Bündner Unternehmen können Hilfen beantragen

Die aktuelle Situation beschäftigt auch die Unternehmen in der Schweiz. In dem Kanton Graubünden können nun Betriebe Liquiditätshilfen und auch Härtefallhilfen beantragen. Um welche Hilfen es sich handelt und welche Schritte Betriebe unternehmen müssen, zeigt dieser Artikel.

Abbildung 1: Die Krise hat auch die Schweizer Wirtschaft mitgenommen – in Graubünden können Unternehmen jetzt zusätzliche Hilfen beantragen. Bildquelle: @ Will Truettner / Unsplash.com

 

Welche Möglichkeiten haben Unternehmen?

Der Kanton Graubünden ist vom Tourismus geprägt und die Unternehmenslandschaft eher auf die Region strukturiert. In einer Pressemitteilung erklärte der Kanton nun, dass Bündner Unternehmer weitere Kredite beantragen können. Diese werden durch eine Bürgschaft des Kantons gedeckt. Bedürftigen Betrieben wird somit deutlich unter die Arme gegriffen. Aber welche Regelungen gelten?

  • Kredite – sie besitzen eine Laufzeit von höchstens fünf Jahren und müssen während dieser Zeit vollständig amortisiert werden. Bei Beträgen von bis zu 500.000 Franken gilt eine Zinsspanne von 0,0 bis 0,5 Prozent.
  • Voraussetzungen – das Unternehmen muss seinen Sitz in Graubünden haben und bereits die auf Bundesebene vergebenen Hilfen ausgeschöpft haben und nun erneuter Finanzbedarf besteht. Erst nun kann der kantonale Kredit beantragt werden. Zudem muss die Bonität des Unternehmens oder des Unternehmers allgemein eine Kreditvergabe zulassen.
  • Beantragung – sie findet bei teilnehmenden Banken statt. Durch die Bank wird eine Bonitätsprüfung durchgeführt, die schließlich mitsamt einem Empfehlungsschreiben von der Bank an den Kanton ausgehändigt wird. Unternehmen müssen bei der Beantragung den weiteren Bedarf an Liquiditätsmitteln nachweisen, zudem muss die Bank den Betrieb als kreditgeeignet halten.
  • Vergabe – wird positiv über den Antrag entschieden, geht der Kanton eine Solidarbürgschaft mit der Bank ein, sodass die Bank den Kredit mit dem Unternehmen abschließen kann. Es ist wahrscheinlich, dass zwischen Antrag und Vergabe einige Tage vergehen.

Hilfesuchende Betriebe müssen somit bereits auf anderen Wegen Hilfen angefordert haben. Dazu zählen die bundeseinheitlichen Hilfen, die die Schweiz in den vergangenen Monaten bereitstellte, aber auch die zinslosen Kredite, die Graubündener Unternehmen bereits seit Ende März beantragen konnten. Der Nachweis darüber ist dem Antrag beizufügen, jedoch sollte dies kein Problem sein.

Weitere Finanzierungsmöglichkeiten

Abseits der offiziellen Hilfen ist es Betrieben natürlich immer möglich, sich eigenständig um die Zwischenfinanzierung oder der Liquiditätssicherung zu bemühen. In der Tat ist das sogar eine Voraussetzung und wird von den Hilfestellen mit erwartet. Aber welche Option haben Betriebe?

