Nun ist es da: das Kulturförderungskonzept Graubünden 2021-2024. Eine Projektgruppe hat es in zwei Phasen erarbeitet, unter Anhörung von mehr als 30 kulturellen und kulturnahen Organisationen. Vom Bündner Kunstverein, die Kammerphilharmonie Graubünden über die Walser- bis zur Jodlervereinigung, alle wurden sie angehört. Ein breit abgestütztes Dokument also. Und ein Dokument, das drei Fragen nachgeht: was funktioniert heute gut und was (noch) nicht? Welche Chancen und Herausforderungen bestehen? Welche Handlungsmöglichkeiten ergeben sich daraus?

Die mit Abstand wichtigste Erkenntnis: wir machen viel, aber wir haben noch reichlich Potenzial!  Eine gute Nachricht für all jene, die unseren Kanton weiter nach vorne bringen möchten.

Handlungsbedarf wurde bei der kulturellen Teilhabe, der sprachlichen und regionalen Vielfalt und den Produktionsbedingungen für das Kulturschaffen geortet. Eine spezifische Förderung des Films existiert zudem bislang nicht. Mit 16 ganz konkreten Massnahmen kann den Defiziten begegnet und die Chancen genutzt werden. Mehr Leistungsvereinbarungen zur Erhöhung der Planungssicherheit, Verbesserung umständlicher Fördermodelle, Einrichten einer digitalen Kommunikations- und Informationsplattform, Realisierung von Kulturprojekten mit Kindern und Jugendlichen als Beispiele.

Die Erkenntnisse decken sich im Wesentlichen mit Beobachtungen und Entwicklungen in der Gemeinde: im Davoser Parlament haben wir die Einführung von Leistungsvereinbarungen nach kantonalem Vorbild beschlossen und mit der Dachorganisation Kulturallianz arbeiten wir an verbesserter Koordination und Sichtbarkeit der Kultur in Davos und Klosters: www.kulturallianz.ch

 

So weit so gut. Potenziale sind erkannt. Der Kompass ist gestellt. Nun braucht es die Entschlossenheit der Politik, den Weg auch konsequent zu beschreiten. Denn eines ist klar: die Umsetzung der breit abgestützten Arbeit steht und fällt mit deren Finanzierung. Eine Finanzierung, die sich unser Kanton leisten kann und die er sich leisten muss. Warum? Dazu lasse ich die Studie «Kultur als Wirtschaftsfaktor» von BAK Basel im Auftrag der Julius Bär Stiftung sprechen:

«Mit der wirtschaftlichen Aktivität der öffentlich geförderten Kulturbetriebe war in der Stadt Zürich 2013 gesamthaft ein Bruttowertschöpfungseffekt von CHF 291 Mio. verbunden. Hierbei profitieren über Zuliefererverflechtungen und Spillover-Effekte im Tourismus auch regionale Unternehmen ausserhalb des Kulturbetriebs in nennenswertem Ausmass (CHF 79 Mio.). Zudem profitiert die regionale Wirtschaft davon, dass die mit dem hochstehenden Kulturangebot verbundene Aufwertung der Lebensqualität und Standortattraktivität die Konkurrenzfähigkeit der in Zürich ansässigen Unternehmen im globalen Wettbewerb um Fachkräfte stärkt. Dieser Faktor wird vor dem Hintergrund des sich künftig verschärfenden Fachkräftemangels weiter an Bedeutung gewinnen.»

Und mindestens gleich bedeutungsvoll ist die Schlussbemerkung der Studie, die sich unser vielfältiger Kanton besonders zu Herzen nehmen sollte:

«Bei aller ökonomischen Relevanz sollte nicht vergessen werden: Kultur ist mehr als ein Wirtschaftsfaktor. Kulturelle Hervorbringungen und Artefakte stellen nicht zuletzt auch immaterielle Werte und Leistungen dar – jenseits der auf direkte Nutzbarmachung bezogenen Perspektiven. Zudem hat Kultur auch einen Bildungscharakter und damit eine gesamtgesellschaftliche Bedeutung.»

 

Also: die Saat ist gesät. Der Grosse Rat kann dafür sorgen, dass sie spriesst und unsere Kultur weiter gedeihen kann.

Im Politforum von GRHeute kommentieren Bündner Politikerinnen und Politiker aller Parteien über aktuelle Themen. Heute: Philipp Wilhelm, Landrat und Grossrat, Davos und Präsident SP Graubünden.

(Bild: DAVOS FESTIVAL/Yannick Andrea)