Der 16-jährigen Schülerin Greta Thunberg ist es gelungen, eine weltweite Debatte zum Klima und speziell zur Erderwärmung zu lancieren. Wöchentlich demonstrieren junge Menschen für die Senkung der Treibhaugase und damit verbunden für eine lebenswerte Zukunft. Das ist ihr gutes Recht.

Diese Bewegung erinnert mich an die 68-er Jahre. Die damaligen Jugendlichen hatten die Schnauze voll vom amerikanischen Imperialismus, von den täglichen negativen Schlagzeilen aus Vietnam und von den sozialistischen Diktaturen unter Chruschtschov in Russland oder Honegger in der DDR. Der zweite Weltkrieg war noch kein Vierteljahrhundert vorbei und wurde nie richtig aufgearbeitet. Die Bilder des Elends, das der zweite Weltkrieg angerichtet hatte waren nach wie vor präsent. Das Unrecht und Leid in den Köpfen der damaligen Jugendlichen liess sie demonstrieren, für Frieden und Gerechtigkeit.

Es entstand eine weltweite Bewegung des Friedens verbunden mit der freien Sexualität durch die Erfindung der Pille. Der Slogan «make love not war» entstand 1967 und war Ausdruck einer Antivietnamkriegsbewegung und Ausdruck gegen den kalten Krieg, gegen die ständigen politischen Aggressoren. In der gleichen Zeit entstand die Rote Armeefraktion RAF in Deutschland. Was als anfänglich friedliche Protestbewegung gegen das Establishment angedacht war, endete im brutalen Chaos.

Letztlich hat aber die ganze Friedensbewegung dazu beigetragen, dass politische Systeme hinterfragt wurden, junge Menschen sich organisierten und die Psychologie, die sich mit dem Verhalten des Menschen beschäftigt, einen entsprechenden Stellenwert bekam. In verschiedenen Organisationen, wie bei der Polizei, bei der Arme oder im Gesundheitswesen wurden Führungskräfte psychologisch geschult. Die Prävention ersetzte vielerorts die Repression.

So hat auch die jetzige politische Klimabewegung bereits ein Ziel erreicht. Die Menschen fragen sich, wie es weitergehen soll, sie hinterfragen ihre verschwenderischen Lebensformen, messen den ökologischen Fussabdruck und reflektieren ihre Haltung zur Umwelt. Umweltschutz kann nicht delegiert werden, nicht an den Staat und nicht an die Regierungen. Sie fängt bei sich selbst an. Nach dem Motto, «jeder Marathon beginnt mit einem Schritt» ist hier der erste Schritt getan. Das stimmt irgendwie zuversichtlich, auch wenn noch viel Arbeit vor uns liegt.

(Bild: GRHeute)

 Am 20. Oktober wird in der Schweiz das neue Parlament gewählt. Im Politforum von GRHeute diskutieren bis zu den Wahlen verschiedene Kandidaten über Themen, die ihnen unter den Nägeln brennen. Heute: Gaudenz Bavier