In Chur ist ein 14-jähriger Oberstufenschüler tödlich verunglückt. Das Unglück ereignete sich an der traditionellen Maiensässfahrt der Stadtschule Chur. Für die betroffenen Angehörigen, Mitschüler aber auch für den Stadtrat stellt sich dieselbe Frage: Warum?

Der 14-Jährige war am Donnerstagnachmittag mit seiner Klasse unterwegs vom Churer Hausberg Pizokel über Juchs nach Chur. Kurz vor 17 Uhr stürzte er in einer Kurve von der Alpstrasse in der Oberen Val Parghera rund zweihundert Meter über felsdurchsetztes steiles Gelände ab. Der Regaarzt konnte nur noch den Tod des Jungen feststellen. Angehörige, Klassenkameradinnen und Klassenkameraden sowie Lehrpersonen werden psychologisch betreut. Die Staatsanwaltschaft und die Kantonspolizei Graubünden untersuchen, wie es zu dem Unglück gekommen ist.

Bei der Medienorientierung am Freitagmorgen im Rathaus Chur zeigte sich der Stadtrat betroffen über das Unglück. Der Stadtrat war mit Urs Marti, Patrik Degiacomi und Tom Leibundgut in globo bei der Konferenz anwesend. «Wir sind schockiert und zutiefst traurig über das Ereignis, das sich gestern zugetragen hat», sagte Urs Marti, der während dem Reden mehrmals ins Stocken geriet. Über die genauen Ursache sowie zu den laufendem Ermittlungen gibt die Kantonspolizei bislang noch keine Informationen. Der Fall liegt jetzt bei der Staatsanwaltschaft.

Der Hergang des Unglücks

16:00 Uhr – Die ersten Schulklassen machen sich auf den Weg, das Juchs zu verlassen und Richtung Chur zurückzukehren. Um welche Zeit der Verunglückte losgegangen ist, weiss man nicht.

17:00 Uhr – Die Zeugen des Unglücks informierten über den Unfall. Die Rettungskräfte wurden unverzüglich alarmiert. Die diesem Zeitpunkt waren bereits die ersten Schüler schon fast in Chur angekommen. Der Verunfallte lief im hinteren Teil der Schüler, die vom Juchs Talwärts wanderten.

17:50 Uhr – Die Schulpsychiatrischen Dienste bestätigten einen schwerwiegenden Unfall. Zu diesem Zeitpunkt waren die rund 2800 Schülerinnen und Schüler in Chur und bereiteten sich für den Umzug vor.

18:15 Uhr – Stadtrat Patrik Degiacomi wurde der Tod des Verunfallten bestätigt. Die betroffenen Eltern waren zu diesem Zeitpunkt nicht informiert. Der Stadtrat stellte sich die Frage, ob man den Umzug durchführen soll oder wie und ob man die Öffentlichkeit über den Todesfall informiert.

20:00 Uhr – Die Eltern konnten immer noch nicht kontaktiert werden. Patrik Degiacomi erhielt diese Information kurz vor seiner Rede. Er entschied sich, keine genaueren Äusserngen dazu machen, um keine Panik auszulösen

Warum wurde der Umzug trotzdem durchgeführt?

Dass die Durchsetzung des kostümierten Umzugs fragwürdig sei, ist sich der Stadtrat sehr wohl bewusst. «Wir haben uns sehr ausführlich darüber beraten, ob wir den Umzug stattfinden lassen oder nicht. Man muss sich vorstellen, zum Zeitpunkt, als wir über den Tod informiert wurden, warteten rund 5000 Eltern und andere Angehörige darauf,  ihre Kinder beim Umzug zu sehen. Eine Kommunikation des Todesfalls hätte eine Panik bei den Eltern auslösen können. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, zur Sicherheit den Umzug durchzuführen», sagte Patrik Degiacomi in der Medienorientierung.

War der Weg sicher?

Das Ereignis wirft Fragen zur Sicherheit der Maiensässfahrt auf. Dazu äusserte sich Tom Leibundgut wie folgt: «Natürlich führen wir immer wieder Sicherheitsanalysen durch zur Umsetzung dieser Tradition. Ein Unglück wie dieses gab es in der Vergangenheit noch nie. Zur Beschaffenheit des Wegs sind wir überzeugt, dass dieser sicher ist. Am Ort des Unglücks liefen die Schülerinnen und Schüler über eine breite und gut ausgebaute Strasse. Zwei Wochen vorher hatte man noch Instandsetzungsmassnahmen für diese Strasse vorgenommen.

 

(Bilder: zVg./ GRHeute)

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