Feiertage – oder freie Tage ohne pompöse Feier, dafür mit umso mehr Besinnung

So viele Feiertage in kurzem Abstand gibt es nur während einer Jahreszeit, nämlich jetzt im Frühling. Vor drei Wochen genau standen wir vor den Osterferien. In genau drei Wochen ist Auffahrt und weitere zehn Tage später wird Pfingsten gefeiert. Und morgen ist Tag der Arbeit, der 1. Mai. Gut, für uns Bündnerinnen und Bündner, die auch im Kanton arbeiten, ist der Tag der Arbeit kein gesetzlicher Feiertag, er wird nicht besonders gefeiert, zumindest nicht mit einem arbeitsfreien, bezahlten Arbeitstag. Die Regelung der Feiertage ist Sache der Kantone und Grund dafür, dass in den Kantonen unterschiedlich viele Feiertage gelten. Nur der Nationalfeiertag am 1. August ist national geregelt. Dies aber auch erst seit 1994. Die Rangliste führt mit bezahlten Freitagen der Kanton Tessin an. Er zählt beinahe doppelt so viele Feiertage wie der Kanton Graubünden. Die Feiertage in diesem Frühling sind für uns alle wohl ein wenig anders verlaufen, als ursprünglich geplant. Eben Feiertage ohne zu feiern im grösseren Kreise, also feiern im Sinne von lustig beisammen sein. Hingegen konnte man sich dem Feiern im eigentlichen Sinne widmen. Dem Feiern im Sinne von zelebrieren und gedenken. Und damit lassen sich die Feiertage wunderbar geniessen.

 

Morgen ist also der 1. Mai. Zugegeben, ich musste kurz einen Blick in die Geschichtsbücher werfen, um mir die Historie der Entstehung des Tags der Arbeit in Erinnerung zu rufen. Seine politischen Wurzeln hat der Tag der Arbeit in den USA. Am 1. Mai im Jahre 1886 fand in Nordamerika in mehreren Städten ein Generalstreik statt. Hauptgründe waren die schlechten Arbeitsbedingungen und die schlechte Bezahlung der Industriearbeiter. Zu dieser Zeit war es üblich, dass zwischen zehn und elf Stunden täglich gearbeitet wurde. Der 1. Mai ist zusätzlich das Datum, an welchem in den USA traditionell die Arbeitsverträge ausliefen und neue abgeschlossen wurden. Den Streikenden ging es hauptsächlich darum, die tägliche Arbeitszeit auf acht Stunden zu verkürzen. Der Streik führte in Chicago zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Streikenden. Dieses einschneidende Ende des Streiks führte aber letztlich dazu, dass ein Teil der Forderungen umgesetzt wurde und nach acht Stunden Arbeit Feierabend war. In Teilen der Schweiz wird der 1. Mai seit 1890 gefeiert. Er jährt sich dieses Jahr also bereits zum 130. Mal – es gibt demnach ein kleines Jubiläum zu «feiern». Rund um den Globus wird der Tag der Arbeit auch heute noch traditionell für politische Aktionen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen genutzt.

 

Nun wünsche ich allen Leserinnen und Lesern morgen einen angenehmen Tag der Arbeit, ganz unabhängig davon, ob Sie diesen im Büro oder zuhause verbringen. Tragen Sie Sorge zu sich und bleiben Sie gesund.

Im Politforum von GRHeute kommentieren Bündner Politikerinnen und Politiker aller Parteien über aktuelle Themen. Heute: Vera Stiffler, Grossrätin und Fraktionspräsidentin FDP.

(Symbolbild: GRHeute)