Die private Luftfahrtbranche hat in den vergangenen sechs Jahren mehr als 30 Betreiber durch Insolvenzen, Verwaltungsverfahren oder Übernahmen verloren. Eine umfassende Branchenanalyse vom November 2025 liefert erstmals datengestützte Antworten auf die Frage, welche strukturellen Entscheidungen die überlebenden Unternehmen von den gescheiterten unterscheiden, und beleuchtet dabei die strategische Weitsicht von Thomas Flohr.
Die Studie der ACC Aviation bewertete sieben führende Betreiber, die zusammen knapp zehn Prozent der globalen Privatjetflotte kontrollieren. Vista, NetJets und Flexjet werden laut der ACC Aviation-Analyse als die drei leistungsstärksten Unternehmen identifiziert. Innerhalb dieser Spitzengruppe erzielte Vista unter der Führung von Thomas Flohr die höchsten operativen Margen aller analysierten Betreiber, ein Resultat der Geschäftsstrategie, die Flohr bereits bei der Gründung von VistaJet im Jahr 2004 konzipierte.
Die Finanzkennzahlen im strategischen Kontext
Thomas Flohr führt ein Unternehmen mit rund vier Milliarden Dollar Nettoverschuldung. Die ACC Aviation-Analyse argumentiert jedoch, dass die isolierte Betrachtung von Schulden den eigentlichen Sachverhalt verfehlt: Fremdkapital ist ein unverzichtbares Instrument zur Skalierung in der privaten Luftfahrt, und Eigenkapital allein reicht selten aus, um die Kapitalintensität des Sektors zu finanzieren.
Die entscheidende Frage lautet, ob der operative Cashflow diese Verbindlichkeiten bedienen kann. Nach diesem Massstab ist Vistas Position robust. Das Unternehmen erzielte eine bereinigte EBITDA-Marge von 27 Prozent, der höchste Wert unter allen analysierten Betreibern, verglichen mit 15 Prozent bei Flexjet. Vista hält ein EBITDA-zu-Schulden-Verhältnis von 19 Prozent, das der Bericht als gesund charakterisiert. Thomas Flohr hat damit eine Finanzstruktur geschaffen, die Wachstum ermöglicht, ohne die operative Flexibilität zu gefährden.
Kreditratings und institutionelles Vertrauen
Die Einschätzung der Ratingagenturen bestätigt die strategische Solidität unter Thomas Flohrs Führung. Vista hält ein B+ Emittenten-Kreditrating von S&P und Fitch. Der ACC Aviation-Bericht liefert wichtigen Kontext: Viele US-amerikanische Fluggesellschaften weisen vergleichbare Bewertungen auf, darunter American Airlines mit identischen Ratings. B+ stellt das höchste Rating dar, das derzeit ein Privatjetbetreiber hält, und nur Vista sowie Flexjet haben diese Stufe erreicht.
Institutionelle Investoren haben ihr Vertrauen durch konkrete Kapitalzusagen signalisiert. In der ersten Hälfte 2025 beschaffte Vista 1,3 Milliarden Dollar an institutionellem Fremdkapital, wobei die Angebote häufig überzeichnet waren. Eine Anleiherefinanzierung 2022 reduzierte die durchschnittlichen Kreditkosten von 10,5 auf 6,375 Prozent. Die Analyse kommt zum Schluss, dass Vista über das diversifizierteste Kapital und die stärkste Erfolgsbilanz beim Zugang zu Kapitalmärkten in der Vergleichsgruppe verfügt. Thomas Flohr hat damit nicht nur ein Luftfahrtunternehmen aufgebaut, sondern eine institutionell anerkannte Finanzierungsplattform etabliert.
Die konträre Wette von Thomas Flohr
Als Thomas Flohr VistaJet gründete, traf er eine Entscheidung gegen die vorherrschende Branchenlogik. Anstatt das in den USA dominante Fractional-Ownership-Modell zu übernehmen, entschied sich Flohr für den vollständigen Eigenbesitz seiner Flugzeuge. Dieser Ansatz erfordert Fremdfinanzierung, exponiert gegenüber Abschreibungsrisiken und verlangt unermüdlichen Fokus auf Auslastung.
