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Letzte Woche startete der HC Davos mit dem Eistraining in die neue NL-Saison 2019/20. Eine Frage beschäftigt dabei schon heute: Wer wird das Tor des Schweizer Rekordmeisters hüten?

Die letzte Saison, in der Legende Arno del Curto seinen Rücktritt gab und der HCD den Ligaerhalt erst in der Ligaqualifikation sportlich sicherte, will man in Davos schnell vergessen. Dazu wurden zahlreiche personelle Wechsel vorgenommen, so auch auf der Goalieposition, die letztes Jahr eine der Schwachstellen bei den Bündnern war. Anders Lindbäck spielt neu bei Nischni Nowgorod in der KHL, Gilles Senn wechselte in die NHL-Organisation der New Jersey Devils (vorerst beim Farmteam Binghamton). Auch beim Torhüter-Coach gab es eine Neuerung, wo Peter Mettler den sich auf den Nachwuchs konzentrierenden Marcel Kull ablöste. 

 

Als Goalie-Trio kämpfen drei Spieler um die Position des Stamm-Keepers beim HC Davos:

  • Sandro Aeschlimann (24, neu von Zug): Aeschlimann kam letzte Saison zu 16 Einsätzen beim EV Zug (2017/18 drei Einsätze) und wusste mit einer Fangquote von 93,2% zu gefallen. Dazu bestritt er die letzten beiden Saisons bei der EVZ Academy in der Swiss League 34 Spiele mit einer Fangquote von 91% (letzte Saison 93,2%). In Davos will Aeschlimann erstmals Stamm-Keeper in der National League werden.
  • Joren van Pottelberghe (22, bisher, ausgeliehen nach Kloten): JvP bestritt 2017 und 2018 insgesamt 41 Spiele für den HCD, mit einer Fangquote von 90,5%. Zum Stamm-Keeper reichte es aber nicht, auch in den Playoffs kam er jeweils nicht mehr zum Einsatz. Letzte Saison wurde er nach Lindbäcks Last-Second-Verpflichtung in die Swiss League nach Kloten ausgeliehern, wo er insgesamt 26 Spiele bestritt (Quote 92,1%). Ausserdem bestritt er vier Spiele in Dänemark bei den Rungsted Seier Capital (88,5%). Nun nimmt der Schweiz-Belgier einen dritten Anlauf auf die Goalie-Position Nummer 1 in Davos.
  • Marvin Kortin (19, bisher): Der 19-jährige Kortin wurde letzte Saison erstmals an einigen Spielen als Ersatzkeeper ins NL-Team berufen, zu Einsätzen reichte es aber noch nicht. Der Feldkircher, der seit fünf Jahren im Nachwuchs des HCD spielt, absolvierte letzte Saison 29 Spiele bei den Elite-Junioren und kassierte dabei 2,75 Gegentore pro Spiel (inklusive neun Playoff-Spielen). Der Youngster ist im Dreikampf um die Goalie-Position zweifellos der klare Aussenseiter. 

Die beiden GRHeute-Eishockey-Journalisten Janick Valär und Richard Brändli sind sich beim Rennen um die Nummer 1 im Kasten einig.  

JvP wieder die Nummer 2?

«Aeschliman ist für mich klar die Nummer 1», so Valär, «er hat zwar weniger NL-Spiele als van Pottelberghe, aber in dieser kleinen Samplesize hat er die besseren Statistiken. Sein Abstecher nach Dänemark hat seinen Gesamtstats nicht gut getan, in Kloten war er ok.» Brändli ist gleicher Meinung: «Aeschlimann hat sicher das grösste Potential und ist daher die prädestinierte Nummer 1. Nicht nur in traditionellen Statistiken, sondern auch in etwas vertieften Statistiken ist dem ehemaligen EVZ-Goalie einiges zuzutrauen.»

