«BIM» ist das Wort der Stunde in der Bau-Branche. David Gubler gehört zu den Schweizer Experten in der Digitalisierung im Bau. An der ibW Höhere Fachschule Südostschweiz unterrichtet der dipl. Architekt ETH in interdisziplinären BIM-Kompaktwochen Studierende in diversen HF-Studiengängen.

 

David Gubler, BIM ist in aller Munde. Können Sie einem Nicht-Eingeweihten erklären, worum es dabei geht?

Die drei Buchstaben bedeuten übersetzt «Bau-Information-Model» und sagen im Grunde aus, was BIM ist. Es geht letztlich um die Digitalisierung im Bauwesen. Dabei ist das I neu. BIM beinhaltet Informationen über die Bauteile, zum Beispiel, welche Eigenschaften es aufweist. Dies ist der grosse Unterschied zur konventionellen Bauplanung.

 

Sie haben die Digitalisierung angesprochen, die bekanntlich alle Branchen auf den Kopf stellen. Wie geht die Bau-Branche damit um?

Im Holzbau ist diese Digitalisierung schon länger Realität. Bereits in den 80er-Jahren hat die CAD-Planung die Branche verändert. Bei BIM ist der Wandel nun ähnlich. Und wie damals gibt es auch heute Architekten, die sich gegen diese Entwicklung wehren. Dabei ist BIM natürlich eine Chance, wie damals CAD. Heute kann niemand einem Kunden mehr eine Handzeichnung zeigen. 

 

Das heisst BIM ist letztlich ein Programm, die zu den Modellen auch Informationen liefert?

BIM ist keine Software, sondern eine Planungsmethodik. Es gibt eine gemeinsame Schnittstelle, die Industry Foundation Classes (IFC) mit einem Standard im Bauwesen beschrieben hat.

 

Wie kann man sich die Vorteile von BIM vorstellen?

Heute sind durch BIM geometrisch anspruchsvollere Bauten möglich. In der konventionellen Planung waren den Architekten Grenzen gesetzt. Man konzentrierte sich darauf, wirtschaftliche, staub- und wasserdichte Bauten zu erstellen, oft in schwieriger Planungsarbeit, bei der auch immer wieder Fehler passierten, weil sich die einzelnen Bau-Fachkräfte nicht aufeinander abgestimmt haben. Mit BIM lassen sich Modelle voll und ganz am Computer planen, simulieren und koordinieren, was vor allem bei komplexeren Grossbauten hilfreich ist.

 

Was bedeutet dies konkret für die Zukunft der Branche?

Es wird zukünftig Spezialisten in der digitalen Planung benötigen, alle Fachplaner werden sich mit dem Thema beschäftigen müssen. Aber auch Bauleiter und Handwerker auf dem Bau werden vermehrt mit der Anwendung und Umsetzung digitaler Planung in Kontakt kommen. Man muss mit den Prognosen vorsichtig sein: Handwerker und Hilfskräfte wird es noch lange auf dem Bau brauchen. Wichtig wird es sein, deren Qualität hoch zu halten. Auch ihre Arbeit wird sich verändern, sie werden auf dem Bau in Zukunft verstärkt mit digitalen Anleitungen, 3D-Scans und ähnlichem arbeiten.

 

An der ibW Höheren Fachschule Südostschweiz führen Sie unter anderem in diversen HF-Lehrgängen interdisziplinäre BIM-Kompaktwochen durch. Wie kommen diese an?

Man muss sich die grundsätzliche Frage stellen: Kommt das selbst fahrende Auto? Wohin geht die Digitalisierung? Aber man muss sich schon bewusst sein, dass es in den Grossstädten schon heute richtig «klöpft», ohne BIM geht da nichts mehr. Das Problem – in Anführungszeichen – ist, dass es der Baubranche gut geht. Es ist aber gefährlich zu glauben, man müsse deswegen nichts ändern. Insofern fehlt bei uns die Innovationstriebfeder. Wenn man über die Grenzen schaut, in Länder wie Spanien, wo die Baubranche in der Krise steckt, stellt man fest, dass deutlich stärker in BIM investiert wird. Meiner Meinung nach kann man sich in der Bau-Branche BIM nicht mehr lange verschliessen, sonst verpasst man den Anschluss. Wir unterrichten an der ibW viele Fachkräfte aus, vor allem auch «Hölzige», die in KMUs arbeiten. Wir haben den Anspruch, die Praxis abzubilden. Die Studierenden sollen einen Überblick erhalten, was auf sie zukommt. An der ibW sind wir mit diesem Angebot auf HF-Niveau einmalig in der Schweiz.

Sie gehören selbst zu den BIM-Experten in der Schweiz. Wie kommen Sie eigentlich dazu?

Im Grunde rein zufällig. Ende der 80er Jahre habe ich an der ETH studiert und kam wegen eines Auslandaufenthaltes einmal 30 Minuten zu spät. Man hat mich dann in einen Nebenraum an einen leeren Platz geschickt, an dem ein Computer stand. Wäre ich pünktlich gewesen, dann hätte ich wohl begonnen, Hand zu zeichnen und wäre wohl wie viele dabeigeblieben. Der Rest ist Geschichte. Ich bin «am Bildschirm» geblieben. In den 90er Jahren kamen die 3D-Modelle dazu, seit rund zehn Jahren die Informationen auf den Bauteilen.

 

Seither sind Sie auch in der Ausbildung tätig?

Ich unterrichte an der Universität Liechtenstein, der HSLU in Luzern, der Schule für Gestaltung Zürich und der ibW Höhere Fachschule Südostschweiz. Diese Unterrichtspensen bewegen sich zwischen 30-50%. Daneben arbeite ich als Architekt und Berater von Projekten und Unternehmen in BIM, z.B. aktuell bei der Wohnüberbauung «Weggishof» der Steiner AG.

Interessiert am Thema BIM? An einem Infoabend können Sie sich unverbindlich und kostenlos beraten lassen. Nächste Termine:

  • Sargans: Donnerstag, 23. Mai, 19 Uhr
  • Chur: Dienstag, 28. Mai, 19 Uhr

Weitere Informationen und Anmeldung zum Infoabend finden Sie unter www.ibw.ch.

 

David Gubler unterrichtet seit 2012 an mehreren Schweizer Hochschulen und Höheren Fachschulen in den Fachrichtungen BIM und CAD. Der dipl. Architekt ETH/SIA hat seit 2016 diverse BIM-Projekte geleitet und beraten und ist Kommissionsmitglied im Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein.

 

(Bilder: zVg.)