Die Saison 2018/19 mit dem Verpassen der Playoffs und dem Abgang der HCD-Trainerlegende Arno del Curto scheint Ewigkeiten her zu sein: Der HC Davos hat (bald) eine Herbstsaison hinter sich, die wohl keiner so prognostiziert hätte. Nach dem knappen 3:2-Sieg vom Samstagabend gegen Lugano holte Davos am Montag auch beim «Spengler-Cup-Partner» Ambri-Piotta mit einem 5:4-Sieg nach Penaltsyschiessen den Sieg. Die zehn Fakten, die den Aufschwung des HC Davos erklären.

 

1. Die Ausländer

Wie viel starke ausländische Verstärkungen in der Schweiz immer noch ausmachen, hat GRHeute schon im Oktober statistisch aufgezeigt. Dass jeder einzelne HCD-Söldner diese Saison «liefert», ist tatsächlich alles andere als «normal». Headliner ist Evergreen Perttu Lindgren mit 30 Punkten aus 29 Spielen (9 Tore/21 Assists). Auch die neuen Mattias Tedenby (13/9), Aaron Palushaj (11/12) und Verteidiger-Notnagel Otso Rantakari (8/10) haben so richtig eingeschlagen. Und Defensiv-Spezialist Magnus Nygren ist beim Comeback nach seiner Knieverletzung ebenfalls stark zurückgekehrt – gegen Lugano rettete der Schwede den Sieg im Schlussdrittel mit einem grandiosen «Hecht» auf der Linie. Kurz gesagt: Die HCD-Ausländer sind auf einen Schlag die besten der Liga.

 

2. Der Glaube

Schon erstaunlich, was Trainer Christian Wohlwend und seine Staff in kurzer Zeit in Davos geschafft haben. Die Mannschaft kämpft nicht nur, sie glaubt auch an sich und spielt ein einfaches System sauber runter. Geriet der HCD noch vor Jahresfrist nach einem unglücklichen Rückstand, einem Doeppelschlag oder einem ärgerlichen Gegentreffer sofort in eine Abwärtsspirale, hat Davos diesen Herbst schon oft gezeigt, dass es sich auch aus einer schwierigen Situation wieder heraus manövrieren kann – eine Eigenschaft, die Davos diese Saison noch viel nützen wird. Auch gegen Lugano war der HCD am Samstag zweimal in Rückstand und drehte das Spiel im Schlussdrittel. Und dies, nachdem Davos zuvor drei Spiele in Serie verloren hatte und erstmals in dieser Saison nicht mehr auf einer Welle des Momentums ritt. Das Team ist von einer fragilen Truppe zu einer mental starken Equipe gereift. Ein Verdienst, das den Coaches gebührt. 

 

 

3. Überraschende Schweizer Skorer

Die einheimischen Davoser «Headliner» im Angriff, Andres Ambühl und Enzo Corvi, haben sich im Herbst zwar nicht gerade als überragende Torschützen präsentiert (Corvi 4, Ambühl 3 Tore), als Vorbereiter (18, bzw. 14 Assists) haben sie offensiv aber ohne Zweifel ihre Wichtigkeit herausgestrichen. Interessant sind die Storys der fünf besten Schweizer Torschützen: Fabrice Herzog, neu vom ZSC nach Davos gestossen, blühte besonders in den letzten Wochen richtiggehend auf und ist mit sieben Toren bester Schweizer Torschütze. Der 25-jährige Thurgauer ist statistisch auf dem Weg zu seiner besten NL-Saison. Sechs Tore erzielt haben bisher Youngster Benjamin Baumgartner und der in den letzten Jahren zuverlässigste Torschütze Marc Wieser. Beide haben die Hoffnungen, dieses Jahr einen solchen Impact für den HCD zu haben, bisher erfüllt. Dahinter folgt Verteidiger Felicien DuBois, der seine Gefährlichkeit von der blauen Linie mit fünf Toren wiedererlangt hat (letzte Saison nur ein Tor) sowie Luca Hischier, der nach seiner in der Saisonvorbereitung erlittenen Verletzung ein starkes Comeback mit bereits fünf Toren hingelegt hat.

 

4. Die Torhüter «verheben»

Es war ein Risiko, das der HCD auf sich nahm, mit Joren van Pottelberghe und Neuzuzug Sandro Aeschlimann auf zwei in der National League noch nicht etablierte Goalies zu setzen. Ein Risiko, das sich bisher aber bezahlt machte. JvP ist in den letzten beiden Jahren einen gewichtigen Schritt nach vorne gekommen und zeigt konstante Leistungen, Aeschlimann hat nach kleinen Anlaufschwierigkeiten seine Rolle gefunden und sich ebenfalls nahtlos ins Defensivschema der Davoser eingefügt. Mit 2,79 (JvP), bzw. 2,67 (Aeschlimann) Gegentreffern pro Spiel liegen zwar beide leicht unter dem nationalen Durchschnitt, Fangquoten von 90,83%, bzw. 91,26% zeigen aber, dass nicht nur die Davoser Verteidigungsleistung zugelegt hat, sondern auch beide Goalies ein durchaus sicherer Rückhalt sind. Ob sie das auch in den (hoffentlich) Playoffs sein werden und ob HCD-Coach Wohlwend auch weiterhin auf ein Zwei-Goalie-System setzen wird, bleibt abzuwarten. Interessant bleibt die Goaliesituation in Davos auch in Zukunft, stösst auf die kommende Saison doch auch noch der starke Genf-Goalie Robert Mayer zum HCD – van Pottelberghe und Aeschlimann haben auch für 2020/21 Verträge in Davos.