Zum Vergleich: Von allen Goalies, die letzte Saison mindestens 10 Spiele in einem NL-Tor standen, hat Aeschlimann den zweitbesten GSAA/60-Wert mit 0.507 – nur Genoni war mit 0.521 noch besser. Zur Erklärung: GSAA = Goal Saved above average, d.h. wenn jeder Goalie in der Liga gleich viele Chancen und Schüsse sehen würde, wie wäre seine Bilanz? (0=perfekter Durchschnitt, – – Wert = unterdurchschnittlich, +-Wert = überdurchschnittlich). Einige der schlechtesten GSAA-Werte hatten übrigens Anders Lindbäck (Nr. 16 von 19), und Gilles Senn (Nr. 17 von 19), von daher kann man in Davos optimistisch sein.

Aeschlimanns Stats sind vielversprechend

Auch bei den traditionellen Stats macht Aeschlimann Hoffnung: Mit einer Fangquote von .932 war er letzte Saison der zweitbeste Goalie (hinter Genoni), genauso auch bei der Anzahl Gegentreffer pro Spiel (1.9 pro Spiel, zweiter Platz hinter Genoni). Man kann diese traditionellen Zahlen hinterfragen, weil die Sample Size relativ klein ist (nur 16 gespielte Partien), aber Aeschlimann kann man dazu nichts vorwerfen. Dass Stephan (der andere EVZ-Goalie) ebenfalls Top-5 in allen Bereichen ist, spricht für die Zuger Defense und sollte allerdings berücksichtigt werden. GSAA zeigt aber, dass es nicht nur die gute Verteidigung ist, sondern effektiv auch Aeschlimanns Leistung.

«Was man auch sagen muss», führt Brändli aus, «egal ob 16 Spiele oder 50, ein Goalie, der 75% aller Partien gewinnt, hat Winner-Qualitäten. Fazit: Aeschlimann klare Nummer 1, er hat zwar nicht Weibel/Hiller/Berra/Genoni-Potential, aber kann ein Top-5-Goalie in der Schweiz werden. JvP ist ein valabler Ersatz-Goalie. Seine Zeit in Schweden, Dänemark und bei Kloten hat dem jungen Keeper viel Erfahrung gebracht – mit 22 Jahren schon in drei Ländern gespielt ist kein schlechter Ausweis. Wahrscheinlich ist er nicht das Übertalent, für das er vor ein paar Jahren noch gehandelt wurde und weist nicht das gleiche Potential auf wie der zwei Jahre ältere Aeschlimann. Aber als Nummer 2 ‚verhebt‘ JvP mittlerweile meiner Meinung nach. Davos wird also mit dem Paket Aeschlimann und JvP besser aufgestellt sein als im Vorjahr mit Senn/Lindbäck.»

Kortin die klassische Nummer 3

Keine Chance auf die Stammkeeper-Position hat für beide Youngster Marvin Kortin. «Er ist für mich der klassische Nr. 3-Goalie», so Valär, «er ist erst 19-jährig und konnte noch nirgends richtig glänzen. Dass er gleich einschlägt, lässt sich also bezweifeln.» Auch für Brändli ist diese Frage klar: «Kortin scheint Potential zu haben und war letzte Saison ein Top-5-Elite-Goalie. Für die National League reicht es aber noch nicht, er wird nächstes Jahr die Nummer 3 sein.»

Das erste Freundschaftsspiel bestreitet der HC Davos am 11. August in Sursee gegen Vitkovice, die Meisterschafts-Premiere 2019/20 steht am Sonntag, 1. September, auswärts gegen die ZSC Lions auf dem Programm. Hier gehts zum kompletten Spielplan.

 

Palushaj und Tedenby in Davos eingetroffen

Zum Start des Eistrainings sind letzte Woche auch erstmals die beiden neuen ausländischen Stürmer Aaron Palushaj und Mattias Tedenby im HCD-Dress zu sehen gewesen. Der 29-jährige US-Amerikaner Palushaj mit der Erfahrung von 68 NHL-Spielen für die Montreal Canadiens und der gleichaltrige Schwede Tedenby, mit 120 NHL-Spielen für die New Jersey Devils im Gepäck, hinterliessen dabei einen guten körperlichen Eindruck. Beiden hatten das Sommertraining in ihrer Heimat absolviert.

 

(Archivbild: Joren van Pottelberghe/Twitter HC Davos/Quellen: eliteprospects.ch/NLA-Stats)