  • Unternehmenskredite – mitunter lassen sich auch jetzt kleinere Unternehmenskredite online finden und beantragen. Gerade kleine Betriebe, die einen geringeren Liquiditätsbedarf haben, ist mit diesen Summen schon geholfen. Wichtig ist nur, Angebote genau zu vergleichen und zu prüfen, wie sicher der Kredit für das eigene Unternehmen ist. Portale wie smava.de helfen dabei, sich einen Überblick zu verschaffen und schnell günstige Darlehen zu finden.
  • Crowdfunding – das ist weniger eine offizielle Option und sie eignet sich beileibe nicht für jedes Unternehmen. Doch insbesondere die Gastronomie- und Touristikbranche kann sich über dieses Mittel behelfen. Letztendlich gibt es zwei Versionen: Bei der ersten investieren Privatpersonen einen Geldbetrag in den Betrieb, erhalten am Ende aber eine Gegenleistung. Diese kann vereinbart werden. Möchte sich beispielsweise ein Wirtshaus aktuell über Wasser halten, so ließe sich für einen gespendeten Betrag ein Getränkegutschein vergeben. Bei der zweiten Version gibt es keine generelle Gegenleistung, sodass der Betrag tatsächlich eine Spende ist. Beide Varianten eignen sich natürlich bestens im Kreis von Stammkunden oder begeisterten Touristen, die immer wieder nach Graubünden kommen und »ihren« Gasthof unterstützen möchten.
  • Investoren – auch ein Investor kann mit ins Boot geholt werden. Online gibt es ähnlich dem Crowdfunding spezielle Portale für das Crowd-Investment. Die Investoren erhalten nun jedoch einen Anteil am Betrieb, einen Gegenwert oder ein Mitspracherecht.
  • Privatkredite – auch wieder im kleineren Rahmen könnten Privatkredite helfen. Viele Privatpersonen vergeben online mittlerweile Kredite. Mitunter kann diese Option hilfreich sein, doch werden auf diesem Wege selten hohe Summen vergeben. Unternehmer sollten jedoch immer konkrete Kreditverträge aushandeln und sicherstellen, dass alle relevanten Punkte (Laufzeit, Verzinsung, Tilgungen, etc.) im Vertrag festgehalten werden. Die Portale selbst dienen oft nur als Plattformen, sichern die Kreditvergaben aber nicht ab. Ohne einen ordentlichen Vertrag könnte der Kreditgeber mitunter nach wenigen Wochen behaupten, dass die Gesamtsumme schon längst hätte zurückgezahlt werden müssen. Als Vertragsvorlage genügen durchaus schon die Vorlagen für die Kreditvergabe zwischen Freunden.

Je nach Betrieb und finanzieller Situation könnte eine der besten Möglichkeiten tatsächlich die Investition sein:

  • Investitionskredit – es gibt spezielle Kredite, die Investitionen in das eigene Unternehmen abdecken. Sie haben meist eine sehr lange Laufzeit und werden durchaus gefördert.
  • Optionen – Betriebe können Anlagen erneuern, doch stehen auch Modernisierungen oder Erweiterung des Hotels oder des Gasthauses im Raum. Die aktuelle Situation wird nun für die Arbeiten genutzt, die vorher zeitlich nicht möglich waren.
  • Vorteil – natürlich kosten die Arbeiten Geld und der Kredit muss abgezahlt werden, doch auf lange Sicht stärkt sich der Betrieb. Neue Anlagen und Maschinen arbeiten effizienter und kostengünstiger. Ein modernisiertes Hotel kann Besuchern einen höheren Mehrwert bieten, der wiederum höhere Preise ermöglicht.

Selbstverständlich steht diese Möglichkeit nicht jedem offen. Eine relativ sichere finanzielle Grundlage, trotz der aktuellen Situation, und ein Betrieb, der stets auf soliden Beinen steht und auch künftig eine gute Nachfrage verzeichnen wird, sind die wichtigsten Voraussetzungen.

Abbildung 2: Unternehmer sollten alle Alternativen prüfen und sich am Ende für die passende Lösung entscheiden. Bildquelle: @ Kelly Sikkema / Unsplash.com

Fazit – neue Hilfestellung für Unternehmen

Mit dem neuen Kredit bietet der Kanton Graubünden dort ansässigen Unternehmen eine weitere Hilfestellung, um die aktuelle Situation zu überbrücken. Dennoch müssen sich Betriebe schon vorab um andere Hilfen gekümmert haben, denn diese neue Stütze schließt sich erst nach deren Ausschöpfung an. Zugleich ist es immer sinnvoll, sich auch selbstständig um Kredite oder finanzielle Hilfen zu sorgen. Online werden weiterhin Unternehmenskredite vergeben und bieten oft sehr gute Konditionen. Mitunter könnten sich innovative Lösungen eignen, wenn nicht sogar die Geldausgabe, indem der Betrieb während des Stillstands modernisiert oder erweitert wird. Was paradox klingt, kann sich, je nach Betrieb, künftig als positiv erweisen. Gasthöfe bräuchten beispielsweise Modernisierungen nicht zwischen die Saisonbetriebe einbinden, sondern könnten sie nun in einem Rutsch durchführen.

 

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