Noch immer finden sich emotionsgeladene Reaktionen in den Zeitungen und im Web auf das Nein des Bundesgerichts gegen neue Wanderwege in der Rheinschlucht.

Ein wundersames Naturjuwel mit brütenden Flussuferläufer bleiben vor menschlichen Störungen verschont. Es ist nicht nur ein Sieg für die dortige unberührte Flora und Fauna, es ist ein Sieg auch für den Tourismus in Graubünden. Denn die Zahl der Feriengäste in dieser Gegend, die genau wegen der unberührten Natur hierherkommen, wird unterschätzt. Grossveranstaltungen, Sportevents etc. bewirken, dass der Rubel sehr schnell und massig rollt aber in der Zwischensaison oder bei Krisen, wie die jetzige, abrupt zum absoluten Stillstand kommt.

Tourismuskonzepte, basierend auf Natur und Nachhaltigkeit, generieren Gäste, die zwar nicht in Massen anreisen aber stetig und besser verteilt über das ganze Jahr. Solche Feriengäste lassen auch Geld liegen, in Hotels, Restaurants, bei der Bahn und in den Bussen, an Kiosken, an der Bar, in den Museen, in Läden und an Ausstellungen.

Also, statt auf ein schnelles Umsatz-Wachstums zu schielen, muss vermehrt ein Tourismus kultiviert werden, der über mehrere Generationen funktioniert. Doch wie bringt man das den CEOs und den kommunalen Politikerinnen und Politikern bei, die nach drei oder vier Jahren weiterziehen respektive abgewählt werden? Die drastische Reaktion des Präsidenten des Gemeindevereins Rheinschlucht/Ruinaulta in seinen Leserbriefen mit Begriffen wie «Schutzhysterie», «Fundamentalismus» und «Fanatismus» zeugt von einer kurzsichtigen Fixierung auf ein Projekt, dessen Vorbereitung viel Geld gekostet hat. Er müsste sich erklären, warum so viel investiert wurde, auch Steuergelder, ohne vorherige umsichtige Abklärungen von möglichen Hindernissen.

Liebe Feriengäste, geniessen Sie die Wanderung oder die Fahrt mit der Bahn auf der einen Seite dieser fantastischen Rheinschlucht, mit der entzückenden Sicht auf die Landschaft gegenüber. Wissend, dass da drüben die Natur lebt, wie im Bilderbuch.

Links zu mehr Informationen über die erwähnte Region:

Die Tourismus-Total-Expertenrunde von GRHeute berichtet einmal wöchentlich über aktuelle Tourismusthemen für Graubünden. Heute für Sie unverblümt und direkt von der Front: Urs Heinz Aerni, Journalist und Autor.

(Bild: Michael Gerber)