Greta und Graubünden, das klingt auf den ersten Ton wie Gian und Giachen. Tatsächlich haben wir und unsere beiden Kultsteinböcke mehr gemein mit der bekannten Klimaaktivistin Greta Thunberg als auf Anhieb vermutet. Was auch immer man von der 17-jährigen Schwedin und ihrem zweiten Besuch am World Economic Forum (WEF) in Davos halten mag – Fakt ist, dass uns der Klimawandel vor eine immense, auch touristische Herausforderung stellt. Wir müssen im Tourismus unser Kerngeschäft anpassen und stehen vor grossen Verhaltensänderungen. Es ist eine Generationenherausforderung.

 

Meist werden mit dem Klimawandel die damit einhergehenden Gefahren beleuchtet, auch für den Bergtourismus. Doch das wachsende Bewusstsein für den Klimawandel wird ebenso zu grossen Änderungen von Verhaltensweisen führen. Menschen werden zwar weiterhin in den Flieger steigen. Die Sehnsucht neue, ferne Länder und Kulturen zu entdecken, ist fast schon ein Grundbedürfnis. Wir dürfen dieses Recht nachkommenden Generationen und Millionen von «neuen» Reisenden nicht absprechen. Das neue ökologische Bewusstsein überträgt sich aber zunehmend auf Reisegewohnheiten. Es darf davon ausgegangen werden, dass das Reisen inskünftig bewusster und selektiver erfolgen wird. So werden die Menschen öfter die Nähe favorisieren. Wir stehen sozusagen vor einer Renaissance der Nähe. Graubünden ist schon heute die beliebteste Ferienregion der Schweizerinnen und Schweizer im Inland. Nirgends sonst verbringen so viele Schweizerinnen und Schweizer im Inland einen Teil ihrer Ferien und Freizeit. Gesucht wird in einer sich digitalisierenden Welt das Naturerlebnis. Ruhe wird wieder «cool». Bewusstes, nachhaltiges Reisen ist bald keine Nische mehr. Es wird zur neuen Klasse. Calanca statt Costa Rica – als kleines Wortspiel.

 

Graubünden ist die naturnahe Sehnsuchtsdestination für anspruchsvolle Individualtouristen. Doch wollen wir im nachhaltigen Markt Leader sein, so müssen wir mit Vorwärtsdrang unsere Erlebnisentwicklung auf die beschriebenen Verhaltensänderungen ausrichten. Alleine mit schönen Wanderwegen und einer guten Erschliessung durch den öffentlichen Verkehr bei den Gästen aufzuwarten, wird nicht reichen. Nachhaltige Konzepte und ein gelebtes Commitment zur Nachhaltigkeit sind gefragt. «Plastic free» muss zum Credo werden, Natur- und Tierschutz müssen gelebt werden. Wegweisende Beispiele gibt’s in Graubünden schon viele. Erwähnt seien die Weisse Arena in Laax, die Bergbahnen Scuol im Unterengadin sowie das Hotel Valsana in Arosa, deren Betreiber einen konsequent nachhaltigen Tourismus umsetzen. Arosa ist mit dem «Bärenland» zudem eine Symbiose von Tierschutz und Tourismus eingegangen. Die Destination hat damit auch bewiesen, wie erfolgreich neue Partnerschaften sein können. Greta und Graubünden – das kann uns ebenso sinnbildlich dienen für den Wandel, den wir im Tourismus herbeiführen müssen.

 

Wichtig ist, transparent, authentisch und ernsthaft zu agieren anstatt den Begriff Nachhaltigkeit nur für Marketingaktivitäten zu nutzen. «Greenwashing» ist ein weit verbreitetes Wort dazu. Nachhaltigkeit in seinen ökologischen, ökonomischen und sozialen Formen ist immer eine Grundeinstellung. Wir müssen glaubwürdig handeln. Nicht nur um des Klimas willen, sondern auch, um morgen noch touristisch erfolgreich zu sein. In einer neuen Studie im Auftrag von Graubünden Ferien wird der Nachhaltigkeit als langfristiger Erfolgsfaktor nachgegangen (hier zu beziehen: https://www.graubuenden.ch/de/bestellung-nachhaltigkeitsanalyse). Die Analyse für Hotellerie und Gastronomie zeigt kreative Ansätze und Best-Practice-Beispiele. Wenn wir solchen Ideen folgen, nehmen wir unsere eigene Verantwortung wahr. Denn schon immer war und ist der Tourismus Mitverursacher von unerwünschten Auswirkungen auf die Ökologie. Doch heute haben wir es in der Hand, zusammen mit unseren Gästen etwas daran zu ändern.

Die Tourismus-Total-Expertenrunde von GRHeute berichtet einmal wöchentlich über aktuelle Tourismusthemen für Graubünden.Heute für Sie unverblümt und direkt von der Front: Jürg Schmid, Präsident Graubünden Ferien.
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