Corona sei dank, sind wir praktisch über Nacht mit existenziellen Fragen konfrontiert, wie wir sie uns nicht hätten vorstellen können. Gerade im Tourismus, der de facto seit zwei Wochen still steht, präsentieren sich die unmittelbaren Aussichten nicht gerade rosig. Alleine die Beherbergung, der Personentransport und die Gastronomie machen in Graubünden jeden 5. Arbeitsplatz aus und jeder 3. Franken wird direkt oder indirekt mit dem Tourismus verdient. Die Bedeutung des Tourismus für unseren Kanton wird einem wieder deutlich vor Augen geführt – und ebenso seine Verletzlichkeit.

Angesichts der Entwicklungen in den letzten zwei Wochen wird es immer unwahrscheinlicher, dass die Corona-Krise innert ein paar Wochen ausgestanden ist. Gehen wir gedanklich also einmal vom folgenden Szenario aus:  die Corona-Krise spitzt sich bis im Mai weiter zu. Erst dann entschärft sich die Lage langsam. Der Lockdown wird im Juni oder Juli weitgehend aufgehoben. Die Menschen haben dann ein grosses Bedürfnis nach Tapetenwechsel und sozialem Austausch. Kurztrips in die Berge und Ferien in der ganzen Schweiz sind gefragt wie nie zuvor, denn im Ausland ist die Corona-Krise noch nicht überall überstanden und von Fernreisen wird abgeraten. Ausländische Gäste bleiben zwar weitgehend aus, jedoch kompensieren die Schweizerinnen und Schweizer dieses fehlende Segment. Die Freiheit, sich wieder ungehindert zu bewegen und der hedonistische Genuss stehen ganz oben auf der Wunschliste.

Was ist heute zu tun, wenn wir von diesem Szenario ausgehen? Zuerst einmal muss sichergestellt werden, dass Unternehmen bis dahin überleben und Arbeitsplätze erhalten bleiben. Der Bund stellt dies mit seinem umfassenden Massnahmenpaket weitgehend sicher. Klein- und Familienunternehmer werden aber laut Verordnung derzeit schlechter gestellt als die eigenen Mitarbeitenden. Es bedarf daher einer dringenden Korrektur, um Liquidationen dieser Firmen zu verhindern (vgl. Verordnung, Art. 5).

Natürlich ist in unserem Szenario nicht nur der Staat gefordert, sondern auch die Touristiker selber. Branchenorganisationen und DMOs können bereits eine schweizweite Kampagne vorbereiten. Leistungsträger können Angebotspakete für die Nach-Corona-Zeit schnüren und ihre Kommunikation darauf ausrichten. Kurztrips und Ferienangebote auf allen Preisstufen und in verschiedensten Facetten werden gefragt sein. Kulante Annullationsbedingungen helfen, frühzeitige Buchungen wieder anzukurbeln. Sicherheit hat nach wie vor hohe Priorität und der Gast ist bereit dafür zu bezahlen. Leistungsträger können diesem Sicherheitsbedürfnis proaktiv mit Hygiene- und Sicherheitsstandards begegnen, z.B. mit garantiertem Sicherheitsabstand in der Gondel und in Restaurants, mit der Desinfektion von öffentlichen Räumen und Massnahmen in Wellnessanlagen oder Standards bei allen Arbeitsprozessen.

Packen wir also die Krise als Chance und nutzen die Zeit! Ich wünsche Ihnen dazu viel Energie und Elan – trotz oder gerade wegen Corona!

Die Tourismus-Total-Expertenrunde von GRHeute berichtet einmal wöchentlich über aktuelle Tourismusthemen für Graubünden. Heute für Sie unverblümt und direkt von der Front: Brigitte Küng, Projektleiterin, Macherin und Strategieberaterin bei Hanser Consulting AG, Chur.

(Bild: zVg)