Eine meiner ehemaligen Chefinnen sagte mal etwas selbstgefällig, dass, je mehr man verdiene, je mehr Grümpel sich in den eigenen vier Wänden ansammle. Ein Luxusproblem. Das sei sehr belastend. Ich hätte sie würgen können. Weil ich damals miserabel verdiente, gefühlt wenig hatte und eigentlich mit ihr über eine Lohnerhöhung sprechen wollte. Sie befand sich gerade in so einer Phase, wollte alles mit jedem teilen, verzichten, sich befreien von der materiellen Last des irdischen Lebens. Aufgehen im Kosmos. Sie genoss, zurückgelehnt in den amtlichen Bürostuhl, ihren Monolog sichtlich. Menschen Mitte fünfzig können sehr anstrengend sein! Die Lohnforderungen verhallten ungehört, unsere Wege trennten sich alsbald. Dennoch, die Alte sollte rechtbehalten: in den kommenden Jahren sammelte sich viel an. Die kapitalistische Weltordnung spült mir allerlei Unnützes ins Haus, etwa so, wie die Flut den Plastikmüll an den balinesischen Strand. Ich begegne dem Plunder stolpernd in den Schandhallen meines Hauses, neunzig Kubik Kellergewölbe voll mit plastifiziertem Müll, auserlesenem Kram, beschämenden Altlasten.

 

Teile davon sind längst ins rechte Licht gerückt und feilgeboten worden. Auf eine dieser unzähligen Plattformen für den Verkauf von allem an alle. Der Aufwand immens, die Einnahmen dürftig, die Verlässlichkeit klein. Und immer wieder fallen mir beim Gang in die Unterwelt dieselben Teile in die Hände. Wandern, von da nach dort und bleiben dennoch da. Vielleicht kleine Schätze, die bei Ihnen ein neues Zuhause finden? Ich kann nicht mehr, das Zeug muss raus! Zum Teufel damit. Oder zu Ihnen.

 

Da wären: eine selbstgebrannte Stephan Eicher CD (non ci badar, guada e passa, live, undatiert); allerlei Alu-Outdoorartikel inkl. originaler CH-Armee-Gamelle mit wahrscheinlich unbenutztem Besteck; ein grüner Überseekoffer mit Aufkleber «plombe de douane»; eine güldene Baslertrommel mit durchsichtigem Remofell (mit reichlich Fasnachtserfahrung, man kann drauf schlafen!); «Deadline – wie man besser schreibt» von Constatin Seibt (die Seiten 75-78 haben einen Knick, das Buch insgesamt ‘nen Knacks); ein Fusskostüm (eher was für die Fetischecke); eine graubraune Lederaktentschasche mit Antitranspirant, Darvidapackung und Lippenstift (alles aus den Nullerjahren); ein Drylite Camping-Duschtuch ultraklein verpackbar, schnelltrocknend (war auf Machu Picchu!); ein holländisches Loupballooning Puzzle mit 500 Teilen; elektrische Luftpumpe 230 Volt (ohne Batterien); Bergsteigerhelm unisex, leicht beschädigt; zwei Notkocher-71-Rationen (man weiss ja nie); Buch «200 Jahre Bündner Kantonsschule», ungelesen; ein Mini-Racletteofen mit acht halben Rechaudkerzen; Johannesbeergelee der Jahrgänge 2009-2017; diverse Schriften zu Haile Selassie (das war halt damals, ach, Sie wissen schon!); ein System-Holzbrett mit weiblichen und männlichen Figürchen als Arbeitshilfe für Therapeuten (fein geschmirgelt und bemalt von Therapierten); ein Ladekabel, Adressat unbekannt; diverse Bilder sehr unbedeutender KünstlerInnen; ein rosaroter, genieteter Lederhandschuh links (fragen Sie nicht!); eine XXL Dachbox (beidseits zu öffnen, gigantisch das Ding); Seesack, wasserdicht; eine BMW-Polizeitöfffrontscheibe (legal erworben!); fröhliches Plüschgemüse (Tomate, Lauch, Peperoni); Schnittschutzhose grün/orange, Fertigungsjahr 2009, unfallfrei; Tontöpfe in vielen Grössen; eine Kleintiertreppe aus Tanne gefertigt; eine Dose Red Kindsey Beans (Ablaufdatum 06.2017); das Dachgiebelwindfähnli unseres Hauses (was macht das im Keller?); diverse Engelfiguren aus Stein (Schatz,…?); ein halber Sack Katzenstreu; Flimser Telemarkski mit Schuhen in Grösse 40, dritte Hand (Fuss), Schnalle vorne rechts mit M3-Schraube eigenhändig repariert.

 

Bei Interesse melden Sie sich bitte ungeniert. Wir finden uns preislich sicher. Einige Teile würde ich gratis abtreten. Auch Kombinationsrabatte sind denkbar. Bitte zu Bürozeiten anrufen, am Abend stört es mich. Umtausch und Rückkauf ausgeschlossen. Versand teils möglich (ab Porto 9.00 CHF plus minimal 2.50 CHF Aufwandentschädigung). Es würde mich freuen, Sie in meinem Keller begrüssen zu dürfen. Ich fühle mich schon jetzt etwas erleichtert. Befreiter.

 

PS: Frage: Weshalb eigentlich esse ich den Frühstück-Ei-Deckel immer zuletzt?

(Symbolbild: Pexels)