Meinen ersten Arbeitstag an der Alexanderstrasse 24 in Chur hatte ich am 3. Juni 2013. Als Engadiner hoch motiviert im Büro angekommen – die Bezeichnung «Baustelle» wäre wohl passender gewesen – freute ich mich auf die Vorstellungsrunde bei den anwesenden Capricorns. Die nächsten Wochen war es im Büro, zumindest nachmittags, eher leer und die paar verbliebenen Mitarbeitenden arbeiteten mit Pamir auf dem Kopf, da im Stock oberhalb fleissig mit dem Schlaghammer gearbeitet wurde. Das hatte man mir bei der Anstellungs-Zusage wohl vergessen mitzuteilen. Langjährige Mitarbeitende nutzten den Nachmittag für den Abbau von Überstunden. Mir als Frischling blieb nichts anderes übrig, als ab 14:00 Uhr den Pamir aufzusetzen. Trotz diesem holprigen Start blicke ich heute auf sieben spannende, intensive und lehrreiche Jahre bei Graubünden Ferien (GRF) zurück.

 

Was hat sich in all den Jahren bei GRF verändert und wo stehen wir heute? Damals basierte die GRF-Strategie 2014 bis 2018 auf den vier tragenden Säulen «Marktentwicklung», «Produktentwicklung und Themenmarketing», «Branding» und «Systeminnovation». In meiner Rolle als Bereichsleiter Shared Services ist ein Vergleich zur damaligen «Systeminnovation» am passendsten. Im Jahr 2013 wurde das 2007 gestartete Projekt der «ePlattform» abgeschlossen. Die «ePlattform» galt als ein Integrationsprojekt zur Vernetzung bestehender, elektronischer Vertriebssysteme sowie zur Anbindung neuer Distributionskanäle. Einfach gesagt ging es darum, das touristische Angebot aus Graubünden aus einer Hand online buchbar und insbesondere dem B2B-Vertrieb verfügbar zu machen. Ich finde die damalige Idee war grandios, jedoch der Zeit voraus und hatte aufgrund der starken Verlagerung zu B2C-Buchungen der immer relevanter werdenden OTAs dazu geführt, dass der Betrieb der ePlattform letztendlich im Sommer 2018 eingestellt werden musste. Was sich aber seit 2014 gehalten bzw. sogar stark weiterentwickelt hat, ist der Service-Gedanke.

 

Ab 2014 wurde GRF dank des Servicecenters eTourismus zum Dienstleister für alle Destinationen, die das DMS TOMAS® einsetzten. Das sind auch heute noch 11 von insgesamt 17 Destinationen in Graubünden. Im Jahr 2018 wurde das Servicecenter komplett in den Bereich Shared Services überführt und der Service-Gedanke in Form konkreter Dienstleistungen von Destinationen auf Beherbergungsanbieter ausgeweitet. Dabei verfolgten wir immer dasselbe Ziel. Wir möchten Destinationen und Beherbergungsanbieter in der digitalen Kommunikation unterstützen. Daraus sollen gesamthaft online besser sichtbare Erlebnisse aus Graubünden resultieren. Das zahlt schlussendlich wieder auf das übergeordnete Ziel ein: «mehr Gäste für Graubünden».

 

Seit der breiten Ausrollung der Shared Services im Jahr 2018 konnten wir bereits über 140 unterschiedlichen Beherbergungsanbietern konkrete Dienstleistungen anbieten. Gut 90 Betriebe durften wir in einer Erstberatung analysieren und mit konkreten Tipps & Tricks beliefern. Besonders freut mich, dass das Projekt «Hospitality Pop-up-Academy» nach dem erfolgreichen Pilot-Projekt in Engadin St. Moritz – dank der Unterstützung aus dem Tourismusprogramm Graubünden 2014 bis 2023 – im Jahr 2020 in weiteren Bündner Destinationen angeboten werden kann. Insgesamt erhalten dadurch zusätzlich 80 Hotelbetriebe und 80 FEWO-Vermieter die Chance, sich im Bereich des «digitalen Marketings» und im «Revenue Management» professionell weiterzubilden und sich so für die Zukunft bestmöglich zu wappnen.

 

Um zu meiner anfänglichen Frage zurückzukommen: verändert hat sich in den letzten sieben Jahren einiges. Aber eines ist immer gleich geblieben. Bei GRF setzen sich seit Jahren viele Capricorns tagtäglich trittsicher, stolz und mit viel Herzblut für die schönste Ferienregion der Schweiz ein. Daher und auch dank der vielen spannenden Persönlichkeiten, die ich während der letzten sieben Jahre auch innerhalb der Destinationen kennenlernen durfte, bin ich trotz der aktuell herausfordernden Situation zuversichtlich für den Bündner Tourismus und wünsche meiner Nachfolgerin Kerstin Sigron sowie dem ganzen Team weiterhin viel Erfolg und Spass. Grazcha fich für alles.

Die Tourismus-Total-Expertenrunde von GRHeute berichtet einmal wöchentlich über aktuelle Tourismusthemen für Graubünden. Heute für Sie unverblümt und direkt von der Front: Flavio Godenzi, Leiter Shared Services Graubünden Ferien.

(Bild: Graubünden Ferien/SNP)