Zack – auf einmal sind alle Unis zu. Mit gutem Beispiel ist die ETH vorausgegangen, kurz danach hat die FHGR nachgezogen. Ab sofort wird per Fernunterricht gelernt. Zugegeben, dies braucht sehr viel Selbstdisziplin. Gerade bei diesem Prachtwetter ist es nicht immer einfach, zu Hause zu bleiben.

Es ist 8:15 Uhr, mein Wecker klingelt, ich drücke auf «Snooze». Nur noch ein paar Minuten… 8:22 Uhr, nun ist es aber höchste Zeit aufzustehen, in 8 Minuten beginnt der Unterricht. Kurz vor halb neun habe ich mein Laptop und mein Tablet bereit. Ich melde mich mit dem App «Zoom» zum Unterricht ein, die meisten meiner Klassenkameraden sind schon online. Die erste hat dem Lehrer bereits eine Frage gestellt. Diese Woche lernen wir, wie man ein Meerestier in 3D modellieren kann. Ich habe ein Seepferd ausgewählt.

 

Unausgesprochen wird von jedem Schüler erwartet, dass er zu Hause einen zweiten Bildschirm hat. Ansonsten wird es schwierig dem praktischen Unterricht zu folgen. Während der Lehrer vorzeigt und erklärt, wie etwas geht, sollten wir auch gleich mitmachen. Während die ersten Fragen und technischen Schwierigkeiten im Plenum geklärt werden, bereite ich mein Frühstück vor. Nutellabrötchen-essend öffne ich mein eigenes Projekt. Das Seepferdchen nimmt langsam Gestalt an.

 

20 Minuten Pause. Das sollte reichen, um schnell in den Coop für mein Mittagessen einkaufen zu gehen. Ich habe allerdings nicht mit der einkaufenden Menschenmasse gerechnet. So schnell wie möglich schlängle ich mich durch die Regale. Heute gibt’s Pasta mit Tomatensauce und Aubergine. Die Schlange an der Kasse ist lang. Ich habe noch nie so viele Leute im Coop gesehen. Mist, ich habe Käse vergessen. Einen kurzen Blick zurück verrät mir, dass hinter mir etwa doppelt so viele Leute anstehen wie vor mir. Heute muss ich Pasta wohl ohne Käse essen.

Lernen: 0, Putzen: 1

Die Pause hat nicht gereicht. Zu Hause angekommen ist der Unterricht bereits wieder in vollem Gange. Ich habe wichtige Arbeitsschritte verpasst und komme nun nicht mehr mit. Ich probiere selbst etwas an meinem Modell aus, was aber nicht gut kommt, also lasse ich es lieber sein. Ich denke mir: «Da die Vorlesungen sowieso aufgezeichnet werden, kann ich mir das auch später anschauen.» Meine Motivation und Konzentration sinken drastisch. Ich stehe auf und bemerke, dass meine Wohnung etwas dreckig ist. «Nur kurz Staubsaugen», denke ich mir. «Das ist schnell gemacht.» Beim Staubsaugen bleibt es allerdings nicht. «Wenn ich schon gerade so im Schuss bin, kann ich auch noch weitermachen.» Ich nehme die Böden in der Küche und Badezimmer feucht auf, putze das Badezimmer komplett und räume die Küche auf.

 

Ups, es ist bereits Mittagspause. Die Zeit vergeht schnell beim Putzen. Zeit, meine käselosen Teigwaren zu kochen. Mit einem dampfenden Teller Pasta setze mich auf meinen Balkon, um die Sonne zu geniessen. Das bringt mich eine Idee. Eine halbe Stunde später habe ich meinen Balkon in ein Büro umfunktioniert und bin bereit für den Nachmittagsunterricht. Ich setze die Sonnenbrille auf – perfekt.

Vielleicht Morgen

An meinem Modell habe ich nicht mehr weitergearbeitet. Die Motivation ist zusammen mit dem kalten Wetter verschwunden. Der Vorlesung höre ich nur noch halbwegs zu. Meine E-Mails sind gerade spannender. Und so vergeht auch der Nachmittag. Immer wieder versuche ich mich auf die Schule zu konzentrieren, bin aber zu sehr abgelenkt und meine Gedanken schweifen ab. Mit dem Ende der Lektion verliert auch die Sonne ihre Kraft und ich beginne zu frösteln. Ich räume das ganze Equipment wieder zurück in die Wohnung.

 

Obwohl ich heute nicht viel geleistet habe, fühle ich mich ausgelaugt. Ich weiss genau, dass ich auch heute Abend nicht mehr an meinem Modell arbeiten werden. Das Seepferdchen muss bis morgen warten.

Stand meines Seepferdchens.

(Bilder: GRHeute)