Erzähl mir von der

Farbe deines Bootes!

 

Ich weiss nicht

Ich habe die Farbe nicht gesehen

Es war Nacht, Frau Romana

 

In der prunk- und an diesem Abend prallvollen Arvenstube im Davoser Rathaus lasen am Freitagabend 14 junge Menschen selbstgeschriebene Gedichte und Geschichten vor. Es sind Fragmente. Erinnerungen an die verlorene Heimat, Eindrücke aus dem Leben in der neuen. Diese neue, gemeinsame Heimat heisst Graubünden, die verlorenen Somalia, Syrien, Iran, Äthiopien oder Afghanistan. Zur Schule gehen sie in Schiers, wo sie ihre Lernstätte „die coole Schule“ tauften.

 

Dort tüftelten sie neben dem Schulalltag in den vergangenen Monaten fleissig an literarischen Texten und verarbeiteten dabei auch Tabu-Themen, die normalerweise verdrängt werden und verborgen bleiben. Beim Schreiben gecoacht hat sie die Bündner Autorin Romana Ganzoni – Frau Romana eben. Ziel der Schreibwerkstatt war ursprünglich der einfühlsam choreografierte Auftritt in der Davoser Grossen Stube anlässlich der Erzählnacht, die an diesem Freitagabend schweizweit unter dem Motto „Wir haben auch Rechte!“ stattfand. Geworden ist mehr: ein Buch nämlich. „So fern, so nah“, heisst es und ist bei Schuler Bücher oder über www.lesestoff.ch erhältlich.

 

Der berührende Abend; die Freude der Jugendlichen über ihr persönliches und gemeinsames Werk; die gelungene Zusammenarbeit der Schierser Klassen, der Bibliothek Davos, der Autorin Romana; die Verbindung von Bildung, Kultur und gesellschaftlichem Engagement: all das machte ein Verein möglich. Die IG offenes Davos.

 

Sie feiert in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen. Seit 2009 engagieren sich duzende von Menschen in ihrer Freizeit für andere Menschen. Für jene eben, die ihre Heimat verloren haben und über oft gefährliche Wege hier eine neue Heimat suchen. Die Vereinshelfenden beraten, schaffen Begegnung und Aktivität, unterstützen beim Deutschlernen, bei der Arbeits- und Wohnungssuche und überhaupt im Alltag. Sie helfen geflüchteten Menschen, in ihrer neuen Heimat anzukommen und Fuss zu fassen. Dieses Engagement machte Schule und inspirierte Menschen in der Region Viamala oder um das Transitzentrum in Trimmis zu Ähnlichem.

 

Und statt sich nun selbst zu feiern, leisten die Freiwilligen des inzwischen mehrfach ausgezeichneten Vereins im laufenden Jubiläumsjahr einen Sondereffort, um geflüchteten Menschen verschiedene Plattformen zu geben. Zehn Jahre, zehn Höhepunkte. Davon war die grossartige Schreibwerkstatt nur ein Beispiel. Alle anderen Höhepunkte und die ordentliche Vereinsarbeit ist unter www.offenesdavos.ch erfahrbar.

 

Um diese Engagement zu würdigen, widme ich diese Kolumne für einmal nicht der Politik, sondern dem grössten Dank und der herzlichen Gratulation an all die Menschen, die sich selbstlos für das Wohl jener einsetzen, die es schwieriger haben als andere.

 

Und natürlich tue ich das aus der Erwartung heraus, dass sich die Politik dieses Engagement zu herzen nimmt und ihren Beitrag leistet. Denn Menschen, die wegen Krieg und Verfolgung eine neue Heimat suchen, sollen diese in Graubünden finden können. Bereits im Dezember etwa hat der Grosse Rat Gelegenheit, geflüchtete Kinder schneller in die Regelschulen zu integrieren. Eine Selbstverständlichkeit? Ich hoffe es!

 

Es lebe das offene Davos! Es lebe das offene Graubünden!

(Bild: Walter Dürst, wdfotografie.ch)

Im Politforum von GRHeute diskutieren verschiedene Politiker über Themen, die ihnen unter den Nägeln brennen. Heute: Philipp Wilhelm, Präsident SP Graubünden