Muffige Wanderschuhe und ein grüner Kompostkübel schmücken das Fenstersims meiner ehemaligen Wohnung im Herzen der Churer Altstadt. Ich mag meine Nachmieter, ohne sie zu kennen, überhaupt nicht: Wie kann man nur! Hallo! – Stilloses Gesindel. Und dennoch scheint der unfreiwillige Schmuck an der unaufgeregten Fassade das einzig aufregende an diesem sonnigen Mittwochnachmittag in Chur zu sein. Alles andere geht seinen gewohnten Gang: Die Küchencrew im Falken raucht verschmitzt die Pause weg, die Frau im Kuchilada grüsst wie immer freundlich und in der Majorangasse schifft einer an die Häuserwand. Einzige Ausnahme bilden die krächzenden Schreie einiger Mannen in der kleinen Stadt: Aus dem Rathaus schreit einer «uffa!», derweil ein anderer aus dem Lagunenturm aufschreit. Nicht weniger laut, vielleicht aber etwas differenzierter.

Es geht um Meinungen. Und Geld. Viel Geld. Der Verwaltungsrat der Bergbahnen Chur – Dreibündenstein AG und die Wirtschaftslakaien im Churer Stadtrat bewerben mit Komitee freudigen SympathisantInnen jeglicher Couleur – formidabel wie schon so oft – einen Schlachtruf, den zu untersuchen sich lohnt: Was meint die Rede von «uffa!» oder «direkt uffa!» eigentlich? Ist es eine Reiseeinladung mit Aufforderungscharakter? Ist «uffa!» die Parole für den sozialen Aufstieg aller, obwohl die Abstiegsgesellschaft unser Dasein angeblich längst erfasst hat? Steht «uffa!» für den wirtschaftlichen Aufschwung, die touristische Rettung, quasi die verdrehte Churer Version der Porta Alpina?

Die etwas undeutlich argumentierenden Mitglieder von Stadt- und Verwaltungsrat und deren hochglanzportraitierten Mitstreitenden betreiben fleissig Abstimmungskampf, um den Zugang zum Hausberg für viele Jahrzehnte zu sichern. Für alle, ein «Generationenprojekt», auch ohne Schnee ends nachhaltig und abgrundtief emotional. Und dazwischen immer wieder bekannte Bilder des Hausberges, wie kleine Fensterchen, durch die sich die Bürgerseele direkt berühren lässt. Da wirkt bei aller Scharfzüngigkeit das Veto des pfeifenrauchenden Stararchitekten etwas fade. Aber wer weiss, der lässt sich vielleicht noch etwas einfallen. Es wäre beileibe nicht das erste Mal. Und sei es nur drum, die Verantwortlichen zu necken und sich selber im besten Lichte als Retter glänzen zu sehen. Möglicherweise sogar aus Liebe zur (selbstgebauten) Stadt. Währenddessen dürfen die Churer Bürgerinnen und Bürger schon mal scharf nachdenken und überlegen, wo auf dem Abstimmungszettel sie ihr Kreuzchen setzen und was sie sich leisten wollen. Natürlich wie immer ohne Steuererhöhung.

Als Churer im Exil harre ich gespannt der Dinge, imprägniere meine Wanderschuhe und summe leise das Churer Maiensässlied. Weil ich weiss, dass man auch ohne Bahn sich heftig bewegend – wallend – da hochkommt. Und weil der grenzinfantile Leitspruch auch für was ganz anderes stehen könnte: «uffa!» dürften meines Erachtens Anzahl und Qualität der Alternativvorschläge des Projekts, das wäre dem Ehrgeiz doch geschuldet. Und «uffa!» gehen hoffentlich auch die Löhne der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BCD: Das wäre nur anständig und meines Wissens bitter nötig. Selbstredend hätten die Damen und Herren des Verwaltungsrates und ihrer enthusiastischen Heimatfront da nochmal nachzurechnen! Erst dann hätten alle was zu bejubeln.

 

PS: Weils zum Thema passt: Hatten Sie auch schon mal Fuss- oder anderen Pilz, wussten aber nicht genau, wie sie das der etwas bieder wirkenden Apothekerin sagen sollen? Oder sind Sie da ganz offen, quasi schambefreit? Oder behaupten Sie wie ich, jemand anders hätte den Pilz und sie würden das Mittel lediglich für die (bettlägerige) Person besorgen? Und verstricken sich dabei in Widersprüchen? Schreiben Sie mir Ihre Lösungsansätze, das wäre wunderbar. Danke!

(Bild: GRHeute)