Wer so durch das Leben geht, mal nach rechts, mal nach links schaut, der wird sich ein gelegentliches «na ja» nicht verkneifen. Im Spiegel der Zeit, vom jungen Menschen zum Greis, kommt dem einen oder anderen auch so manches «na ja» über die Lippen. Und mit Blick auf das Bankkonto, auf die Steuerrechnung, und auf das Wetter, sie ahnen es, na ja, na ja, na ja.

 

So leicht sind wir hier in der Schweiz nicht aus der Ruhe zu bringen. Kommt Zeit, kommt Rat. Wir sind so gewachsen, traditionell darauf eingestellt, nicht die Wichtigsten zu sein. Gut so, erfolgreich über 700 Jahre so praktiziert.

Auch in schlechten Zeiten sind Ruhe, Planung und Kontinuität keine schlechten Ratgeber.

 

Im Umgang mit der Natur sind wir in der Schweiz auch gut gefahren. Die Wälder in der Schweiz stehen noch, das Agrarland wird professionell genutzt, eben nicht übernutzt, die Verdichtung nach innen ist beschlossen, wir gehen sorgfältig mit Ressourcen um, haben gute Abfallkonzepte, sparen Energie und wandeln uns sorgfältig zum Besseren, ohne aber gute Konzepte zu rasch abzuändern, bevor wir die neuen begriffen und eingeführt haben. Schnelle Politik ist eben nicht immer gute Politik. Und eine gute Demokratie braucht Zeit. Das ist der Preis der Demokratie.

 

In der jüngsten Zeit aber, so vielleicht getrieben durch neue Medien, durch digitale Plattformen, durch Nachahmung der Beispiele aus dem Ausland ist plötzlich nur noch der schnelle Erfolg ein guter Erfolg. Ausgerechnet jene Kreise, welche am meisten von Nachhaltigkeit sprechen, sind der Ansicht, man könne von heute auf heute alles anders machen. Das Geschrei auf den Strassen, eine neue, uncoole Kopie aus dem Ausland, scheint heute das Richtige zu sein. Man empfiehlt Rezepte, ohne je gekocht zu haben.

 

Mir kommt dies mehr nach Konfrontation statt nach Dialog vor. Nicht gute Lösungen werden diskutiert, sondern man rechnet sich irgendwas vor.

Wer mit Bedacht und Verstand an die heutigen Herausforderungen herangeht, ist nicht gefragt. Übrigens ist mitmachen auch nicht gefragt. Es ist vielmehr angesagt, anzuklagen und auszurufen.

 

Doch halt, na ja, damit können wir doch umgehen. Lassen wir das Geschrei auf der Strasse beiseite. Na ja, es braucht es schon ab und wann auch, aber ok; wir haben es jetzt gehört. Wir sind aber schon an der Arbeit, viele gute Leute, sogar sehr viele.

Wenn ich die Arbeit in der Stadt, im Kanton anschaue, dann kann ich mit gutem Gewissen sagen, wir sind weiter als es das Geschrei vermuten lässt. Wenn wir vorankommen wollen, dann können wir auch ohne Belehrung und Mahnfinger unser Verhalten anpassen, verbessern. Auch diese Veränderungen packen wir an, na ja. Wie immer.

Im Politforum von GRHeute kommentieren Bündner Politikerinnen und Politiker aller Parteien über aktuelle Themen. Heute: Urs Marti, FDP-Grossrat.

(Bild: GRHeute)