Bundesrat Alain Berset und «Mister Corona» Daniel Koch haben Graubünden besucht. Bei einer Pressekonferenz äusserten sich die beiden zusammen mit den Regierungsräten Peter Peyer und Marcus Caduff erstmals, wie die Aussichten für den Tourismuskanton Graubünden stehen.

Ab dem 27. April dürfen einzelne Geschäfte wieder öffnen – wie beispielsweise Coiffeursalons, Baumärkte und Blumenläden. Allerdings nur, wenn sie die Hygienemassnahmen des Bundes einhalten können. Und während die ersten Branchen wieder Licht am Ende des Tunnels sehen können, sorgen sich andere Branchen um ihre Existenz.

Bislang wurden noch keine konkreten Angaben gemacht, wie es für den Tourismus und für die Gastronomie weitergehen könnte. «Es ist klar, dass die Gesundheit der Bevölkerung erste Priorität hat. Natürlich ist Graubünden als Tourismuskanton sehr stark bedroht in dieser schwierigen Krise. Wir setzen alles daran, einen Sommertourismus ermöglichen zu können», sagte Regierungsrat Marcus Caduff an der Pressekonferenz von gestern Montag in Cazis.

Doch selbst wenn es bis zum Sommer einen halbwegs normalen Betrieb gäbe, würde überhaubt ein Tourismus existieren? «Es muss nun ein Vertrauen hergestellt werden, dass wir diese Pandemie im Griff haben. So lange die Bevölkerung kein Vertrauen hat, wird es auch kein Tourismus geben. Es ist aber schwierig zu prognostizieren, ab wann der Betrieb wieder aufgenommen werden kann», sagte der Regierungsrat darauf.

Wie normal wird es ab dem 8. Juni?

Viele Betriebe in der Gastronomie und im Tourismus fühlen sich vernachlässigt, nachdem sie bei den ersten Lockerungen nicht erwähnt wurden. «Wir haben einen Weg gefunden, wo wir keine Überlastung der Spitäler riskieren. Wir sind nach wie vor in einer Situation, die sich zwar etwas beruhigt, aber noch nicht komplett behoben ist. Wir müssen nun für Restaurationsbetriebe prüfen, wie wir mit ihnen weiter umgehen. Man kann nicht für alle das gleiche Sicherheitskonzept erstellen, da besonders die Gastronomie sehr vielfältig ist. Eine Bar an der Zürcher Langstrasse kann nicht mit einem Restaurant verglichen werden. Diese Aufgabe ist kompliziert und braucht Zeit. Wir versuchen jedoch so schnell wie es geht eine Lösung zu finden», sagte Bundesrat Alain Berset.

Es läge vor allem an den Leuten, ob und wie früh eine Lockerung in diesen Branchen erfolgen könne. «Die Leute vergessen, dass wir die Lockerungen in drei Schritten definiert haben. In der ersten Phase ab dem 27. April werden eher kleinere Massnahmen ergriffen. Ab dem 11. Mai erfolgt die erste grössere Lockerung, die noch genauer definiert wird. Die dritte Phase ist ab dem 8. Juni. Wenn die Leute sich weiterhin an die Sicherheitsmassnahmen halten und es gut läuft, kann der Bundesrat ab dem 8. Juni grosszügiger werden», sagte Berset. «Ich kann Ihnen aber garantieren, so normal wie vor der Krise wird es nicht sein», sagte Daniel Koch. Der Bundesrat stehe zudem in engem Kontakt mit dem Präsident des Gastroverbands.

Warum der Bundesrat nichts überstürzen will

«Es zeigt, was wir bis jetzt gemacht haben, hat sich gelohnt. Das kann man anhand der sinkenden Fallzahlen sehen. Es wäre schade, dies jetzt zu verspielen und zu riskieren. Wenn wir zu schnell handeln riskieren wir, dass es Konsequenzen für die Spitäler haben könnte. Was wir vor allem auf gar keinen Fall wollen, ist, einen Blindflug zu riskieren», sagte Alain Berset.

Vor der Medienkonferenz in der psychiatrischen Klinik Beverin hatte Bundesrat Alain Berset mit Regierungspräsident Christian Rathgeb den Medizinaltechnikhersteller Hamilton Medical AG in Domat/Ems besucht und unter anderem einen Einblick in die Produktion von Beatmungsgeräten und Laborrobotern, die weltweit exportiert werden und einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsversorgung in der Coronakrise leisten, erhalten.

(Bild: GRHeute)