten, weil die Terroristen dann ja irgendwie gewinnen würden. Auch weiss man, dass man achtsamer sein muss, aber nicht in Extreme verfallen sollte. Ohne Konsequenzen wird aber auch dieser Terroranschlag nicht bleiben: Der Druck auf Verdächtige wird zunehmen. Die Länder Europas werden von ihren Einwohnern mehr denn je verlangen, sich der europäischen Kultur anzupassen – oder zu verschwinden. Denn wenn man eins aus der ganzen Geschichte gelernt hat, dann dies: Parallelgesellschaften, die anderen Rechtssystemen nacheifern, dürfen in Europa keine Zukunft haben.

Für uns Bündner ändert sich vorderhand nicht viel. Der Sturm wütet in den grossen europäischen Städten, ein ganzes Stück weg von unseren schützenden Bergen. Die Betroffenheit und das Mitgefühl mit Brüssel ist natürlich auch bei uns gross. Aber machen wir uns nichts vor: Das ist alles kein Vergleich zum Schock, wenn es auch einmal die Schweiz oder – Gott bewahre – Graubünden treffen würde. Unvorstellbar.

 

Law & Order muss siegen.

 

 

(Bild: Der zerstörte U-Bahn-Wagen in Brüssel/Wikipedia)