Die Narren treiben den Winter in die Flucht, obschon er noch nicht war. Tradition verpflichtet! Die üblen Viren treiben in zuverlässiger Jahreszeitlichkeit den Kleinen und Alten das Letztgegessene durch jede Öffnung. Derweil, im ungeahnten Eldorado hoch oben auf dem Churer Burgfelsen, zerstieben des Bischofs fromme Diener Satan und abtrünnige Engel mit Hilfe der himmlischen Heerscharen und viel Weihwasser weiss Gott wohin. Fürwahr, der Lehrmeister der Falschheit hat es nicht gern, wenn man ihm das heilige Wässerchen ins Gesichtlein spritzen tut! Februar 2020, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, der zweite Monat im zwanzigsten Jahr des einundzwanzigsten Jahrhunderts — er hat es in sich! Die alte Stadt schafft es noch immer, allerlei Zeitlichkeiten nebeneinander aufzutürmen. Ist oft vorgestern, selten heute, niemals morgen.

Bei Konfetti, Gorbs und Teufel geht eine Meldung in den Niederungen der Tagespresse beinahe unter, obschon sich die Grafikabteilung des Medienmonopoltempels am Rossboden bei der Illustration Mühe gegeben hat: Inmitten einer Pfütze auf der Oberen Au — ja, da wo sich sonst Soldaten, Hallenbader, Hündeler und, etwas verstohlener, Freier ein Stelldichein geben — steht ein rostiger Würfel; in memoriam Jean Nouvel und Expo.02 will der Artikel Bündens Leserschaft zum träumen anregen und verkennt dabei die grosse Chance. Nicht gelesen? Nicht so schlimm! Sie werden jetzt ja informiert. Die Sache ist die: Wenn im Jahr 2027 oder 2028 wieder eine Landesausstellung realisiert werden wird, sauteuer wie immer, könnte das alte Chur zusammen mit anderen Städten eine gewichtige Kerbe in den Baum der Schweizer Geschichte schlagen. Mehr noch: Es könnte eine neue Schweiz denken! — Könnte. Die Chance ist da. Die Projekte dazu hinken zwar etwas, hinken ist aber auch eine Form der Fortbewegung.

Machen wirs kurz: Eine Landesausstellung ist eine enorme Chance. Nein, es geht nicht um den Speck im Topf, nicht um den nächsten Tweet, beileibe nicht um eingewachsene Fussnägel. Eine Landesaustellung, ja schon der Weg dorthin, ist die Gelegenheit, auf den letzten Drücker Leitideen für die Schweiz des 21. Jahrhunderts festzulegen. Die zugegebenermassen gewöhnungsbedürftige Angestecktheit meiner Seel‘ diesbezüglich gründet in der Lektüre grosser Denker: Das Dreigestirn der Basler Politischen Schriften aus den 1950er Jahren — Burckhardt, Kutter, Frisch — schrieb damals vital zur Frage des Stils und grossen Würfen. «Es geht um die Errichtung neuer Leitbilder, welche den Bedingungen des Zeitalters standhalten.» Und als wäre es nicht genug, klingt die Frage der Mannen von weit her ins Hier und Jetzt: «Hat die Schweiz, die heutige, eine Idee?»

Wer beantwortet diese Frage? Wer schafft die Manifestation der neuen Leitbilder, damit die Leut nicht mehr überholter Antiquiertheit hinterherlaufen müssen? Wer kreiert das Vorbild, das sich neu und anfechtbar der Realität präsentiert? Machen Sie mit! Wir brauchen eine Expo, die nicht einfach atmosphärisch-installativ daherplätschert, sondern gesellschaftspolitische Fragen aufwirft und Antworten schafft. Die Perspektiven baut und zulässt. Querbeet durch alle Disziplinen, weit Gesellschaft denkend. Mutig. Frech. Ungestüm. Da wärs mir lieb, wenn die nächsten Projektschritte nicht in den Verwaltungen der grossen Städte kaputt verwaltet würden. «Der Beamte als solcher ist kein Schöpfer!», wusste schon das prominente Autorentrio. Beim aktuellen Kurs der Bündner Hauptstadt: Kniend, mich peitschend drei Kreuze und ein Halleluja, wenn wir das hinkriegen.

 

PS: Aus dem Bereich Alltagssorgen: Wer schafft es, seinen Autoinnenraum über längere Zeit sauber zu halten? Wie? Bitte nur ernstgemeinte Zuschriften, nur von KinderhalterInnen ohne Hund.

(Bild: photobiliothek.ch)