Mit Valerie Favre Accola zieht auch die SVP in den Wahlkampf um den Ständerat. Als Hauptgrund wird der Angriff der ‚bürgerlichen Mitte‘ auf einen Nationalratssitz der Volkspartei bezeichnet. 

Der bürgerliche Block aus SVP, FDP und CVP war jahrzehntelang Garant für eine stabile Bündner Politik in Bundesbern. Seit der Abspaltung der BDP geriet das Parteigleichgewicht in Graubünden ins Rutschen, wobei zumindest im Ständerat bis heute eine gewisse Kontinuität herrschte: 2019 aber gilt auch im Kampf ums Stöckli Links gegen Mitte gegen Rechts. Nachdem die SP früh angekündigt hatte, mit Jon Pult ins Rennen zu steigen, greift nun auch die SVP die Bisherigen Stefan Engler (CVP) und Martin Schmid (FDP), der den Sitz 2011 in einer damals noch «freundschaftlichen Übergabe» von SVP-Vertreter Christoffel Brändli geerbt hatte, an. 

«Reaktion als Angriff auf die SVP»

«Die von FDP, CVP und BDP eingegangene Listenverbindung ‚Bürgerliche Mitte‘ erachtet die SVP Graubünden als unmissverständlichen Angriff auf einen ihrer beiden Nationalratssitze», schreibt die SVP in einer Medienmitteilung. «Mit einem Wähleranteil von gegen 30 % bei den letzten Parlamentswahlen erachtet es die SVP Graubünden als legitim, weiterhin zwei von sieben Vertretern nach Bern delegieren zu dürfen. Mit der Listenverbindung der Mitteparteien, der sogenannten ‚Bürgerliche Mitte‘, wird jedoch diese Doppelvertretung in Frage gestellt und ganz offensichtlich bekämpft.»

Valérie Favre Accola solls richten

Als Reaktion auf den Angriff der bürgerlichen Mitte steigt die SVP Graubünden nun mit Valérie Favre Accola ins Rennen. Die Davoser Politikerin, Mitglied des Kleinen Landrates, dürfte am 20. August an der Delegiertenversammlung offiziell nominiert werden.

Für die Bündner SVP ist nicht nur der Angriff im Nationalrat Grund genug, um selbst wieder einen Platz im Ständerat einnehmen zu wollen, auch politisch hätten sich in den letzten Jahren einige inhaltliche Verschiebungen der ‚bürgerlichen Mitte‘ nach links ergeben: «Die Parteileitung ist zur Ansicht gelangt, dass auch inhaltliche Gründe eine Ständeratskandidatur notwendig machen, zumal FDP und CVP in verschiedenen Bereichen wie etwa der Ausschaffungsinitiative, der Masseneinwanderungsinitiative, dem freien Personenverkehr und dem Rahmenabkommen völlig andere Positionen vertreten als die SVP und die Bündner Bevölkerung. Die Parteileitung der SVP Graubünden vertritt deshalb die Auffassung, dass auch diese Wählerinnen und Wähler ein Anrecht auf eine Vertretung im Ständerat haben.»

Chance für Jon Pult?

Die bisher als sicher im Sattel sitzenden Stefan Engler und Martin Schmid gehen als Bisherige zwar weiterhin als klare Favoriten ins Rennen um den Ständerat, mit dem Wegfall eines Grossteils der SVP-Stimmen dürfte aber zweifellos etwas mehr Spannung aufkommen. Sowohl Favre Accola wie auch SP-Vertreter Jon Pult dürfen nun ernsthaft auf einen Platz im Stöckle schielen.

 

(Bild Valérie Favre Accola: zVg.)