Liebe Tour de Suisse

Liebe Tour de Suisse

Vielleicht habt ihr es schon bemerkt: Es gibt immer weniger Leute an den Strassenrändern der Durchgangsdörfer. Das liegt einerseits an den Zeiten, an denen ihr durchfahrt, aber das ist wohl einfach nicht zu ändern. Und immer nur an Wochenenden geht ja auch nicht. Dafür habe ich absolutes Verständnis.

Wo mein Verständnis – und das von vielen anderen – aufhört, ist, wenn die Werbekolonne wie letztes Jahr nach Mastrils die Autobahn nimmt und Landquart, Igis, Zizers, Trimmis und Chur Nord auslässt. Es mag bequem für euch sein und nach einem Tag Autofahren auch irgendwie gewollt, aber es ist den Kindern, die an den Strassenrändern stehen gegenüber unfair.

Letztes Jahr habe ich mich auf der Facebook-Seite der Tour beschwert. Ein paar Tage später hatte ich ein riesiges Paket von search.ch im Büro. Bis oben voll mit Hüten und anderen Goodies. Den Inhalt habe ich ein paar Tage später am Fritigstreff, an dem zufälligerweise auch der Jugi-Abschluss stattfand, wie geheissen den Kindern verteilt. Ich habe damit den Jugi-Leitern ein wenig die Show gestohlen, was angesichts dessen, dass sie sich freiwillig für ein Angebot im Dorf zur Verfügung stellen, nicht ganz fair war, aber ich denke, es war zu verkraften. Ausserdem: Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.

Aber wie ich in meinem Dankesmail an search.ch schon schrieb: Das wäre nicht meine Aufgabe gewesen. Es ist eure. Auf eurer Marschtabelle steht klar: 11.05 Uhr in Landquart, 11.09 Uhr in Zizers, undsoweiter. Das ist der explizite Zeitplan für die Werbekolonne, eine gute Stunde vor den Fahrern. Wenn eure Werbekolonne lieber auf die Autobahn geht, ist das ok, aber dafür müssen wir nicht mit unseren Kindern auf die Kantonsstrasse stehen. Dann könnte man die Werbekolonne aus der Marschtabelle streichen.

Weil: Mit Salaten haben die Kinder zwar gegessen, aber keine Motivation, wieder zu kommen. Und mir würde die heissgeliebte Glocke von Vaudoise in meiner Sammlung fehlen.

(Bild: GRHeute. Das Paket von search.ch hatte in einer Strandtasche von Famigros Platz. Es gab wahrscheinlich mehr, als die Werbekolonne hergegeben hätte.)

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Rachel Van der Elst

Redaktionsleiterin/Region
Rachel Van der Elst mag Buchstaben: analog, virtuell oder überall, wo Menschen sind. In einem früheren Leben arbeitete sie unter anderm bei der AP, beim Blick, bei 20Minuten, beim Tages-Anzeiger und bei der Südostschweiz. In ihrer Handtasche immer dabei: Jasskarten.