Nicht reagieren, sondern agieren – mit diesem Leitsatz ist JazzChur seit Mitte März und dem Corona bedingten Lockdown unterwegs. Das Resultat liess sich unter anderem während der ersten Ausgabe des Sommerfestivals 2020 an unterschiedlichen Orten in der Stadt Chur erleben und erhören.

Das Andi Schnoz Trio eröffnete das Festival am Samstag in der Urech Stilbar inmitten des neuen Steinbock Centers. Frisch und eigenwillig interpretierte Jazz Standards erklangen in der ungezwungenen und gastfreundlichen Umgebung – ein Geheimtipp für akustische Musikanlässe.

Am Sonntag entführte die junge Bernerin Mirjam Hässig das Publikum in poetische Klangwelten. Die Formation mit Gesang, Harfe, Kontrabass, Ukulele und Elektronik heisst AYÉ! und veröffentlicht im kommenden Winter ihr Debutalbum. Der Montag in der Postremise begann mit dem Freiburger Pianisten Florian Favre und seinen sympathischen Moderationen. Solo entlockte er dem Flügel immens wendiges Jazzpiano und – dank gekonnter Präparation – schmeichelnde Sounds und treibende Rhythmen. Im zweiten Programmteil liess es das Duo Ester Poly so richtig krachen. Neben der gewaltigen Kraft von Beatrice Graf am Schlagzeug beeindruckte die Bassistin Martina Berther durch die konzentrierte Kontrolle über Instrument und Effektgeräte. Am Dienstag weihten StimmSaiten OKRO Kulturgarage ein. Grossartige Gastgeber und die gänzlich freien Improvisationen des Ostschweizer Quartetts begeisterten das Publikum gleichermassen. In den heimischen Hallen der Marsoel Bar spielte mittwochs The Music Of Steely Dan gegen den Regen an, der Band und Publikum nach drinnen trieb. Ein nicht enden wollender Applaus verdankte die acht Musiker*innen aus dem Umfeld von Weekly Jazz. Bei Whale Belly ist jeder Auftritt Premiere und Dernière zugleich. Besonders der Schlagzeuger Christian Bucher erfreute das Publikum mit seiner dynamischen und differenzierten Trommelkunst auf einem an sich schlichten Drum-Set. Mit wenig Aufbau kam auch der Benefizauftritt des Kaleidoscope String Quartet aus. Vier Stühle für vier begnadete Streicher in der Martinskirche reichten, um die anwesenden Zuhörer*innen in Trance zu versetzen. Und die vier Musiker entschieden sich spontan, die Kollekte um ihre Einnahmen aus den CD-Verkäufen zu ergänzen – so kamen über CHF 3’000.00 für musizierende Kinder und Jugendliche aus Graubünden zusammen. Den fulminanten Schlusspunkt setzte mit aller Macht ihrer Musik das Trio Schnellertollermeier. Komplexe Rhythmusmuster, ein sicherer Umgang mit der Tontechnik und wiederkehrende Klangwände schoben das Publikum gekonnt vor sich her. Heiss war die Luft und heiss war die Musik!

Praktisch jeden Abend ausverkauft und immer unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Schutzmassnahmen des Bundes, bestätigt der Erfolg des ersten Sommerfestivals die unermüdliche Arbeit von JazzChur. Der noch junge Verein konnte sich trotz der Coronakrise mit spontanen Aktionen und vielen direkten und indirekten Massnahmen als verantwortungsvoller Veranstalter auf dem Platz behaupten. So wird nicht nur der im März aufgezogene Podcast weiterbestehen – auch das Sommerfestival wird künftig das Churer Kulturleben bereichern und der möglicherweise veränderten Reise- und Tourismussituation im Sommer gerecht werden.

(Bild: jazzchur.ch)

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