Der People-Blog «Lüt vu Graubünda» schreibt über einen Aspekt aus dem Leben von «normalen» BündnerInnen. Der Blog ist lose angelehnt an die populäre Webseite «Humans of New York».

Gilla Sutter, 39, Chur. Fussballtrikotsammler aus Leidenschaft.

 

Gilla Sutter sammelt Fussballtrickots und das seit gut 30 Jahren. Der Churer erinnert sich noch gut an sein erstes Leibchen. Es war nämlich ein Holland EM-Trikot von der Nummer 4 namens Ronald Koeman. Ja, die Niederlande war früher, nicht wie in den letzten Jahren, noch Stammgast an Endrunden. Das Trikot, welches den Grundstein für Sutter’s Sammlung legte, ist heute leider verschollen. Das ist laut ihm zwar schade der Nostalgie wegen, doch nicht weiter tragisch, da stetig neue Shirts den Weg zu seiner rund 900 Shirts umfassenden Sammlung finden. Erst kürzlich bekam er eines der letzten FC Basel Shirts, das Michael Lang an einem Match vor seinem Wechsel in die Bundesliga getragen hatte.

Gilbert Sutter, von allen zumeist Gilla genannt, spricht leidenschaftlich über seine Errungenschaften, denn rund ein Drittel der Spielertrikots wurde auch wirklich von Spielern getragen, was seine Sammlung umso wertvoller macht. Bei der grossen Anzahl gebe es laut ihm auch keine doppelten Exemplare. Es könne vorkommen, dass er vom gleichen Verein mehrere Shirts habe, aber nie das gleiche vom gleichen Spieler. Ausgenommen von dieser Regel ist einzig Michael Lang, doch dieser hat mit dem FC Basel schliesslich auch an unterschiedlichen Wettbewerben teilgenommen, weshalb er von ihm ein Champions League-, ein Super League- und auch ein Cup-Leibchen hat, was absolut Sinn ergibt, da es ja variable Designs sind.

Doch nochmals ein Blick zurück. Klein-Gilla eiferte vor gut 30 Jahren seinen Idolen Koeman, Basten, Chappuisat selbst auf und neben dem Fussballplatz nach. Wie die heutigen Kiddies sich um ein Shirt von Ronaldo reissen, war Gilla, derjenige, der oft noch wartete um nach dem Spiel ein Trikot von seinen Helden zu ergattern. Jedes ergatterte Trikot war ein neues Highlight und seine Sammelwut war schnell zum Leben erwacht. In all den Jahren entstanden enge Kontakte mit Spielern und Vereinen, welche ihn heute sehr stolz machen. Sein Fokus wurde rasch auf die am Match getragenen Shirts gerichtet. Diese hat er heute immer noch am Liebsten. Umso dreckiger die Leibchen sind, umso besser, ist Sutter’s Devise.

Heute besitzt Gilla ein ganzes Zimmer voller Trikots, das zwar vom Platz her an seine Grenzen stösst und doch seine Sammlung zu verscherbeln ist für ihn kein Thema. Lediglich unpersönliche Trikots, die er aus Fanshops gekauft hat, verkaufe oder tausche er hin und wieder. Matchworn-Shirts seien tabu.

Unbezahlbar sei seine Sammlung, nicht nur finanziell sondern auch emotional. Auch wenn seine Freundin die Geduld eines Engels haben muss, sammelt der 39-jährige munter weiter. Er sei ihr unglaublich dankbar, denn nicht alle Frauen würden eine solche Leidenschaft für Tschuttiliibli teilen.

Das Shirt, dass ihm wohl am schnellsten viel Geld einbringen würde, ist das von David Beckham, welches er im Spiel AC Milan gegen Manchester United am 16. Februar 2010 beim 2:3 anhatte. Man merkt es sofort, hier wird nicht gesammelt, weil es gerade lustig ist. Gilla Sutter ist mit viel Leidenschaft und Geschick bei der Sache dabei. Säuberlich archiviert liegen selbst erlebte Fussballanekdoten in seinem Hinterstübchen, welche er jedem gerne erzählt, der sie hören möchte.

Persönliche Favoriten seiner Sammlung gebe es viele, eigentlich alle die, die er direkt vom Spieler bekommen habe, zum Beispiel Thiesson von Minesotta, Sele von Liechtenstein, Tim Klose von Norwich und so weiter und so fort. Vor allem mit den Spielern in der Super League und der Bundesliga habe er schon unzählige gute Geschichten erlebt. Darum ist es für ihn auch relativ schwierig eine absolute Lieblingsmannschaft zu küren. Sehr gerne habe er den FC Basel, ManU oder auch die englische Nationalmannschaft. Er hege aber auch grosse Sympathien für die lokalen Helden vom FC Vaduz und Chur 97.

Gilla Sutter geniesst die Vielfältigkeit und das Völkerverbindende Element des Fussballs, darum hofft er bei der Ballon D’Or-Verleihung in diesem Jahr auf eine Überraschung. Es werde wahrscheinlich wieder auf Messi oder Ronaldo raus laufen, wobei er sich sehr den Ägypter Salah gewünscht hätte. Einen Funken Hoffnung setzt er jedoch noch in den französischen Newcomer Mbappé. Gebe es einen goldenen Ball für Sammlerleidenschaft und Hingabe für den Fussball, Sutter würde ihn fix seit Jahren gewinnen.