Meine Kolumne für grheute.ch steht wieder an und ich frage mich, über welches touristische Thema ich schreiben soll. Natürlich kann ich das Coronavirus und die damit verbundene weltweite Krise auch in meinen Überlegungen nicht umgehen. Meine Kolleginnen und Kollegen haben im Tourismus Total Forum bereits einige gute Artikel dazu verfasst. Sie bringen mich dazu auch einen Blick zurück zu machen.

Ich durfte im November 2019 im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) nach Kolumbien reisen und dort touristische Destinationen beraten und beim Aufbau von Destinations Management Organisationen (DMO) helfen. Kolumbien – da denkt man vielleicht zuerst an Drogen-Mafia; an Pablo Escobar und die erfolgreiche Netflix Serie Narcos. Man denkt an Bürgerkrieg, korrupte Staatsmachenschaften oder die letzten Bürgeraufstände im Winter 2019. Aber natürlich wird diese eingeschränkte Sicht dem Land nicht gerecht. Diese Kolumne reicht bei weitem nicht aus, um all die wundervollen Seiten Kolumbiens zu erwähnen. Sicher ist: Kolumbien verfügt über eine Vielzahl touristischer Perlen.

 

Bei meinem Entwicklungsprojekt habe ich vier unterschiedliche Regionen besucht. Ich bin mit einer Delegation in Putumayo durch den Dschungel gereist; eine Region im Süden des Landes, die eine der artenreichsten Vögel- und Pflanzenwelt besitzt. Wo vor ca. 15 Jahren noch Panzer standen, kann heute mit einheimischen Guides auf Bird Watching Touren die eindrückliche Natur entdeckt werden. Im Kaffeedreieck Quindio erlebte ich wie Menschen – die früher entweder von der Drogen-Mafia oder von den FARC-Rebellen bedroht waren – nun im Tourismus tätig sind und Touren durch Kaffeeplantagen anbieten und so ihre echte Kultur an Touristen vermitteln können. Alle besuchten Regionen hatten aber eines gemeinsam: es fehlte eine zentrale Stelle, welche die touristischen Angebote bündelt, die eine Koordinationsfunktion zwischen den verschiedenen Anbietern, Leistungsträgern und der Bevölkerung einnimmt, und die durch ihre Netzwerkarbeit die Bedürfnisse gegenüber Staat und Behörden vertreten kann. Einnahmen im Tourismus werden leider willkürlich vom Staat verwendet. Da sind wir in der Schweiz weit voraus. Die Destinations Management Organisationen – besser bekannt als Tourismusorganisationen oder früher Kur- und Verkehrsvereine – nehmen genau diese wichtige Funktion als Koordinations- und Netzwerkstelle ein. Die Zeiten sind längst vorbei, wo Tourismus Organisationen eine reine Werbefunktion innehatten. Es geht darum, die verschiedenen Stakeholder zusammenzubringen, gemeinsam Innovationen zu ermöglichen, eine ganzheitliche Standortentwicklung mitzugestalten und so schlussendlich für Gäste wie auch für die einheimische Bevölkerung einen attraktiven Lebens- und Ferienraum zu schaffen.

 

Und genau in der Krise, in der wir uns jetzt befinden, zeigen sich die wertvollen Aufgaben einer funktionierenden DMO. Sie kann Beherbergungs- und Gastrobetriebe mit Informations- und Kommunikationsdienstleistungen unterstützen, sie kann gemeinsam mit den Leistungsträgern Aktivierungsmassnahmen entwickeln, um wieder touristische Wertschöpfung zu ermöglichen. Sie kann durch eine transparente zentrale Informationspolitik den Gästen Sicherheit vermitteln. Sie kann helfen, gestärkt aus der Krise zu kommen. Ich wünsche allen Kolleginnen und Kollegen der Destinations Management Organisationen viel Erfolg und Durchhaltewillen bei ihrer wichtigen täglichen Arbeit in dieser Krise.

Die Tourismus-Total-Expertenrunde von GRHeute berichtet einmal wöchentlich über aktuelle Tourismusthemen für Graubünden. Heute für Sie unverblümt und direkt von der Front: Orlando Bergamin, Geschäftsführer Heidiland Tourismus AG.

(Bild: Pixabay)