Joren van Pottelberghe.

 

5.  Die Wertvollsten

Für viele Hockey-Experten ist die Plus-/Minus-Bilanz die relevanteste Spieler-Statistik, auch wenn sie durch die Leistungen der Teamkollegen in derselben Linie geschönt oder verschlechtert werden kann. Bezeichnend aber, dass Perttu Lindgren derzeit mit einer Bilanz von +12 teamintern ganz vorne liegt. Der ehemalige Liga-MVP, der 2016 mit einer Plus-/Minusbilanz von +34 einen rekordverdächtigen Wert aufstellte, ist sehr zur Freude der Fans wieder der Alte – und man darf nach seiner mehrjährigen Verletzungsmisere sicher von einem fast wunderhaften Comeback sprechen. Auch Marc Wieser (ebenfalls +12) hat seinen Einfluss zurückgefunden, dahinter überrascht Youngster Benjamin Baumgartner (+9), der in den letzten beiden Wochen in Österreichs U20-Nati überzeugte und nach der nächsten Saison (sein Vertrag läuft bis 2021) zu einem der begehrtesten Spieler der Liga werden dürfte. Gut auch die Plus-/Minusbilanz der Schweizer Verteidiger Felicien DuBois (+8), Claude-Curdin Paschoud (+7) und Sven Jung (+6).

 

6. Bereits so viele Punkte wie letzte Saison

Der HCD liegt in der Tabelle auf dem vierten Rang, gemessen an Punkten pro Spiel mit einem Schnitt von 1,83 Zählern auf Position 2. Nach einem fantastischen Saisonstart hat sich der HCD zuletzt zwar nicht ganz an der Spitze behaupten können, die bisher erreichten 53 Punkte sind aber bereits heute zwei mehr als Davos letzte Saison in der ganzen Regular Season erreichte. Folgt ein ähnlich starker Januar, ist dem HC Davos die Playoff-Qualifikation sicher. Ein Nachlassen liegt aber gleichwohl nicht drin, ist die National League doch so ausgeglichen wie kaum je zuvor: Auf den Strich hat Davos nur zwölf Punkte Reserve. Und wie sich der erste Spengler Cup in der Ära Wohlwend auf die Leistungen in der Meisterschaft auswirken wird, bleibt erst noch abzuwarten.

 

7. In fast allen Belangen besser

Letzte Saison erzielte der HCD in der Regular Season 2,42 Tore/Spiel und kassierte 3,34 Tore/Spiel – das war der zweitschlechteste, bzw. schlechteste Wert der Liga. Dieses Jahr schoss Davos bisher 3,24 Tore/Spiel und steckte gleichzeitig 2,90 Tore/Spiel ein. Das entspricht offensiv dem drittbesten Wert der Liga, defensiv ist der HCD weiterhin «nur» die Nummer 9 der Liga. Trotzdem ist der «Turnaround» frappant. Interessant ist auch, dass kein Team weniger schiesst als Davos. Dafür weisen die Bündner mit einer Trefferquote von 10,8% pro Schuss die zweitbeste Quote der Liga bezüglich Effizienz auf.

 

8. Special Teams verbesserungsfähig

Wo sich die Davoser sicher noch verbessern können, sind die Special Teams: Im Powerplay ist Davos ligaweit Durchschnitt, in Unterzahl gehört der HCD zu den schlechtesten Teams der Liga. Nur Langnau hat bisher mehr Gegentore im Boxplay kassiert als Davos (25). In Überzahl hat der Rekordmeister bisher 23x getroffen, gleichzeitig aber auch schon drei Shorthander einkassiert. 

 

 

9. Das beste und das schlechteste Spiel

Dass der HCD fast die ganze Saison kompetitiv war, wurde bereits gesagt. Die Statistiken unterlegen, wie umkämpft diese Saison der höchsten Schweizer Spielklasse ist. Der höchste HCD-Sieg resultierte am 28. September beim 7:1 in Lausanne, die höchste Niederlage am 30. November zuhause beim 0:5 gegen die ZSC Lions. In nur zwei weiteren Spiele betrug der Unterschied drei Tore. 19 (der insgesamt 29) HCD-Spiele endeten mit nur einem einzigen Tor Unterschied. Was einiges aussagt: Der HCD gewann 14 dieser am härtesten umkämpften Spiele (74%).

 

10. Elf Spiele der Wahrheit

Zuerst der Spengler Cup, dann der Monat der Wahrheit: Gleich elf Spiele bestreitet der HC Davos im Januar, allein vom 2.-7. Januar dürfen die Davoser nach der grossen Gala der Altjahreswoche viermal ran. Es braucht keinen Propheten um vorherzusagen, dass der Januar der entscheidende Monat wird, wie die reguläre Saison 2019/20 letztlich für den HC Davos ausgehen wird. Das Gute daran: Sieben dieser elf Januar-Spiele kann Davos zuhause bestreiten. Vor eigenem Publikum hat Davos in dieser Saison acht von elf Spielen (73%) gewonnen.

 

 

(Bild: GRHeute)