Der HC Davos ritt sieben Spiele lang auf einer Erfolgswelle, wie man es nach der letzten Saison nicht für möglich gehalten hätte: Nach dem 5:4-Sieg vom Freitagabend in Zug war am Samstagabend gegen Genf-Servette aber Schluss mit der Erfolgsserie. Die Bündner unterlagen den Westschweizern knapp mit 2:3.

Wohin geht die Reise des HC Davos diese Saison? Nach dem Sieg am Freitag und der Niederlage am Samstag steht der HCD in der NL-Tabelle trotz einem halben Dutzend weniger absolvierten Spielen auf Rang 5, gemessen an Punkten pro Spiel gar (hauchdünn hinter den ZSC Lions) auf dem zweiten Platz. Zeit also, das Saisonziel «Playoff-Qualifikation» zu revidieren? Natürlich nicht, dafür ist die Saison noch viel zu jung, der Abstand in Punkten auf den Strich beträgt weiterhin nur sieben Punkte. Trotzdem ist die Show, die der neue Engadiner Trainer Christian Wohlwend mit seinen Profis aufs Eis zaubert, zu würdigen. Die 2:3-Niederlage vom Samstagabend vor 4361 Zuschauer im Eisstadion Davos gegen Genf-Servette tut daran keinen Abbruch. 

Die Highlights vom 5:4-Sieg in Zug:

 

GRHeute hat bereits nach zehn Runden aufgezeigt, warum dieser HCD anders ist. Sechs Spiele später hat sich diese erste Bilanz noch akzentuiert. Die Goalies Joren van Pottelberghe und Sandro Aeschlimann sind in der höchsten Schweizer Spielklasse angekommen. Die Davoser Verteidigung steht mehrheitlich solide und trägt offensiv deutlich mehr von der blauen Linie bei als letzte Saison, nicht nur wegen Notnagel-Glücksgriff Otso Rantakari (bereits sieben Tore): Am Freitag war es Lukas Stoop, der den HCD bereits in der zweiten Minute in Führung schoss.

Bärenstarke HCD-Ausländer

Und dann sind da die Söldner im Angriff, neben der neuen Coaching Staff der wichtigste Teil zur Renaissance des HC Davos. Angefangen beim Comeback von Perttu Lindgren, der nach seinen schweren Verletzungen und dem Wiederaufbau in der letzten Saison wieder als geborener Quarterback auf dem Eis schaltet und waltet (6 Tore, 20 Skorerpunkte). Der Schwede Mattias Tedenby flitzt in der gegnerischen Zone übers Eis wie ein schlittschuhläuferisch überlegener Youngster in einer Junioren-Mannschaft (9 Tore, 16 Skorerpunkte) und lässt die gegnerischen Fans den Atem anhalten, wenn er den Turbo einschaltet. Und auch der amerikanische Stürmer Aaron Palushaj, dem wir vor sechs Runden noch Steigerungspotenzial attestierten, ist zuletzt zum erhofften Sniper avanciert: In den letzten vier Spielen traf er sechsmal, in Zug zweimal zum zwischenzeitlichen 4:3 und 5:3, gegen Genf kurz vor Schluss zum 2:3-Anschlusstreffer.

Aaron Palushaj.

Nach zwei albtraum-ähnlichen Saisons bei den Verstärkungsspielern scheint der HCD diese Saison gleich mehrere Lotto-Sechser gezogen zu haben.

Corvi und Ambühl warten weiter

Und die Schweizer Feldspieler? Das Positive vorneweg: Der HCD 2019/20 ist eine physisch starke, kämpferische Einheit, die von ihrer Staff vorzüglich eingestellt wird. Dieses Team ist nicht einfach zu bezwingen, obwohl mit Enzo Corvi und Andres Ambühl zwei der arriviertesten Kräfte noch immer auf ihr erstes Saisontor warten (mit kombiniert 24 Assists sind die beiden Nationalspieler als magistrale Vorbereiter aber durchaus involviert). Mit der «Auferstehung» von Marc Wieser als Torschütze, dem erhofften Durchbruch des Youngsters Benjamin Baumgartner (beide bisher sechs Treffer) sowie erfolgreichen Fernschützen wie Sven Jung und Lukas Stoop (beide bisher dreimal erfolgreich) haben auch die Schweizer Kräfte Anteil am offensiven Davoser Aufschwung. Trotzdem ist die Quote der Ausländertore mit 52% nach 15 Spielen zu hoch, bei den Schweizer Feldspielern ist bezüglich Tor-Ausbeute am ehesten noch Luft nach oben vorhanden. 

Servette beendete am Samstagabend die Davoser Siegesserie.

 

(Bilder: Screenshot MySports)