«Die einzige Konstante ist der Wandel». Diese altgriechische Weisheit galt damals wie heute – und besonders auch für den Tourismus. Als sich die ersten Blüten des Bündner Tourismus um 1850 herum entwickelten, kamen die Gäste im Sommer und stiegen in kleinen Pensionen und Gaststätten ab, welche häufig bei Heilquellen – z.B. in St.Moritz Bad – gebaut wurden. Um 1900 herum folgte eine Zeit der Pioniere: viele grosse Grand- und Palasthotels wurden errichtet (beispielsweise das Badrutt’s Palace 1896, das Suvretta House 1911, das Carlton St. Moritz um 1913) , welche ganz auf den Geschmack von ausländischen Gästen zugeschnitten waren. In kurzer Zeit wurden erhebliche Beherbergungsinfrastrukturen geschaffen und der Tourismus wurde zum Haupterwerbszweig in Talschaften wie dem Engadin.

Entwicklung der Hotelbetriebe und Anzahl Gästebetten in der Schweiz

(Quelle: Eigene Darstellung auf der Basis von Bundesamt für Statistik und Historisches Lexikon der Schweiz)

In den Bündner Nobelhotels stiegen hauptsächlich wohlhabende Engländer, Deutsche und Italiener ab. Schweizer Gäste waren die Ausnahme. Die Gäste kamen der guten Luft, der heilenden Quellen und des Naturerlebnisses wegen. Noch wichtiger war aber, sich zur Erholung in gehobener Gesellschaft wiederzufinden. Die Luxushotellerie schaffte es, diese Bedürfnisse so hervorragend abzudecken, dass sie im Ausland bald einen besonders guten Ruf genoss.

Gästeherkunft 1911 im Hotel Waldhaus Sils und 2018 in der Schweiz und Graubünden

Zur Finanzierung der aufwändigen Bauten mussten damals die Einnahmen aus den Sommermonaten reichen, denn im Winter hatten die Hotel geschlossen. Das wurde zunehmend schwierig, obschon die durchschnittliche Aufenthaltsdauer um 1900 herum bei drei Wochen lag. Die Entdeckung des Wintertourismus wurde daher als grosse Chance empfunden. Doch im Winter geöffent zu sein, stellte sich für viele grosse Hotels zunächst als Herausforderung heraus: es fehlten Heizungen und die Bausubstanz musste modernisiert werden. Das nötige Kleingeld für diese grossen Investitionen hatten damals nur wenige. Und dann kamen noch die beiden Weltkriege dazwischen, brachten den Tourismus beinahe zum Stillstand und stürzten die Hotellerie in eine schwere Krise. Doch nach und nach entwickelte sich ein starker Wintertourismus, der heute für Graubünden existenziell ist.

 

Was lernen wir daraus? Erstens gibt die Geschichte Hoffnung. Eine Wiederentdeckung des Sommertourismus bzw. eine Neuausrichtung unseres Tourismus scheint mit Blick auf die historische Entwicklung möglich, wenn wir die Gästebedürfnisse der Zukunft erkennen und die passenden Tourismusprodukte dafür bereitstellen. Vielleicht sind dazu wieder mehr Pioniergeist und günstigere, staatliche Rahmenbedingungen gefragt. Zweitens: Tourismus ist stets im Wandel. Die Zeichen unserer Zeit – Klimawandel, Frankenstärke, Globalisierung – sind Herausforderungen, die möglicherweise auch viele Chancen in sich bergen.

(Bild: GRHeute)