Der Italiener Riccardo Montani hat am Samstag am Swissalpine in Davos den neuen Königslauf (K68) in gut sechs Stunden in einem dramatischen Finale vor dem Schweizer Raphael Sprenger gewonnen. Bei den Frauen triumphierte die Tschechin Marcela Vasinova. Den K23 entschied der Davoser Langläufer Jason Rüesch für sich. Am Sonntag pulverisierte am K43 OL-Spezialist  Matthias Kyburz mit einem sensationellen Sololauf den Streckenrekord, bei den Frauen siegte Natascha Baer. 

Bergläufer sind Frühaufsteher. Bereits um 7 Uhr erfolgte am Sonntagmorgen der Start zum K43. Auffallend wach war Matthias Kyburz. Der Berner OL-Weltklasseläufer aus Bern setzte sich bereits nach wenigen Metern des 42,7 Kilometer langen Parcours mit insgesamt 1324 Höhenmetern an die Spitze und lief ein einsames Rennen. In 3:00:16,7 Stunden pulverisierte er den Streckenrekord geradezu. Der zweitplatzierte Franzose Kévin Vermeulen büsste mehr als 15 Minuten ein. Trotz des horrenden Tempos sprach Kyburz von einem ökonomisch eingeteilten Lauf, bei dem er sich selbst im Aufstieg zum Scalettapass defensiv verhalten konnte. Besonders gefielen ihm die kleinen Trailwege.

Bei den Frauen lieferten sich die amtierende Marathon-Schweizer-Meisterin Natascha Baer (Kandersteg) und die OL-Spezialistin Sabrina Jenzer (Bern) ein hartes Duell. Aufwärts lief Baer jeweils schneller, abwärts hingegen Jenzer. Zwölf Kilometer vor dem Ziel setzte sich Baer entscheidend. Mit ihrer Siegerzeit (3:48:44,2)  distanzierte sie Jenzer im Finale noch um gut vier Minuten.

Im K10 musste sich die Davoser Spitzenlangläuferin Laurien van der Graaf nach 9,3 Kilometern nur Nicole Egger aus Langenthal geschlagen geben. Die Schweizer Langstreckenspezialistin und amtierende Schweizer Meisterin verblüffte mit der horrenden Siegerzeit von 36:19,2 Minuten. Damit wäre sie im von Timo Trinidad (Teufen) in 34:57,3 Minuten gewonnenen Männerrennen Fünfte geworden.

Montani profitiert von grobem Patzer

67 Kilometer Distanz, 2606 Meter Höhendifferenz, vier Pässe, ein Panoramatrail und acht Täler mit Start und Ziel in Davos – das waren die Eckdaten des K68, des neuen Königslaufs, der am Samstag am 35. Swissalpine erstmals ausgetragen wurde. Am schnellsten bewältigte der 27-jährige Italiener Riccardo Montani den Parcours. Er benötigte für den anspruchsvollen Parcours 6:12:28,2 Stunden. Montani setzte sich erst auf dem letzten flachen Kilometer durch. Lange hatte der in Zürich wohnhafte Thurgauer Raphael Sprenger das Rennen angeführt. Im Finale verfügte der Italiener aber noch über die grösseren Kraftreserven. «Ich hörte, wie das Publikum auf den letzten Kilometern den Führenden anfeuerte, und dann sah ich ihn auch vor mir, was mir nochmals einen Energieschub verlieh», sagte Montani.

Sieger Riccardo Montani im Ziel.

Sprenger verlor bis ins Ziel nach mehr als sechsstündigem Kampf noch 16,4 Sekunden. Er freute sich mehr über seine starke Leistung als die späte Niederlage. «Montani war am Schluss einfach stärker», bemerkte er sportlich.

Wenks langer Umweg

Frust herrschte hingegen im Zielraum beim Drittplatzierten Stephan Wenk. Der Favorit hatte das Rennen auf dem Scalettapass nach rund 18 Kilometern gemeinsam mit dem Amerikaner T-Roy Brown deutlich angeführt. Danach verpassten die beiden Führenden jedoch die Abzweigung auf den Panoramatrail; stattdessen liefen sie talwärts. Bis dahin waren sie so schnell unterwegs gewesen, dass der Wettkampfparcours vom Streckenposten noch nicht ausgesteckt gewesen war. Beide bemerkten das Mischgeschick erst viel später. Wenk schätzte den Umweg am Ziel auf rund 20 Minuten ein. Gleichwohl schloss er bis zur Fanezzfurgga wieder zur Spitze auf, während Brown frustriert aufgegeben hatte.

Viel Frust im Ziel für Stephan Wenk.

Wegen des Sonderefforts fehlte Wenk im Kampf um den Tagessieg auf den letzten gut zehn Kilometern dann jedoch die Kraft. Bis ins Ziel büsste er noch mehr als acht Minuten ein. Die Rennleitung fasste ein salomonisches Urteil: Sie beliess Wenk auf Platz 3, erklärte ihn jedoch zum moralischen Sieger und richtete ihm wie Montani die gleiche Siegprämie von 2000 Franken aus. 

It’s difficult to put today into words. First the organization of the @swissalpinedavos made great efforts to make it…

Gepostet von Stephan Wenk am Samstag, 25. Juli 2020

Vasinova kam spät, lief schnell und siegte überlegen

Bei den Frauen dominierte die seit vier Jahren in Salzburg wohnhafte Tschechin Marcela Vasinova den K68. Die 31-Jährige hatte sich erst am Dienstag für den Start entschieden, «weil ich wegen der unsicheren Corona-Situation nicht unnötig Startgeld ausgeben wollte.» Vasinova benötigte für die 68 Kilometer 6:59:12,1 Stunden. Sie sprach im Ziel von einem «sehr harten» und für sie «sehr langen Lauf. Ich bin es mir eigentlich etwas kürzer, dafür steiler gewohnt.» Der zweitplatzierten Kathrin Götz knüpfte Vasinova gut 20 Minuten ab. Als Dritte erreichte die Vorjahressiegerin Luzia Bühler das Ziel. Damals war der Königslauf (T88) allerdings knapp 20 Kilometer länger. Bereits früh musste die siebenfache Swissalpine-Siegerin Jasmin Nunige aus Davos wegen starken Hüftschmerzen aufgeben.

Gelungene Revanche von Rüesch

Den K23-Wettbewerb von Klosters nach Davos über rund 23 Kilometer mit 634 Höhenmetern Steigung und 235 Metern Gefälle gewann der Spitzenlangläufer Jason Rüesch in 1:31:00,1 Stunden fast zwei Minuten vor dem Liechtensteiner Arnold Aemisegger. Vor einem Jahr hatte der Einlauf in diesem Wettbewerb umgekehrt gelautet. Rüesch setzte sich nach dem Kulminationspunkt während der Abwärtstrecke zum Davosersee entscheidend von seinem letzten Konkurrenten ab. «Ich wusste, dass ich im Aufstieg dranbleiben musste. Anschliessend attackierte ich, worauf sich rasch ein Loch öffnete», erklärte Rüesch. Lange hatte im Aufstieg auch der drittplatzierte Donnino Anderhalden mit den beiden Ersten mithalten können.

Bei den Frauen siegte Shelly Schenk in 1:47:36,3 Stunden 45 Sekunden vor der Österreicherin Lena Laukner und gut zwei Minuten vor Marketa Maly (Walchwil).

 

(Bilder: zVg./Video: On Air Production)