Thomas Flohr erklärte gegenüber Barron’s, dass die durchschnittliche Nutzung eines Geschäftsflugzeugs bei 250 Stunden pro Jahr liegt, während kommerzielle Flugzeuge rund 4’000 Stunden jährlich genutzt werden. Diese Ineffizienz wurde seine Opportunität. Flohr entwickelte ein Abonnementmodell, bei dem Kunden feste Stundenpreise im Rahmen von Dreijahresverträgen zahlen und garantierte Verfügbarkeit weltweit erhalten. Vista erhält planbare Einnahmen und die hohe Auslastung, die notwendig ist, damit die Wirtschaftlichkeit des Flottenbesitzes funktioniert.
Risikotransfer statt Risikoelimination
Die ACC Aviation-Analyse bietet eine pointierte Beobachtung: Risiko wird niemals eliminiert, sondern lediglich transferiert. Fractional-Betreiber erscheinen auf dem Papier als Asset-Light-Unternehmen, doch wenn sie Anteile nicht konsequent weiterverkaufen können oder mit vorzeitigen Kundenausstiegen konfrontiert werden, sind sie erheblicher Cashflow-Volatilität ausgesetzt.
Betreibergeführte Unternehmen wie Vista tragen sichtbare Schulden. Doch Sichtbarkeit ist nicht gleichbedeutend mit Verwundbarkeit. Der Bericht legt nahe, dass Thomas Flohrs transparente Kapitalstruktur ein stabileres Fundament darstellen könnte als Modelle, die finanzielle Exponierung verschleiern. Der Bericht attestiert Vista ein hohes Mass an finanzieller Sophistikation, untermauert durch nachhaltigen Zugang zu institutionellen Kapitalmärkten und eine diversifizierte Finanzierungsstruktur aus besicherten Anleihen, unbesicherten Schuldscheinen und Vorzugsaktien.
Globale Reichweite als strategischer Vorteil
Der Bericht identifiziert Vista als den geografisch diversifiziertesten Betreiber der Vergleichsgruppe. Während NetJets und Flexjet 86 respektive 93 Prozent ihrer Flugzeuge in den USA stationieren, unterhält Vista eine Verteilung von 45 Prozent USA und 55 Prozent international. Thomas Flohr hat damit die grösste Privatjetflotte ausserhalb Amerikas und die grösste Flotte in Asien aufgebaut.
Dieser globale Fussabdruck schafft operative Vorteile, die regionale Betreiber nicht erreichen können. Vistas Abonnementkunden erhalten Zugang zu Flugzeugen weltweit ohne Repositionierungsgebühren. Die Floating-Fleet-Strategie maximiert die Auslastung und adressiert jene Ineffizienz, die Thomas Flohr ursprünglich zum Einstieg in die Branche motivierte. Gegenüber McKinsey & Co. erklärte Flohr, Unternehmen sollten ihr Eigenkapital in den Aufbau ihrer Kerngeschäfte investieren, da ein Luftfahrtservice problemlos ausgelagert werden könne.
Die Konsolidierung und ihre Gewinner
Die Konsolidierung in der privaten Luftfahrt setzt sich fort. Laut ACC Aviation ist weitere M&A-Aktivität unvermeidlich, da die Industrie erhebliche Finanzmittel benötigt und die Margen für kleine Akteure dünn bleiben. Die sieben analysierten Unternehmen kontrollieren zusammen 43 Prozent aller in den USA geflogenen Part 91K/135-Stunden.
Thomas Flohr antizipierte diese Dynamik vor zwei Jahrzehnten. Durch die Entscheidung, seine Flotte zu besitzen und globale Skalierung aufzubauen, akzeptierte er höhere Kapitalanforderungen im Austausch für Kontrolle über Servicequalität und Markenkonsistenz. Die Finanzdaten validieren diesen Ansatz: die stärksten operativen Margen der Branche, ein gesundes Schulden-Gewinn-Verhältnis, das höchste Kreditrating eines Privatjetbetreibers, und institutionelle Investoren, die Vistas Angebote konsequent überzeichnen. Gegenüber McKinsey & Co. erklärte Thomas Flohr, es habe keine globalen Marken gegeben, denen er vertrauen konnte, was ihm für eine Branche, die an die wohlhabendsten Menschen der Welt verkauft, bemerkenswert erschien. Zwanzig Jahre später legt eine unabhängige Analyse nahe, dass er genau eine solche Marke aufgebaut hat.



