Am Samstag um 18 Uhr schlägt für die Calanda Broncos im Final der Central European Football League an der Churer Ringstrasse die grosse Stunde: Als krasser Aussenseiter spielen die Bündner gegen die Swarco Raiders Innsbruck um die europäische Football-Krone. GRHeute hat vor dem grossen Spiel mit dem Quarterback der Broncos, dem 24-jährigen US-Amerikaner Conner Manning, gesprochen.

 

Conner Manning, wie fühlen Sie sich vor dem grossen Spiel?

Ich bin bereit. Wir haben uns diese Woche intensiv auf die Raiders vorbereitet. Wir fühlen uns gut genug, um rauszugehen und uns der Herausforderung zu stellen. Wir wollen unseren Heimfans auf jeden Fall eine gute Show bieten.

 

Die Broncos steigen gegen die Raiders allerdings als klarer Underdog ins Spiel. Wie beurteilen Sie die Chancen der Broncos?

Es gab in dieser Saison Situationen, in denen wir wie ein Top-Team spielen, dann hatten wir aber auch Phasen, in denen es nicht lief. Uns ist natürlich klar, dass wir gegen ein sehr gutes Team antreten. Wir müssen uns aber auf uns selbst konzentrieren und das beste Spiel der Saison zeigen. Dann schauen wir, was rauskommt.

 

Sie haben in den USA im College mit Georgia State unter anderem auswärts bei Penn State vor über 100’000 Zuschauern gespielt. Nun steht das Europacup-Finale an der Churer Ringstrasse bevor. Können Sie solche Erlebnisse als Footballer überhaupt vergleichen?

Das kann man schon. Ich freue mich, in grossen Spielen antreten zu dürfen. Die Zuschauerzahl und der Hype ändert nichts an der Bedeutung eines Spiels. Ich habe schon grosse Momente im Football erlebt, das macht mich demütig. Die Swarco Raiders sind das beste Team in Europa, sicher ausserhalb der German Football League, das macht die Herausforderung schon speziell. Ich bin natürlich stolz, in den USA in den ganz grossen Stadien gespielt zu haben. Einschüchternd war das aber nicht, auf dem Feld sind es letztlich 11 Spieler gegen 11 Spieler, ganz gleich, was rundherum geschieht. Football ist für mich mit Abstand der beste Sport der Welt. Zusammen mit den Teamkollegen zu kämpfen, den Druck, die Vorbereitung auf die Spiele, all das liebe ich. Da spielt es keine Rolle, ob man vor 100 oder 100’000 Zuschauern antritt.

 

In der Schweiz stehen die Broncos diese Saison bei sechs Siegen und einer Niederlage ganz oben in der NLA. Sie selbst stehen mitten in einer grossartigen Saison mit 27 geworfenen Touchdowns bei nur 4 Interceptions. Wie beurteilen Sie Ihre bisherige Leistung im Broncos-Jersey?

Ich habe mir nicht viele persönliche Ziele gesetzt, auf jeden Fall nicht statistische. Ich wollte und will für Coach Geoff Buffum und das Team spielen, die Chemie mit den Teamkollegen erarbeiten, mir Respekt und Vertrauen verdienen und natürlich gewinnen. Wir sind zu Saisonbeginn einmal in Genf gestolpert, ansonsten läuft es aber besser als ich erhoffen konnte.

 

Und wie gefällt es Ihnen in Chur?

Es ist grossartig. Es gefällt mir sehr, und ich habe auch die Gelegenheit, Europa ein wenig zu bereisen. Wir haben bisher auch viel gewonnen, aber meist noch nicht so gespielt, wie wir es könnten. 

 

In den ersten Wochen der Saison mussten sie auf mehrere Passfänger verzichten, mittlerweile hat sich auch diese Situation bei den Broncos deutlich verbessert. Wie schätzen Sie das Team ein?

Als ich ankam, war noch einiges unsicher, vor allem auf der Receiver-Position: Die beiden Gebrüder Fehr verpassen verletzungsbedingt die ganze Saison, Adrian Sünderhauf fiel (nach einer Kieferoperation, die Red.) mehrere Wochen aus, bei Lukas Lütscher (frischgebackener Vater, die Red.) wusste man nicht genau, wie oft er dabei sein kann. Und bei Severin Murk, der direkt von den U19 zur ersten Mannschaft stiess, war auch nicht sicher, was wir in einem Ernstkampf erwarten konnten. Er hat seine Sache schliesslich grossartig gemacht und sich zum Leistungsträger entwickelt. Wir wussten, dass wir im Verlauf der Saison besser werden würden und setzten darum zu Beginn stark auf das Laufspiel. Dies konnten wir dank unserer Offense Line tun, die meiner Meinung nach der stärkste Teil unseres Angriffs ist.

 

Und wer ist denn nun Ihr bevorzugter Receiver bei den Broncos?

Ah, das kann ich nicht sagen. Alle. Jeder, der «open» ist. (lacht)

 

Sie haben die Swarco Raiders ausgiebig studiert. Was sind die grössten Stärken der Österreicher?

Sie fliegen auf dem Feld umher, sind diszipliniert und haben eine sehr starke Defense. Und Offense. Sie haben grosse Jungs an der Line. In der Defense versuchen sie, das Spiel vor sich zu halten und keine «Big Plays» zuzulassen. Gemäss Experten sind sie ja auf allen Positionen besser besetzt als wir (ein Seitenhieb auf den Skype Showdown von GRHeute, die Red.). Aber das macht nichts, wir werden ready sein.

 

Sie haben mit den Broncos als Quarterback den polnischen, den türkischen und den serbischen Meister geschlagen. In der Schweiz kam es gegen Genf und Basel aber schon zu einigen ganz heissen Spielen. Was sagt das über den Schweizer Football aus?

Genf und Basel könnten problemlos mit den Türken und den Serben mithalten. Eine solche Meisterschaft ist sicher unterhaltsamer für die Fans, wenn die Spiele umkämpfter sind. 2018 waren ja schon viele Spiele der Broncos zur Halbzeit entschieden. Mir persönlich ist es lieber, Siege einzufahren, die man sich hart verdienen muss.

 

Das Endspiel der Central European Football League zwischen den Calanda Broncos und den Swarco Raiders Tirol findet am Samstag um 18 Uhr an der Churer Ringstrasse statt. 

 

(Bilder: GRHeute/Facebook Calanda Broncos)

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